Mehr Platz für Studenten

von Redaktion

Bezahlbarer Wohnraum dringend gesucht –Investor plant 72 neue Einheiten an der Pichlmayrstraße

Rosenheim – Der Punkt auf der Tagesordnung war in wenigen Sekunden abgehandelt. Einstimmig sprachen sich die Mitglieder des Haupt- und Finanzausschusses dafür aus, dass die Stadt von ihrem Vorkaufsrecht keinen Gebrauch macht. Zur Diskussion stand das Grundstück an der Pichlmayrstraße mit einer Größe von 1.368 Quadratmetern. Die Fläche wird derzeit als Parkplatz genutzt.

Auf der gegenüberliegenden Straßenseite befinden sich zwei weitere Grundstücke – die sich allerdings nicht für einen Wohnungsbau anbieten. Hier könnten jedoch 28 Stellplätze entstehen, schließlich schreibt die Stellplatzsatzung der Stadt Rosenheim vor, dass eine bestimmte Anzahl nachgewiesen werden muss – je nachdem, um welche Wohnart es sich handelt. Bereits Ende 2025 wurde die Stadt darüber informiert, dass das Grundstück verkauft werden soll. Der Stadt steht – so wurde es während der Sitzung kommuniziert – ein Vorkaufsrecht zu.

So wird es Kommunen ermöglicht, sich Flächen zu sichern, um mehr bezahlbaren Wohnraum schaffen zu können. „Die Ausübung des Vorkaufsrechts ist nur zulässig, wenn dies aus Gründen des Gemeinwohls gerechtfertigt ist“, teilt die Verwaltung mit.

Lage in der Stadt
ist angespannt

Nun ist es kein Geheimnis, dass der Wohnungsmarkt in der Stadt Rosenheim angespannt ist. „Ein zentrales Ziel der Stadt ist daher die Schaffung von bezahlbarem Wohnraum, insbesondere im Bereich des sozialen Wohnungsbaus und mietpreisgedämpfter Wohnungen“, heißt es aus dem Rathaus. Der Erwerb des Grundstücks an der Pichlmayerstraße würde dieses Ziel grundsätzlich fördern.

Und doch gibt es ein paar Punkte, die dagegen sprechen. So liegt der Kaufpreis für die drei Grundstücke bei 2,8 Millionen Euro. Das sind 1.271,52 Euro pro Quadratmeter. Günstig ist die Fläche also nicht, zumal das Grundstück im April 2025 bereits der städtischen Wohnungsbaugesellschaft (GRWS) angeboten wurde. Die GRWS sprach sich damals gegen einen Kauf aus. Ausschlaggebend dafür waren neben dem Preis, auch die ungewisse Fördermittelsituation sowie die separaten Parkflächen. „Der vereinbarte Kaufpreis ist für die Schaffung von sozialem oder mietpreisgemindertem Wohnraum zu hoch“, unterstreicht die Verwaltung. Schon während der Überlegungen und Abwägungen bekundete jedoch der Rosenheimer Investor Prof. Peter Astner sein Interesse.

Astner hat vor neun Jahren das 10.000 Quadratmeter große Areal an der Marienberger Straße gekauft und dort das Studenten-Quartier „CampusRo“ gebaut, das zahlreiche Auszeichnungen erhalten hat. 2024 gab er bekannt, dass er das Areal an eine deutsche Stiftung verkauft hat. „Jetzt soll der Campus ein Geschwisterchen bekommen“, sagt Astner am Telefon und lacht. Gemeinsam mit Franz Richter, Vorstandsvorsitzendem der Dinzler Kaffeerösterei, hat er das Grundstück an der Pichlmayrstraße erworben, direkt hinter der Asta-Kneipe. Die beiden Männer wollen auf dem Grundstück einen zweiten, kleineren Campus bauen. Entstehen sollen insgesamt 72 Studentenwohnungen. „Die Philosophie wird die gleiche sein. Wir legen wieder viel Wert auf Nachhaltigkeit und eine herausragende Architektur.“

Studierendenwerk bietet
460 Wohnungen an

Die Idee, einen zweiten Campus zu entwickeln, hat Astner schon seit einiger Zeit. „Es stehen immer noch sehr viele Studenten auf der Warteliste“, sagt er. Dass der Bedarf groß ist, unterstreicht auch eine Sprecherin des Studentenwerks München. In Rosenheim bieten sie insgesamt 460 Wohnplätze an. „Generell lässt sich sagen, dass gerade Erstsemester oder Studierende, die neu in die Stadt ziehen, es besonders zu Semesterstart schwer haben, eine bezahlbare Unterkunft zu finden“, sagt die Sprecherin auf OVB-Anfrage.

Für die Wohnanlagen in Rosenheim standen Anfang Februar 278 Studierende auf der Warteliste. „Die Anzahl der auf der Warteliste stehenden Studierenden ist im Vergleich zum Vorjahr leicht gesunken“, sagt die Sprecherin. Groß ist die Not bei den Studierenden trotzdem. Zumindest einigen von ihnen soll mit dem neuen Bauvorhaben geholfen werden. „Wir rechnen mit einer Planungsphase von etwa einem Jahr und einer Bauphase von 18 Monaten“, sagt Astner. Wenn alles nach Plan läuft, könnten die ersten Mieter also bereits Mitte 2028 in ihre neuen Wohnungen ziehen.

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