Von wegen Lesemuffel – Schüler im Wettstreit

von Redaktion

Sieben Sechstklässler kämpfen in der Stadtbibliothek um den Sieg

Rosenheim – Leon Can Özdemir schlägt sein Buch auf, schaut kurz ins Publikum und beginnt, mit fester Stimme vorzulesen. Der Sechstklässler hatte sich beim Vorlesewettbewerb an der Mittelschule Aising durchgesetzt und trat nun in der Stadtbibliothek gegen sechs andere Schülerinnen und Schüler aus Rosenheim an. Hannes Eder, Eva-Maria Frank, Elsa Kameri, Paula Krause, Romy Schröer und Laura Zeidner lasen mit ihm um den Titel. Wer kann sich für die Teilnahme auf Bezirksebene qualifizieren?

In der ersten Runde lasen die Teilnehmer einen Teil aus einem selbst mitgebrachten Buch vor. Von Cornelia Funkes „Drachenreiter“ über vier zauberhafte Schwestern bis hin zu Klassikern wie Percy Jackson war inhaltlich viel geboten. Musikalisch umrahmt wurde der Wettbewerb bereits zum zweiten Mal von der „Geschwister Köllner“-Band. Die drei Brüder gaben auf Gitarre, Klavier, Schlagzeug und Bass Coversongs zum Besten.

Im zweiten Teil wurden die Kinder mit einer unbekannten Textpassage aus dem Buch „Die Jagd nach den magischen Münzen“ von Jessie Burton konfrontiert. Souverän meisterten alle diese Hürde und ließen sich weder von englischen Fremdwörtern noch von einem klingelnden Handy im Publikum aus dem Konzept bringen.

Die Jury, bestehend aus der Vorjahressiegerin Alisa Kocic, Nicola Zmavc vom Stadtarchiv, dem Förderschullehrer Tobias Keil, dem Mitarbeiter der Stadtbibliothek Sebastian Brons und Antonia Braun vom OVB, stand vor einer schwierigen Entscheidung. Lesetechnik, Interpretation und Textstellenauswahl gingen in die Bewertung mit ein. Während die Jurymitglieder sich im Hinterzimmer berieten, stieg die Nervosität der Vorleser und ihrer Begleitungen. Neben Familie und Freunden saßen auch einige Lehrer im Publikum und feuerten ihre Schüler an.

Als die letzten rockigen Töne der Geschwister Köllner verklangen, verkündete Organisatorin Bettina Sölch von der Stadtbibliothek mit einem Trommelwirbel das Resultat der Jury. Eindeutig hatte sich Laura Zeidner vom Sebastian-Finsterwalder-Gymnasium mit ihrem Ausschnitt aus „Woodwalkers“ durchgesetzt. Die Schülerin verriet, dass besonders ihre beste Freundin und ihre Kuscheltiere sie vom Publikum aus unterstützt hätten. In den Wettbewerb sei die Sechstklässlerin „offen reingegangen“, erzählte sie mit einem Grinsen. Schließlich hatte sie das Buch schon oft ihrer Mama vorgelesen und geübt. Nun geht es für die Siegerin weiter zum Bezirksentscheid, wo sie gegen 18 Konkurrenten aus ganz Oberbayern antreten wird.

Der jährlich stattfindende Vorlesewettbewerb wird zum 67. Mal vom Deutschen Buchhandel organisiert. Bettina Sölch, die sich um die Austragung des Entscheids auf städtischer Ebene kümmert, verteilte abschließend Urkunden und Bücher an alle Teilnehmer. Sie betonte, dass trotz des Wettbewerbscharakters der Spaß am Lesen im Vordergrund stehe.

Theresa Gruber

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