Rosenheim – Das Schreiben ist schon einige Tage alt. Abgeflaut ist der Ärger jedoch nicht. Zumindest bei einem Anwohner. Als er den Brief der Romed-Kliniken aus seinem Briefkasten holte, traute er erst einmal seinen Augen nicht. In dem Schreiben wurden die Nachbarn des Romed-Klinikums, also die Bewohner im Malvenweg und Lilienweg, über Baumfällarbeiten informiert.
Fachfirma führt
Fällungen durch
Grund hierfür seien die bauliche Erweiterung des Medizinischen Versorgungszentrums (MVZ) sowie die Verkehrssicherungspflicht im Bereich der Rettungsdienst-Umfahrt. „Zwei Tage später hat eine Fachfirma die Fällungen bereits durchgeführt“, sagt der Anwohner, der anonym bleiben möchte. Zuvor habe er noch versucht, mit dem Umwelt- und Grünflächenamt der Stadt Kontakt aufzunehmen, um die Fällung abzuwenden. Ohne Erfolg.
„Es handelte sich unter anderem um eine alte Kiefer sowie acht viele Meter hohe Gleditschien, die vermutlich seit dem Umbau des Klinikums in den 60er- Jahren dort standen“, sagt der Anwohner. Deren Wert als Schattenspender, Wasserspeicher, Sauerstofflieferant und Klimaanlage im dicht besiedelten urbanen Raum sei unersetzlich. Auch sei durch die Fällungen der Lebensraum von Vögeln und Eichhörnchen zerstört worden.
Planungen für Vorhaben laufen auf Hochtouren
„Für uns unverständlich ist, wie das Umweltamt die Fällung der Bäume genehmigen konnte, die bis auf eine Ausnahme gesund waren und unter die Baumschutzverordnung der Stadt fallen, obwohl es scheinbar noch überhaupt keinen Bauplan gibt“, kritisiert der Anwohner.
Die Planungen für das Vorhaben laufen auf Hochtouren. Das bestätigt eine Sprecherin des Romed-Klinikums auf OVB-Anfrage. „Derzeit findet die sogenannte Vorentwurfsplanung statt“, sagt sie. Im Laufe des Frühjahrs sei nach entsprechender Beteiligung der Nachbarn die Einreichung des Bauantrags vorgesehen. Angestrebt sei die Umsetzung der Maßnahme – voraussichtlich in Holzbau- oder Modulbauweise – im Laufe des Jahres. Dass es überhaupt eine Erweiterung des Medizinischen Versorgungszentrums braucht, sei der Entwicklung der vergangenen zehn Jahre geschuldet. „Die Behandlungen haben erheblich zugenommen“, sagt die Sprecherin. Im MVZ in Rosenheim gibt es neben der Unfallchirurgie auch eine Kinderchirurgie, Neurochirurgie, Allergologie, Gefäßchirurgie sowie Orthopädie.
Zweigeschossiges
Bürogebäude geplant
„Zur bedarfsgerechten Versorgung – perspektivisch wird mit weiter zunehmenden Patientenzahlen gerechnet – ist beabsichtigt, ein zweigeschossiges Bürogebäude auf einer Fläche im nördlichen Bereich der Klinikliegenschaft zu errichten“, teilt die Sprecherin mit.
Dort werden Wartebereiche für Patienten, Arztzimmer und Büroräume untergebracht. Zugang und Erschließung des Gebäudes erfolgt über eine Anbindung aus dem bestehenden MVZ.
Ersatzpflanzungen
Anfang 2027
Soweit zu den Plänen für den Erweiterungsbau. In Bezug auf Ersatzpflanzungen verweist die Stadt auf das Schreiben des Klinikums. In diesem heißt es, dass die auferlegten Ersatzpflanzungen voraussichtlich Ende 2026 beziehungsweise Anfang 2027 erfolgen. „Vorgezogene Ausgleichsmaßnahmen in Bezug auf Vogel- und Fledermausschutz wurden bereits umgesetzt.“ Für den Anwohner ist das nur ein schwacher Trost.