Rosenheim – „Rosenheimer Zeitsprünge“ heißt die einmal wöchentlich erscheinende Serie der OVB-Heimatzeitungen, von OVB online und der 24er-Portale. Was darf der Leser beziehungsweise User von der Serie erwarten? Auf alle Fälle tolle Bilder aus den letzten Jahrzehnten, die sich mit einem Vorher/Nachher-Schieberegler in die Gegenwart verwandeln und mit einem Klick auch vergrößern lassen.
Klepperboote gefragt beim
Jahrhunderthochwasser
„Im Klepperboot durch Rosenheim“ titelte das Oberbayerische Volksblatt am 31. Mai 1990 und erinnerte mit diesem Artikel an das Jahrhunderthochwasser 50 Jahre vorher. Am 31. Mai 1940 überfluteten der Inn und die Mangfall nach einem Dammbruch die Rosenheimer Innenstadt und natürlich auch die Innstraße. Eine Kombination aus starker Schneeschmelze in den Alpen und einem über 40 Stunden anhaltenden Starkregen ließ die Pegel extrem schnell ansteigen. Am 30. Mai stieg der Inn bei Rosenheim innerhalb von nur neun Stunden von 3,10 auf 4,27 Meter. Da sich Deutschland mitten im Zweiten Weltkrieg befand, waren die Ressourcen zur Bekämpfung der Flut eingeschränkt. Dennoch waren zahlreiche Hilfskräfte im Einsatz, um die Schäden in Millionenhöhe zu begrenzen.
In Rosenheim sah es kurzfristig aus wie in Klein-Venedig. Viele Straßen waren überflutet. In Klepperbooten und Pionierschlauchbooten paddelten die Menschen in die Stadt. Unter anderem über die Innstraße, die schon damals eine der historisch wichtigen Verkehrs- und Geschäftsstraßen der Stadt war und immer noch ist. Die Innstraße ist etwa einen Kilometer lang und verbindet die Rosenheimer Altstadt mit der Brücke über den Inn. Dadurch war sie seit Jahrhunderten ein wichtiger Zugang zur Stadt aus östlicher Richtung.
Die Namen kamen und
gingen gleich mehrfach
Bis zum 18./19. Jahrhundert bestand der Straßenzug aus mehreren Abschnitten mit verschiedenen Namen, etwa Spitalgasse oder „Straße nach Salzburg“. Erst 1882 erhielt der gesamte Straßenzug offiziell den Namen Innstraße. Trotzdem erfolgte noch einmal eine Umbenennung und die Straße erhielt einen schrecklichen Namen: Während der Zeit des Nationalsozialismus wurde die Innstraße in „Adolf-Hitler-Straße“ umbenannt, und zwar 1933 nach dessen Machtübernahme. Rosenheim war dabei keine Ausnahme, denn viele Städte im Deutschen Reich benannten zentrale Straßen nach Hitler. Im Zuge der Entnazifizierung wurde der Name 1945 wieder abgeschafft und die Straße erhielt erneut ihre heutige Bezeichnung. Die durchgehende Bebauung entstand vorwiegend im 19. Jahrhundert, als Rosenheim wirtschaftlich stark wuchs. Viele Wohn- und Geschäftshäuser sowie Gaststätten entstanden entlang der Straße.
Spitalkirche St. Joseph
mit dem Zwiebelhelm
Direkt an der Straße liegt die Spitalkirche St. Joseph – gebaut 1618/1619. Nach dem großen Marktbrand von 1641 erhielt der Kirchturm seinen charakteristischen Zwiebelhelm. Mehrere Geschäfte, die für die Innstraße charakteristisch waren, werden in historischen Fotografien und Archivalien erwähnt, darunter Michael Neffs Hutladen im großen Wohn- und Geschäftshaus (gebaut 1899) in der Innstraße 14.
Ab 1870 fanden auf der nahegelegenen Bayerwiese Viehmärkte statt, was zusätzlichen Verkehr und Handel brachte. Gut drei Jahrzehnte diente die Markthalle als Rosenheims Mehrzweckhalle. 1936 wurde sie als Viehhalle errichtet und mit einer Bezirkstierschau im Rahmen des Herbstfestes eröffnet.
Ab 1949 wurde die Halle nicht mehr als Vieheinstellhalle genutzt. Nach einer Renovierung wurde sie in den 1950er-Jahren für Sportveranstaltungen, Versammlungen, Messen und Ausstellungen verwendet. Am bekanntesten war die Markthalle wohl als Hochburg des Boxsports. In seiner Blütezeit Mitte der 1950er- bis 1970er-Jahre erkämpften Mitglieder des BC Bavaria Rosenheim zahlreiche bayerische und deutsche Meistertitel.
Zwar wurde die Markthalle punktuell modernisiert, ein Ausbau zur modernen Turnhalle scheiterte aber an den Kosten. Als sie im Sommer 1968 abgebrochen wurde, stand aber schon Ersatz bereit: Am 1. September 1968 wurde in der neu gebauten Inntalhalle vor über 3.000 Besuchern die erste Box-Matinee durchgeführt. Das Vereinsheim der Rosenheimer Boxer war fast gegenüber auf der anderen Straßenseite im „Mohrenschimmel“. Die Gaststätte gibt es immer noch. Heute befindet sich in den Räumlichkeiten das griechische Lokal Mykonos.
500 Mark pro Schuljahr –
ohne Bier zum Abendessen
Nahe der Mangfallbrücke wurde 1891 ein Pensionat für die auswärtigen Schüler der Realschule (dem späteren Finsterwalder-Gymnasium) eingerichtet. Im Projekt des Schülerheims stand: „Den Schülern wird Kost und Wohnung geboten und sie werden beim häuslichen Studium überwacht und angeleitet und nach religiös-sittlichen Grundsätzen erzogen.“ Die Kosten lagen bei 500 Mark pro Schuljahr mit fünfmal am Tag Essen. Bier zum Abendessen musste extra bezahlt werden.
1922 wurde das Realschulpensionat mit dem Gymnasialschülerheim zusammengelegt und im Gymnasium an der Prinzregentenstraße untergebracht.