Rosenheim/Au – Wenn er etwas macht, dann macht er es richtig. So hat Constantin Kehrer einen Abiturschnitt mit der Null vor dem Komma geschafft und auch die bundesweit beste Ausbildung in der Feinoptik abgelegt. Doch um die Feinoptik für sich als Berufsfeld zu finden, hat es kurz gedauert. Und das, obwohl seinem Opa der Beschichtungsbetrieb Tafelmaier in Rosenheim gehört, welcher mit Feinoptik arbeitet.
Er möchte den Beruf
bekannter machen
„Ich habe erst herumprobiert und ein Praktikum in der Industriemechanik gemacht, genauso wie eins in der Elektronik. Aber das hat mich alles nicht angesprochen“, sagt Kehrer. Dann hat der 22-Jährige aus Au bei Bad Feilnbach ein Praktikum bei einem Kollegen seines Opas gemacht – als Feinoptiker. „Das hat mir richtig gut gefallen. Da wusste ich: das werde ich machen“, sagt er. Bereits als Kind habe er bei seinem Opa immer ein wenig mitgeholfen und sich alles angeschaut. Der Beruf fasziniere ihn.
„Der Feinoptiker gehört zu den eher selteneren Berufen, da es sich um eine sehr spezialisierte Tätigkeit im industriellen Bereich handelt“, erklärt Katharina Toparkus, Pressesprecherin der Industrie- und Handelskammer Oberbayern. Um dieser Unbekanntheit entgegenzuwirken, übernahm Kehrer während seiner Ausbildung bei der Firma „Zeiss“ in Oberkochen auch die Funktion des „Ausbildungsbotschafters“. „Ich finde, der Beruf wird immer wichtiger, und ich wollte ihn weiterverbreiten“, sagt er. Außerdem habe er so seinem Ausbildungsunternehmen etwas zurückgeben wollen. Als Ausbildungsbotschafter ist er an Schulen gegangen und hat seinen Beruf vorgestellt.
Technikorientiert war
er schon in der Schule
„Feinoptiker fertigen an modernen Maschinen, aber auch in präziser Handarbeit optische Bauelemente wie Linsen oder Prismen an“, erklärt Katharina Toparkus. Doch in diesem Handwerk wird nicht nur mit Glas gearbeitet, auch Materialien wie Kunststoff und Metall kommen vor, sagt Toparkus. Neben dem Schleifen und Polieren würden auch das Beschichten sowie das Ent- und Verspiegeln von fertigen Bauteilen zur Arbeit eines Feinoptikers gehören. „Bayernweit gab es 2024 insgesamt 42 Feinoptiker-Auszubildende“, sagt Toparkus. Damit liege Bayern aber deutlich hinter Thüringen und Baden-Württemberg. „Diese haben traditionell eine sehr starke optische Industrie“, erklärt die Pressesprecherin.
In der Umgebung um Rosenheim wird die Feinoptik-Ausbildung von der Firma „Heidenhain“ in Traunreut angeboten. Dort habe sich auch Constantin Kehrer beworben, doch genommen wurde er nicht. Denn der Firma sei klar gewesen: Nach der Ausbildung würde Kehrer bei seinem Opa arbeiten. Über seinen schlussendlichen Ausbildungsbetrieb „Zeiss“ sei er allerdings sehr glücklich.
„Sie haben mich dort individuell gefördert und ich hatte die Möglichkeit, durch meine Mentoren ein tiefes Wissen aufzubauen“, erzählt Kehrer. Dass er für seinen Beruf brennt, merkt man. Die Physik habe ihn schon immer interessiert, ob zur Schulzeit in der Realschule oder in der FOS. Er sei sehr technikorientiert und habe bereits in der Schule immer den Mathematik-Zweig und auf der FOS den Technik-Zweig gewählt.
Aber nicht nur sein Interesse an der Naturwissenschaft passt zu seiner Berufswahl. Es geht viel um Genauigkeit und saubere Vorgehensweisen. „Die Ergebnisse werden durch genaues Arbeiten im Nano- und Pikometerbereich erzielt“, sagt er. Diese Eigenschaften würden sich auch in seinem Charakter widerspiegeln. Er bearbeite gerne detailreiche Probleme und bleibe mit Disziplin dran. So auch bei seiner Ausbildung.
Dadurch schaffte er den deutschlandweit besten Abschluss. Im zweiten Ausbildungsjahr habe er erfahren, dass es eine Auszeichnung von der Deutschen Industrie- und Handelskammer (IHK) für die beste Ausbildung gäbe. Das machte er sich zum Ziel, und so habe er bereits ein Lehrjahr früher angefangen, für die Theorieprüfung zu lernen. „Es war eine Erleichterung, als ich den Preis am Ende gewonnen habe“, sagt Kehrer. Im Dezember vergangenen Jahres wurde er von der Deutschen Industrie- und Handelskammer in Berlin geehrt und ausgezeichnet. Außerdem erhielt er zur gleichen Zeit seine Auszeichnung als Landesbester von der IHK Ostwürttemberg.
Bis September arbeitet er jetzt bei seinem Opa in der Firma Tafelmaier. Das sei eine komplett andere Produktpalette als bei „Zeiss“. „Bei Optik denkt man immer an Brillen, aber das macht eigentlich nur zehn Prozent des Arbeitsfeldes aus“, sagt Kehrer. Bei Zeiss habe er mechanische Komponenten für Maschinen hergestellt, die dann wiederum Handy-Chips produziert haben.
Ob für die
Raumfahrt oder Handys
„Ich war der Zulieferer vom Zulieferer“, erklärt er. Bei seinem Opa seien auch viele diverse und interessante Projekte dabei. Aber ein Feld, das sie immer wieder bedienen würden, sei die Medizintechnik, vor allem für Hals-Nasen-Ohren-Ärzte. „Wir stellen Teile für die Endoskope her“, sagt Kehrer. Aber auch Filter und Spiegel für Observatorien in der Luft- und Raumfahrt seien Teil der Produktpalette.
Im Oktober beginnt dann Kehrers Studium in München. „Ich wollte schon immer Physik studieren und ich habe die Möglichkeit, meinen Schwerpunkt auf Optik zu setzen“, sagt er. So sei das Studium nicht nur für ihn privat, sondern auch für den Beruf von Vorteil. Er könne Themengebiete wie Elektronik, in denen er nicht so viel wisse, vertiefen. Ein Ziel hat er sich für sein Studium bisher noch nicht gesetzt, außer alles zu geben. „Aber wenn es einen Preis gibt, versuche ich, ihn zu gewinnen“, sagt er.