Viele Apotheken in der Region bleiben heute dicht

von Redaktion

Aus Protest gegen ihre wirtschaftliche Lage bleiben heute in der Region – wie in ganz Bayern – viele Apotheken geschlossen. Die Inhaber und ihr Personal wollen mit dem Streik ein Signal an die Politik senden. Für Kunden ist eine Notversorgung durch einzelne Apotheken sichergestellt.

Rosenheim – So, wie es jetzt ist, kann es nicht bleiben. Es gehe ein wenig um das Überleben einer ganzen Branche. Das macht Markus Bauer deutlich. Der Inhaber der Alten Apotheke, der Römer Apotheke in Rosenheim sowie der Inn Apotheke in Thansau und viele andere Apotheker haben sich zu einem drastischen Schritt entschieden: Am heutigen Montag bleiben in ganz Bayern die Apotheken geschlossen. Es wird gestreikt. „Wir wollen ein Signal senden“, macht auch Florian Nagele, Sprecher des Bayerischen Apothekenverbands und selbst Inhaber einer Apotheke in Kolbermoor, deutlich.

Wirtschaftliche Lage von
Apotheken wird schlechter

Worauf die Pharmazeuten aufmerksam machen wollen: „Wir wehren uns dagegen, dass die Apotheken kaputtgespart werden“, teilt Dr. Hans-Peter Hubmann, Vorsitzender des Bayerischen Apothekerverbandes, mit. Das können auch Markus Bauer und Florian Nagele so unterschreiben. „Die wirtschaftliche Lage von Apotheken ist so, dass es nicht mehr rentabel ist. Das Ganze ist nicht mehr tragbar“, sagt Bauer am Telefon.

Ganz extrem zeigt sich das daran, dass in den vergangenen 13 Jahren fast jede fünfte Apotheke in Deutschland schließen musste. Allein in Bayern ist in diesem Zeitraum die Zahl von 3.304 auf 2.616 gesunken. „Das Apothekensterben ist faktisch belegt“, sagt Nagele. In Rosenheim haben vor nicht allzu langer Zeit zwei geschlossen, in Raubling hat eine zugemacht, in Oberaudorf gibt es inzwischen auch nur noch eine. Einige Orte hätten inzwischen gar keine Apotheke mehr, betont Nagele. Und der Trend setze sich gefährlich fort.

Das größte Problem der Apotheken ist das Geld. Genauer gesagt: das Honorar, das die Apotheken für die Abgabe von verschreibungspflichtigen Medikamenten bekommen. Diese Vergütung ist staatlich festgelegt und liegt derzeit bei 8,35 Euro pro abgegebener Packung – egal, wie teuer das Arzneimittel tatsächlich ist. „Wenn das Medikament 1000 Euro kostet, bleiben uns am Ende 6,35 Euro, da wir noch mal zwei Euro von den acht abtreten müssen“, erklärt Nagele. Mit den verschreibungspflichtigen Medikamenten mache ein Großteil der Apotheken allerdings „weit mehr als 80 Prozent“ ihrer Einnahmen.

Während es bei den Einnahmen hakt, seien die Ausgaben der Apotheken, etwa die Personalkosten, im selben Zeitraum deutlich gestiegen. „Teilweise zwischen 60 und 70 Prozent“, sagt Markus Bauer. Finanziell gehe es bei vielen Apotheken im Moment nur noch ums „Durchhalten“. Zumal es eigentlich ein Licht am Ende des Tunnels gibt. „Im Koalitionsvertrag steht geschrieben, dass das Honorar auf 9,50 Euro angehoben wird, passiert ist bislang aber gar nichts“, sagt Florian Nagele.

Wie das Bundesministerium für Gesundheit auf OVB-Anfrage mitteilt, soll demnächst Bewegung in die Sache kommen. Die Erhöhung der Vergütung soll mit einer Verordnung durchgesetzt werden. Dazu soll im Frühjahr ein Maßnahmenpaket vorgelegt werden, in dem das neue Honorar geregelt wird, teilt ein Sprecher des Ministeriums mit.

