Zehn Jahre gelungene Integration

von Redaktion

Angela Merkel prägte den Satz „Wir schaffen das“, der Fachdienst Asyl und Migration der Caritas Rosenheim setzt ihn um. Zum zehnjährigen Bestehen zieht der Dienst eine positive Bilanz der Integration und zeigt die Menschen dahinter in einer Ausstellung.

Rosenheim – „Wir schaffen das.“ Wer die ehemalige Bundeskanzlerin Angela Merkel mit diesem Satz zitiert, tut das selten zustimmend. Im Gegenteil. Ihre Zuversicht, Deutschland würde die Herausforderungen erfolgreich bewältigen können, die die große Flüchtlingswelle im Jahr 2015 mit sich brachte, wird nicht selten ins Lächerliche gezogen: Blauäugig und realitätsfremd sei diese Einschätzung gewesen.

Da ist es durchaus eine Nachricht, dass Menschen, die von Berufs wegen tagtäglich mit den Fragen der Migration umgehen, diesen Satz sehr wohl unterschreiben würden. Zum Beispiel der „Fachdienst Asyl und Migration“ der Caritaszentren in Stadt und Landkreis Rosenheim, der in diesem Jahr sein zehnjähriges Bestehen feiert. Für Wolfgang Ehrenlechner, den Caritas-Kreisgeschäftsführer, hat das vergangene Jahrzehnt – alles in allem – eines klar gezeigt: Dass hinter dem Satz „Wir schaffen das“ eben nicht eine enttäuschte, weil von Anfang an unrealistische Hoffnung steht. Er sei vielmehr eine Zustandsbeschreibung: „Die deutsche Zivilgesellschaft hat in der Tat bewiesen, dass sie den Herausforderungen gewachsen war und nach wie vor ist.“

Woher diese Überzeugung rührt, das möchte der Fachdienst Asyl und Migration unter anderem mit einer Ausstellung zeigen, die noch bis Ende März im Katholischen Bildungswerk in der Pettenkoferstraße zu sehen ist. Dort finden sich 28 Porträts von Menschen, die einstmals „Flüchtlinge“ waren und es geschafft haben, sich in Deutschland, ihrer neuen Heimat, ein neues Leben aufzubauen. Ein besonderes Merkmal dieser Ausstellung ist, dass sie nicht nur Menschen zeigt, die nach 2015 hierherkamen. Flüchtlingswellen gab es bereits vorher.

Die größte in Deutschlands Geschichte war sicher die nach dem Zweiten Weltkrieg, als in der noch jungen Bundesrepublik binnen kurzer Zeit gut zehn Millionen – manche Schätzungen sprechen von 14 Millionen – Vertriebene Zuflucht suchten und fanden. Dass davon im heutigen öffentlichen Bewusstsein so gut wie nichts mehr präsent ist, zeigt, wie gut die Integration am Ende funktioniert hat.

„Integration ist eben keine unlösbare Aufgabe“, betont Petra Gäbelein, die zusammen mit Sophie Fürstenau den Fachdienst Asyl in Stadt und Landkreis Rosenheim leitet. Sie verweist darauf, dass die damalige Integration anfangs ebenfalls eine gewaltige Herausforderung war, möglicherweise eine noch deutlich größere als heute: „Man muss sich daran erinnern: Damals gab es Fälle, in denen von einem Tag auf den anderen eine Flüchtlingsfamilie vor der Tür stand, die man auf unbestimmte Zeit in sein Haus aufzunehmen hatte.“

Petra Gäbelein kann noch etwas feststellen: In der tatsächlichen Realität unserer Gesellschaft ist durchaus auch Offenheit gegenüber geflüchteten Menschen zu verspüren. Das zeige schon die große Zahl der Menschen, die sich ehrenamtlich in sogenannten Helferkreisen für Geflüchtete organisieren; in Stadt und Landkreis sind es rund 500. „Und diese, wie auch wir hier von der Fachstelle, begegnen in unserer täglichen Arbeit glücklicherweise weniger Ressentiments, als man nach dem Bild befürchten könnte, das in den sozialen Medien von der Stimmung im Land gezeichnet wird.“ Es zeige sich, dass offenbar in dem Moment, in dem es nicht mehr um „Geflüchtete“ oder „Asylbewerber“ als anonyme Masse, sondern um einzelne Menschen gehe, die Empathie größeres Gewicht bekomme als Vorbehalte und Vorurteile.

Blick nach vorn: Es bleibt
eine Daueraufgabe

Genau deshalb, so Petra Gäbelein, versuche die Ausstellung auch zu zeigen, dass hinter „den Geflüchteten“ einzelne Gesichter und Persönlichkeiten stehen. Und immer schon standen, wie die Beispiele jener Menschen zeigen, die nach dem Zweiten Weltkrieg ihre ursprüngliche Heimat verlassen mussten. Dass der Caritas-Fachdienst „Asyl und Migration“ zu seinem zehnjährigen Jubiläum ein positives Bild der bisherigen Integrationsbemühungen zeichnet, soll aber nicht bedeuten, dass alles schon allerbestens wäre.

„Wir haben noch viel Arbeit zu leisten, in doppelter Hinsicht“, sagt Petra Gäbelein. „Denn erstens gilt es, für jene, die schon bei uns sind, die Integration voranzutreiben. Da sind wir in manchen Punkten noch nicht so viel weiter als vor elf Jahren. Und zweitens steht fest: Flucht, Vertreibung und damit Zuwanderung werden nichts sein, was irgendwann aufhört.“ Dennoch sei eine positive Rückschau – sozusagen als Zwischenbilanz – ebenso gerechtfertigt wie wichtig: „Die Bemühung um Integration kann für alle Seiten oft mühsam sein. Da ist es gut, wenn man sich immer wieder mal vor Augen hält, wie viel man eigentlich schon bewirkt hat.“

Und um auch das an einem konkreten Beispiel festzumachen: Anja Heubelhuber, die ebenfalls in der Flüchtlings- und Migrationsberatung der Caritas arbeitet, hat viele Geschichten parat, die für sie ihre Arbeit lohnend machen: „Es ist zutiefst ergreifend, wenn einen auf der Straße junge Menschen ansprechen und sich bedanken wollen für die Unterstützung, die ihre Eltern erfahren haben, als sie einst in Deutschland Zuflucht suchten. Offenheit und Zuwendung, die man anderen schenkt, haben Wirkung, offenbar sogar über Generationen hinweg.“

Artikel 6 von 8