Das ist der neue Rosenheimer Stadtrat

von Redaktion

Während der Kampf um den Chefsessel im Rosenheimer Rathaus offen ist, steht der neue Stadtrat fest. SPD und AfD haben Sitze dazugewonnen. CSU, Freie Wähler/UP und Grüne müssen Verluste hinnehmen. Eine absolute Mehrheit gibt es nicht.

Die 44 Plätze am Tisch im großen Sitzungssaal des Rathauses werden in den kommenden sechs Jahren von Vertretern aus acht Parteien und Gruppierungen besetzt. Nicht mehr dabei sind (rechts, von oben) Herbert Borrmann (CSU), Robert Multrus (Freie Wähler/UP) und Rudolf Hötzel (Republikaner). Fotos Stadt Rosenheim/Schlecker (2)/Privat

Rosenheim – Der Stadtrat muss sich neu sortieren: Die 44 Plätze am Tisch im großen Sitzungssaal des Rathauses werden in den kommenden sechs Jahren von Vertretern aus acht Parteien und Gruppierungen besetzt. Bisher waren es neun. Die CSU bleibt mit 32,4 Prozent und 14 Sitzen die stärkste Kraft. Die Grünen folgen mit 19,6 Prozent und neun Sitzen. Die SPD kommt auf 18,3 Prozent und acht Plätze. Die AfD erreicht 12,5 Prozent der Stimmen und erhält damit fünf Plätze im Stadtrat.

Die Freien Wähler/UP kommen auf 6,9 Prozent und drei Sitze. Die Linke schafft mit 6,5 Prozent und drei Sitzen erstmals den Sprung in das Gremium. FDP und ÖDP ziehen mit jeweils einem Sitz und 1,8 beziehungsweise 1,4 Prozent in den Stadtrat ein. Die Republikaner verpassen dagegen mit 0,6 Prozent den Einzug in den Stadtrat.

Herbert Borrmann
scheidet aus

Soweit der nüchterne Blick auf die Zahlen. Was auch klar ist: Im Stadtrat und in den Ausschüssen wird es zahlreiche Neuzugänge geben. Und damit auch etliche Abgänge. Darunter Herbert Borrmann. 24 Jahre lang saß er im Stadtrat, einen Großteil davon als CSU-Fraktionsvorsitzender. Bei der Wahl trat er auf Listenplatz 11 an. Gereicht hat es nicht. „Von diesem Listenplatz aus ist man immer auf der Abschussliste“, sagt er am Telefon.

Schon im Vorfeld der Wahl hatte er mit dem Gedanken gespielt, seine politische Karriere zu beenden, habe sich dann aber trotzdem noch einmal aufstellen lassen. Mit dem Wahlergebnis wurde ihm die Entscheidung abgenommen. „Ich werde mich jetzt auch aus Altersgründen aus der Politik zurückziehen“, sagt er. Langweilig werde ihm trotzdem nicht. Er habe „viele Hobbys“ und mit dem TSV 1860 Rosenheim auch noch einen Sportverein, um den er sich kümmern muss.

März holt über
15.000 Stimmen

Neue Gesichter im Stadtrat gibt es bei den Christsozialen nicht. Oberbürgermeister Andreas März auf Listenplatz 1 erhielt 15.139 Stimmen. Landtagsabgeordneter Daniel Artmann, der auf Platz 2 der Liste angetreten ist, holte 13.248 Stimmen. Die Wähler auf seiner Seite hatte auch Georg Kaffl. Von Listenplatz 18 schoben ihn die Wähler vor auf Platz 6 – mit 8.670 Stimmen. Überzeugen konnten auch Dr. Georg Bergmeier (9.205), Alexandra Linordner (8.927) und Maria Bichler (8.804).

Zwar bleibt die CSU stärkste Kraft im Stadtrat, Verluste musste sie trotzdem hinnehmen. Während man 2020 noch 16 Sitze im Stadtrat hatte, sind es jetzt zwei weniger. Die Zeit, in der die CSU die absolute Mehrheit hatte, ist schon lange vorbei – und damit die komfortable Situation bei Entscheidungen. Die Aufgabe, in Verhandlungen über die eigene Fraktion hinaus Mehrheiten zu beschaffen, wird damit schwieriger.

