Rosenheim – Andreas Kohlberger ist zufrieden. Auch wenn er sich noch mehr Sitze im Stadtrat erhofft hatte. Das sagte der Fraktionsvorsitzende der AfD kurz nach der Wahl am Telefon.
Dass die Themen, die die AfD setzt, bei den Rosenheimern ankommen, zeigt ein Blick auf die einzelnen Wahlbezirke. Mancherorts konnte die AfD dort enorme Erfolge mit deutlich über 20 Prozent verzeichnen. In Aising kamen sie sogar auf einen Spitzenwert von 29,3 Prozent. Aber der Reihe nach.
Denkbar knapp stimmten die Wähler in der Innenstadt ab. Zwar hatte die CSU die Nase mit 21,6 Prozent einen Hauch vorn, der Abstand zur SPD (20,7) und den Grünen (20,5) war aber verblüffend gering. Viertstärkste Kraft war die AfD mit 16,1 Prozent, gefolgt von der Partei „Die Linke“ (11,6).
Noch besser schnitt die CSU im westlichen Teil Rosenheims ab. Gewählt wurde hier unter anderem in der Mittelschule am Luitpoldpark, im Ignaz-Günther-Gymnasium, in der Technischen Hochschule sowie im Bürgerhaus Miteinander. Insgesamt kam die CSU auf 27,4 Prozent und die SPD auf 19,7 Prozent. Dicht gefolgt von den Grünen (18,1 Prozent) und der AfD (17,4 Prozent).
Viele AfD-Wähler im
Bürgerhaus Miteinander
Auffällig waren vor allem die Ergebnisse im Bürgerhaus Miteinander. Hier setzten 1.940 Bürger ihr Kreuz bei der AfD. 29,1 Prozent konnte die Partei in dem Gemeindezentrum an der Lessingstraße auf sich vereinen. Zweitstärkste Kraft ist die SPD mit 22,1 Prozent. Ihr dicht auf den Fersen ist die CSU mit 21,8 Prozent.
Ein ähnliches Bild zeigte sich kurz nach der Auszählung der abgegebenen Stimmen in der Staatlichen Berufsschule. Auch hier hatte die AfD mit 28,2 Prozent deutlich die Nase vorn. Die CSU kam auf 25,6 Prozent, die SPD auf 21,1 Prozent.
Im Osten CSU
deutlich überlegen
Im Osten Rosenheims war die CSU deutlich überlegen. Im Bildungszentrum St. Nikolaus gaben 3.188 Bürger ihre Stimme der CSU, also knapp 31 Prozent. Zweitstärkste Kraft waren die Grünen mit 21,9 Prozent, dicht gefolgt von der SPD mit 19,7 Prozent. Viertstärkste Kraft war hier die AfD mit 13,8 Prozent.
Deutlich besser schnitt die AfD in der Astrid-Lindgren-Grundschule ab. Dort war die CSU mit 24,7 Prozent zwar trotzdem die stärkste Kraft, die AfD erhielt jedoch 23,5 Prozent und ließ damit auch Grüne (16,2 Prozent) und SPD (16,0 Prozent) deutlich hinter sich. Auffallend hier: Die Linke kam auf insgesamt 11,3 Prozent.
In der Kastenau bekam die CSU von den 11.669 Stimmen insgesamt 4.428 – also fast 38 Prozent. Zweitstärkste Kraft war die SPD mit 2.168 Stimmen (18,6 Prozent), gefolgt von der AfD mit 2.024 Stimmen (17,3 Prozent). 6,1 Prozent setzten ihr Kreuz bei den Freien Wählern/UP.
Auch im Rosenheimer Süden lieferten sich die Parteien ein Kopf-an-Kopf-Rennen. Auffällig: Im Bürgerhaus E-Werk war die AfD mit 21,5 Prozent zweitstärkste Kraft. Von den 6.762 gültigen Stimmen konnten sie 1.455 Stimmen auf sich vereinen. Mehr schaffte nur die CSU mit 2.135 (31,6 Prozent).
In Fürstätt setzten die Wähler ihr Kreuz auffällig oft hinter die Grünen. Im großen Saal des katholischen Stadtpfarramts St. Quirinus, Am Gangsteig 1, bekam die Partei 23,9 Prozent der Stimmen. Mehr erhielt nur die CSU mit 35,9 Prozent. Drittstärkste Kraft ist die SPD mit 16,5 Prozent.
In Westerndorf St. Peter
hat die CSU die Nase vorn
In Westerndorf St. Peter hatten die Christsozialen in allen fünf Wahllokalen die Nase vorn. Auffällig ist hier vor allem das Ergebnis im Hotel Höhensteiger. Von den insgesamt 9.823 gültigen Stimmen holte die AfD 2.083, also fast 21,2 Prozent. Stärker war nur die CSU mit 3.583 Stimmen (36,5 Prozent).
Keine Verwunderung dürfte es geben, wenn man auf die Ergebnisse in Happing schaut. In allen Wahllokalen sammelte die CSU die meisten Stimmen ein. Im Bürgerhaus Happing ging jedoch ein Großteil der Stimmen an die AfD. In Zahlen verdeutlicht: Von 8.247 gültigen Stimmen räumte die AfD 2.141 ab – also 26 Prozent. Mehr holte nur die CSU mit 2.458 Stimmen (29,8 Prozent).
Aising mit
AfD-Spitzenwert
Noch mehr Stimmen holte die AfD im Raum E006 an der Grund- und Mittelschule in Aising. Hier erreichte sie einen Spitzenwert von 29,3 Prozent und ließ auch die CSU mit 28,8 Prozent hinter sich. Drittstärkste Partei waren die Grünen mit 16,7 Prozent. Am besten schnitten die Grünen bei der Wahl in der Pfarrei St. Josef der Arbeiter ab. Hier kamen sie auf 29,0 Prozent, die CSU nur auf 24,6 Prozent.
Und auch in Pang überzeugte die CSU in allen Wahllokalen. Vor allem in der Grundschule in Pang. Hier sammelten die Christsozialen mit 50,1 Prozent die Hälfte aller Stimmen ein. Die AfD kam auf 14,8 Prozent, SPD und Grüne teilen sich den dritten Platz mit 13,1 Prozent. Das beste Ergebnis erreichte die AfD im Alten Gemeindehaus in Pang. Von den 8.447 gültigen Stimmen erhielten sie 1.995. Besser schnitt nur die CSU ab, mit 2.915 Stimmen.
Auffällig ist außerdem der Vergleich zwischen Urne und Briefwahl. Hieraus ergibt sich, dass AfD-Wähler vermehrt ihr Kreuz im Wahllokal gemacht haben, während CSU- und Grünen-Wähler eher die Briefwahl bevorzugten.
Wahlbeteiligung bei
nur 53,2 Prozent
Ein ähnliches Bild zeigte sich bereits bei der Europawahl 2024. Damals sagte Florian Wenzel, Politikwissenschaftler aus Halfing: „In Gebieten, die als soziale Brennpunkte zu sehen sind, herrscht eine Mischung aus Wut und Resignation.“ Es gebe dort besonders viele Menschen, die sich zurückziehen und gar nicht mehr wählen gehen. Aber auch zahlreiche Menschen, die die AfD aus einem Wut-Impuls wählen. Die Wahlbeteiligung in Rosenheim lag übrigens heuer bei gerade einmal 53,2 Prozent.