Für die Rosenheimer Apotheker kann es nicht schnell genug gehen. Mit diesem „kleinen Baustein“ könnte die Wirtschaftlichkeit einer Apotheke wieder besser werden, sagt Nagele. Die Alternative sei, den Preis für freiverkäufliche Medikamente – wie leichte Schmerztabletten, Nasenspray oder Mittel gegen Halsschmerzen – zu erhöhen. „Eine wirkliche Option ist das aber auch nicht, da wir in Konkurrenz zu Internetapotheken stehen und es nicht unendlich teuer machen können“, sagt der Apothekensprecher. Es sei daher höchste Zeit, dass die Politik jetzt reagiert, betont Nagele.

Neben der Erhöhung des Honorars sollte die Regierung auch noch ein anderes Problem angehen. „Die Bürokratie abbauen“, sagt Markus Bauer. Was er Zeit damit verbringe, alles genau zu dokumentieren und „bis ins allerletzte kleinste Detail“ zu beachten, könne man sich nicht vorstellen. „Da lohnt es sich fast nicht mehr, aufzusperren“, kritisiert er. Das sei schließlich Zeit, die er nicht im Verkauf stehe und seinen Kunden weiterhelfen könnte. Alles in allem werde es einem schwer gemacht, eine Apotheke am Leben zu halten.

Große Beteiligung im
Landkreis Rosenheim

So sei nicht ausgeschlossen, dass weitere bekannte und beliebte Rosenheimer Apotheken womöglich schließen müssen, wenn nichts passiert. „Die Einschläge kommen näher“, sagt Markus Bauer. Als Inhaber mache man sich natürlich seine Gedanken. Für die Kunden hätte das allerdings auch erhebliche Auswirkungen. „Die Versorgung wird schlechter, die Wege werden weiter“, sagt Florian Nagele. Obwohl die Dichte an Apotheken in Rosenheim noch gut sei, werde es am Land schon schwieriger. Irgendwann könne es sein, dass Kunden im Notfall – besonders an Wochenenden, in der Nacht oder an Feiertagen – viele Kilometer fahren müssen, um „schnell mal an ein Medikament“ zu kommen.

Damit die Versorgung in Zukunft gewährleistet ist, wollen die Apotheker jetzt „geschlossen auftreten“ und auf die Probleme aufmerksam machen. Es gehe darum, zu zeigen, was passiert, wenn vor Ort keine Apotheke mehr da ist, macht Bauer klar. Lange überlegt habe er deshalb nicht, ob er sich am Streik beteiligt. „Die Frage war aber schon, ob ich das meinen Kunden zumuten will, weil die können ja nichts dafür“, sagt der Apotheker. Daher sei ihm eines wichtig: „Das richtet sich keineswegs gegen unsere Kunden, wir wollen das der Politik klarmachen“, sagt Bauer.

So wird der ein oder andere Kunde am Montag (23. März) wohl vor verschlossener Tür stehen. „Die Beteiligung am Streik im Landkreis Rosenheim ist relativ hoch“, sagt Florian Nagele. Er wisse sicher von den Apotheken in Kolbermoor, Bad Aibling, Bruckmühl, Brannenburg, Oberaudorf und in Bad Feilnbach. „In Rosenheim müssten es zwischen acht und zehn Apotheken sein“, sagt der Sprecher des Bayerischen Apothekerverbandes. Er stellt aber klar: „Die Notversorgung ist gesichert.“ Wie an Sonntagen gebe es Apotheken, die Notdienst haben.

Notversorgung
ist gesichert

Zu diesen Apotheken zählt auch die von Markus Bauer in der Rosenheimer Innenstadt. Er rät den Kunden dennoch, sich bereits vorab mit Medikamenten einzudecken, wenn man auf diese angewiesen ist. Ab morgen, Dienstag, laufe wieder alles normal.

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