„5/8erl in Ehr'n“

Österreichische Preisträger zu Gast im Ballhaus

von Redaktion

Interview Hanibal Scheutz von „5/8erl in Ehr’n“ über Tabus und Wiener Soul

Rosenheim/Wien – Hanibal Scheutz spricht mit einem weichen Wiener Dialekt. Er ist der Bassist der Wiener Band „5/8erl in Ehr‘n“ und Sohn des Musikers Wilfried Scheutz. Er genießt sein Musikerleben. Auch noch nach 20 Jahren. Als Musikgruppe haben sie den „Wiener Soul“ geprägt und erfunden – und auch jetzt erfinden sich die fünf Musiker immer wieder neu. Mit ihrer Jubiläumstour kommen sie am heutigen Freitag nach Rosenheim ins Ballhaus. Hanibal Scheutz erklärt im OVB-Gespräch, warum er die Band heute nicht mehr so nennen würde und warum Hochdeutsch für sie nicht geeignet ist.

Geht man sich nach 20 Jahren nicht auf die Nerven?

Das passiert in Wellen. Ich fahre seit ein paar Jahren mit einem der Sänger zusammen mit unseren Familien in den Urlaub. Andere in der Band benötigen mehr Abstand voneinander, wenn bandfrei ist. Das ist sehr verschieden, aber grundsätzlich treffen wir uns auch privat, weil wir auch andere Interessen miteinander teilen – etwa Baden gehen.

Wie blicken Sie auf die Zeit als Band?

Es war eine gute Zeit. Wir machen seit 2006 Musik und waren teilweise schon zusammen in der Schule. Beim Musikmachen am Konservatorium haben wir uns dann besser kennengelernt und unseren Sound entwickelt. Im Alter von Mitte 20 sind wir schon auf Tour gegangen, das ging schnell. Aber es ist schön, dass man 20 Jahre lang miteinander zu tun hat. Oft hat man so lange nicht einmal den gleichen Freundeskreis.

Was war ein besonderer Moment?

Ein ziemlich schöner Moment war, als wir 2017 in der Wiener Arena gespielt haben. Das war besonders. Die Arena ist politisch gesehen ein sehr wichtiger Platz in Wien und ein freier Kulturraum.

Ich war schon als Jugendlicher dort auf Konzerten und habe mir vorgestellt, wie schön es wäre, auf dieser Bühne zu spielen. Es war atemberaubend, als wir dort unser Solokonzert vor 2.500 Menschen hatten.

Was macht sie als Band aus?

Ein Haupterkennungsmerkmal sind die zwei eigenständigen Sänger, die aber auch zusammen miteinander singen. Außerdem haben wir kein Schlagzeug. Wir spielen grooveorientiert und das so sehr, dass viele Menschen zu tanzen beginnen. Das würde man von akustischer Musik gar nicht erwarten. Zudem sind es unsere Fans gewohnt, dass wir uns von Album zu Album immer teilweise neu erfinden – also auch neue klangliche Wege gehen und neue Instrumente ausprobieren. Wir sind eine sehr orientierungsoffene Band.

Was bedeutet der Name „5/8erl in Ehr‘n“?

Das ist urösterreichisch. Früher waren wir im Genre „Wienerlied“ beheimatet und da gibt’s einen starken Weinbezug. Wenn man in einem Wiener Lokal Wein bestellt, dann bestellt man ein Achterl. Außerdem gibt es das Wiener Sprichwort: Ein Achterl in Ehren kann keiner verwehren – und daraus wurden dann fünf Achterl in Ehren. Wenn wir gewusst hätten, dass es uns 20 Jahre lang gibt, dann hätten wir uns wahrscheinlich anders genannt.

Welches Lied bedeutet Ihnen persönlich viel?

„Gengan zwa Warme auf a Hasse“ – Es ist eines meiner Lieblingslieder, weil wir Haltung bekennen zu dem, wie wir Menschen generell akzeptieren. Aber was es einzigartig macht: Das haben wir vor 20 Jahren geschrieben, als es fast noch ein Tabuthema war, über Homosexualität zu singen und sie aufzuzeigen. Heutzutage würden wir dieses Lied auf andere Art schreiben und viel mehr Randgruppen einbeziehen.

Wie sehr beeinflusst Wien Ihre Musik?

Generell kann ich sagen, dass Wien uns sehr stark beeinflusst. Das hört man auch. Gerade so etwas wie „Gengan zwa Warme auf a Hasse“, da sind schon zwei Wörter drin, die ganz speziell sind. Zwa Warme, zwei homosexuelle Männer, und Hasse ist eine heiße Wurst. Der Dialekt kommt sehr stark in unseren Texten vor und macht unseren Sound aus. Unser Gitarrist Miki hat mal gesagt: Der weiche Wiener Dialekt passt viel besser zu unserer Art Soulmusik. Das könnten wir nicht in ganz hartem Hochdeutsch singen.

Was bedeutet Ihnen

Musik?

Sie ist allgegenwärtig. Sie macht einen Großteil meines Lebens aus und ist genauso in der Freizeit vorhanden, wie im professionellen Arbeitsleben. Musik ist dauerpräsent.

Sie haben als Band jetzt zum siebten Mal den Amadeus Music Award gewonnen. Was bedeutet Ihnen das?

Man wird glauben, dass es fad wird, aber tut es nicht. Der Amadeus ist ein Musikwirtschaftspreis, aber das Publikumsvoting entscheidet final, wer den Award bekommt. Nach 20 Jahren merken wir selbst, dass wir eher die alten Hasen auf so einer Veranstaltung sind. Da ist es eine Art Bestätigung, nach so langer Zeit immer noch eine solche Unterstützung zu haben und den Preis zu gewinnen. Dafür schätzen wir unsere Fans sehr und sind dankbar.

Und heute spielen Sie in Rosenheim.

Ich freue mich schon sehr darauf, der Raum im Ballhaus sieht schön aus. Außerdem freue ich mich total, unsere ganzen alten Nummern mit den neuen Songs zu vermischen. Ich bin sehr froh, dass wir noch immer so viele Konzerte spielen dürfen, und freue mich auf jedes Konzert, das da kommt. Sophie Mischner

Tickets für den Auftritt im Ballhaus

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