Rosenheim – Egal ob Sepp, José oder Giuseppe – sie alle feiern heute ihren Namenstag. Der Josefitag ist für die katholische Kirche besonders wichtig, schließlich ist der heilige Josef seit 1870 auch Kirchenpatron. Bereits im 12. Jahrhundert taucht der 19. März als Datum für seinen Namenstag auf. Obwohl Josefi in Bayern seit 1968 kein gesetzlicher Feiertag mehr ist, haben zahlreiche Traditionen überlebt. Dazu gehört auch ein ganz besonderes Bier: der Josefibock.
Stolz auf die
bayerische Kultur
Im Rosenheimer Auerbräu gibt es den leider nicht. Trotzdem freut sich Josefa Leitner auf ihren Namenstag: „Josefi ist ein Stück gelebte Tradition!“ Die 27-Jährige ist stolz, mit ihrer Tätigkeit als Bierbrauerin ein Teil bayerischer Kultur sein zu dürfen. Heimatliebe und Tradition spielen für sie eine große Rolle. Schon früh wusste sie, dass sie einen handfesten Beruf mit Heimatbezug ausüben wollte.
Aus Fischbachau
nach Rosenheim
Sie ist in Fischbachau (Kreis Miesbach) aufgewachsen und kennt sich gut mit den Regionalbrauereien ihrer Heimat aus. „Brauereien und Bierkultur sind hier im Oberland fest verwurzelt.“ Die Wahl des richtigen Bieres bei Festen aller Art habe schon so manchen Konflikt ausgelöst. Nach ihrem Fachabitur hat die 27-Jährige bei der Rosenheimer Traditionsbrauerei eine Ausbildung absolviert und ist seitdem dort im Lagerkeller als Brauerin und Mälzerin tätig.
Verbindung von
Industrie und Handwerk
Ihre Tätigkeit als Bierbrauerin verbindet Industrie und Handwerk, für Leitner ist das die perfekte Mischung. Obwohl sie sich täglich mit Bier beschäftigt, lässt ihre Begeisterung für das bayerische Nationalgetränk nicht nach. Aus den vier Zutaten Wasser, Hefe, Hopfen und Malz lassen sich viele Varianten machen, das fasziniert sie. Allerdings zählt Leitner nicht zu jenen Brauern, die ihre Passion auch zu Hause ausüben. Bei gleichem Aufwand käme dabei deutlich weniger Bier heraus, erklärt sie. Als schöne Erfahrung mit Freunden eignen sich eigene Brauversuche dennoch gut. Zu Beginn ihrer Ausbildung war Leitner die einzige weibliche Auszubildende, mittlerweile bewerben sich immer mehr junge Frauen bei der Brauerei.
Die Produktion von alkoholfreien Bieren und Limonaden schafft neue Tätigkeitsfelder. „Außerdem ist der Beruf technischer geworden“, sagt sie.
Früher war die Arbeit in den Brauereien stark von schwerer körperlicher Arbeit geprägt, weshalb überwiegend Männer Bier brauten. Josefa Leitner setzt sich selbst viel für die Zukunft der Bierbranche ein: Als Gewerkschafterin konnte sie schon viel bewirken. Zum Beispiel kämpft sie sich für die physische und mentale Entlastung der Brauereiarbeiter. Auch der Fachkräftemangel und die Bedrohung vieler Arbeitsplätze durch künstliche Intelligenz sind wichtige Themen für sie. Außerdem wünscht sie sich mehr Unterstützung für regionale Brauereien. „Es braucht in Bayern keiner ein Bier aus Mexiko oder China. Sind wir doch froh um unsere Biervielfalt hier in Bayern!“