Kooperation
mit der SPD?

In der Vergangenheit kooperierte die CSU deshalb mit der SPD. Ob das wieder eine Option ist, wird sich zeigen, scheint aber naheliegend. „Wir können uns eine Kooperation mit allen demokratischen Parteien vorstellen“, sagt Dr. Wolfgang Bergmüller, Fraktionsvorsitzender der CSU. Gespräche habe es jedoch noch nicht gegeben. Eine Kooperation mit der AfD schließt Bergmüller jedoch aus.

Zu den Gewinnern der Wahl gehört wohl die SPD. Das unterstreicht auch Oberbürgermeisterkandidat Abuzar Erdogan. Nicht nur schaffte er es in die Stichwahl, auch gewann seine Fraktion drei Sitze im Stadtrat dazu. „Ich bin extrem positiv gestimmt. Wir haben fast sechs Prozent dazugewonnen. Damit sind wir die großen Gewinner der Wahl“, sagt er.

Ein Blick auf die Zahlen bestätigt das. Während die SPD 2020 nur auf 12,4 Prozent kam, sind es heuer 18,3 Prozent. Neue Gesichter für die SPD gibt es mit Jonah Werner und Reka Molnar auch im Stadtrat. „Mit den beiden stellen wir die jüngsten Stadträte“, sagt Erdogan.

Werner ist 27 Jahre alt und machte in den vergangenen Jahren durch seine Arbeit mit dem Verein „Athletes for Ukraine“ auf sich aufmerksam, mit dem er mehrfach in der Ukraine humanitäre Hilfe leistete. Molnar ist 24 Jahre alt, arbeitet beim Deutschen Gewerkschaftsbund Oberbayern und will „jungen Menschen eine Stimme geben“. Werner erhielt 7.626 Stimmen, Molnar 5.310.

„Ein starker
Vertrauensbeweis“

Deutlich mehr Stimmen als noch vor vier Jahren sammelte auch Gabriele Leicht. Die Dritte Bürgermeisterin der Stadt kam auf 8.793, mehr als doppelt so viele Stimmen wie 2020. Klar die Nase vorn hatte auch aufgrund seiner Oberbürgermeister-Kandidatur Abuzar Erdogan mit 14.076 Stimmen. Nur Oberbürgermeister Andreas März (CSU) erhielt von den Wählern mehr Stimmen. „Das ist ein starker Vertrauensbeweis“, sagt der SPD-Herausforderer.

AfD mit einem lachenden
und weinenden Auge

Als Gewinner geht auch die AfD aus der Wahl hervor. Auch wenn sich deren Fraktionsvorsitzender Andreas Kohlberger noch ein paar Stimmen mehr gewünscht hätte. „Wir haben ein lachendes und ein weinendes Auge“, sagte er. Gewünscht hätte er sich mindestens sechs Sitze im Stadtrat, am Ende wurden es fünf. Neu dabei sind der AfD-Oberbürgermeisterkandidat Maximilian Leucht sowie Martina Kranich und Bernhard Boneberg.

Während die AfD 2020 nur 6,2 Prozent auf sich vereinen konnte, sind es heuer 12,5 Prozent. „Darauf sind wir stolz“, sagt Kohlberger. Eine Zusammenarbeit könnte sich der Fraktionsvorsitzende mit allen Parteien vorstellen. „Wir möchten für den Bürger das Beste rausholen“, sagte er. Sollte also beispielsweise von den Linken ein guter Antrag kommen, sei er „gerne dabei“.

Verluste hinnehmen mussten die Grünen. Während man 2020 noch auf 25 Prozent kam, sind es jetzt nur noch 19,6. Damit verlieren die Grünen im Stadtrat zwei von elf Sitzen. Mit neun Sitzen bleiben sie allerdings zweitstärkste Kraft im Rathaus. „Wir sind zufrieden“, sagt Fraktionsvorsitzender Peter Rutz. Dass man Plätze verloren habe, sei mit Blick auf den Bundestrend keine große Überraschung gewesen. Umso erfreulicher sei es, dass man in Rosenheim auf knapp 20 Prozent gekommen sei.

Viele neue Gesichter
bei den Grünen

Auch Rutz kann sich eine Zusammenarbeit mit allen demokratischen Parteien vorstellen, eine klare Grenze zieht er bei der AfD. „Wir sind erleichtert, dass sie nur fünf Plätze bekommen haben, zwischenzeitlich hat es nach acht ausgesehen“, sagt Rutz. Apropos Plätze im Stadtrat: Auch bei den Grünen gibt es viele neue Gesichter. So schaffte es beispielsweise der Oberwöhrer Florian Hofmann (32), 8.023 Stimmen auf sich zu vereinen. Nur Oberbürgermeisterkandidatin Anna Rutz erhielt mit 11.225 Stimmen mehr Zuspruch. Ebenfalls neu sind Benedikt Mirwald (5.825) und Brigitte Klein-Weigel (5.286).

Geschwächt aus der Wahl gehen die Freien Wähler/UP hervor. Mit gerade einmal 6,9 Prozent haben sie zwei Plätze weniger im Stadtrat als in der vergangenen Wahlperiode. „Zufrieden mit dem Ergebnis sind wir nicht. Drei Plätze im Stadtrat sind nicht zufriedenstellend“, sagt Fraktionsvorsitzender Robert Multrus. Bereits vor der Wahl stand fest, dass er nach 18 Jahren seine politische Laufbahn beendet. Mitgefiebert hat er trotzdem. „Ich bin froh, dass die AfD nicht noch stärker geworden ist“, sagt er.

Robert Multrus
sagt Adieu

Während der Stadtrat im kommenden Jahr also ohne Robert Multrus auskommen muss, gibt es mit Christine Degenhart und Dr. Beate Burkl zwei bekannte Gesichter bei den Freien Wählern/UP. Neu dazugekommen ist Oberbürgermeisterkandidat Christopher Ehrenböck. Er kam auf 3.580 Stimmen, fast 2.000 Stimmen weniger als Christine Degenhart.

Die restlichen fünf Sitze verteilen sich auf „Die Linke“ mit drei Sitzen sowie ÖDP und FDP mit jeweils einem Sitz. Bayerns ältester Kommunalpolitiker Horst Halser hatte bereits vor der Wahl auf eine erneute Kandidatur bei der ÖDP verzichtet, stattdessen konnte sich Johann Hechenthaler einen Platz ergattern. Er bekam 1.600 Stimmen. In die Fußstapfen der langjährigen FDP-Politikerin Maria Knott-Klausner tritt Oberbürgermeisterkandidat Marcus Moga. Er konnte 1.825 Stimmen auf sich vereinen.

Für eine Überraschung sorgten die Rosenheimer Linken. Für sie sitzen ab Mai Matthias Menold, Hannah Rohs und Madlen Löffler im Stadtrat. „Dieses Ergebnis ist für uns ein echter Erfolg. Unbezahlbare Mieten sind für so viele Menschen ein Problem – wir sind angetreten, das zu ändern, und nehmen diesen Auftrag an“, sagt Hannah Rohs, Oberbürgermeisterkandidatin der Linken.

Nicht mehr im Rosenheimer Stadtrat vertreten sind die Republikaner. „Wir sind total enttäuscht“, sagte Stadtrat Rudolf Hötzel. Nach 34 Jahren endet damit im Mai seine Zeit im Stadtrat. Stolz auf das Erreichte ist er trotzdem. „Wir hatten einen guten Wahlkampf, und ich habe viele positive Zuschriften erhalten“, sagt er. Hötzel will sich auch außerhalb des Gremiums weiterhin für seine Themen starkmachen, darunter die zweite Eisfläche. „Meine Frau ist aber froh, dass es nicht geklappt hat. Jetzt habe ich mehr Zeit für meine Enkelkinder“, verrät er.

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