Eine Lebensader der Stadt im Wandel der Zeit

von Redaktion

Die Bahnhofstraße war im 19. Jahrhundert ein zentraler Motor für das Wachstum Rosenheims. Angelegt als Achse vom neuen Bahnhof zur Innenstadt, entwickelte sie sich schnell zur Lebensader. Im Zweiten Weltkrieg gehörte das Gebiet jedoch zu den am stärksten zerstörten der Stadt.

Rosenheim – „Rosenheimer Zeitsprünge“ heißt die regelmäßig erscheinende Serie der OVB-Heimatzeitungen, von OVB online und der 24er-Portale. Was darf der Leser beziehungsweise User von der Serie erwarten? Auf alle Fälle tolle Bilder aus den letzten Jahrzehnten, die sich online mit einem Vorher-Nachher-Schieberegler in die Gegenwart verwandeln und mit einem Klick auch vergrößern lassen.

Der Bahnhof als zentraler
Wachstumsmotor

Der Bahnhof mit der Bahnhofstraße in Rosenheim war ein zentraler Motor für das Wachstum der Stadt im 19. Jahrhundert. 1876 wurde ein neuer (zweiter) Bahnhof im Stil der Neorenaissance gebaut. Die Gleise wurden damals an den Stadtrand verlegt, wodurch neue Flächen für Stadtentwicklung entstanden. Rosenheim wurde dadurch zu einem wichtigen Eisenbahnknoten zwischen München, Salzburg, Innsbruck und Italien.

Im Zuge der Verlegung von der Stadtmitte (heutiges Rathaus) wurde die Bahnhofstraße gezielt als Achse vom Bahnhof in die Innenstadt angelegt. Das typische Bild: Vom Bahnhof führt eine gerade Straße in die Innenstadt (klassisches Stadtplanungsprinzip des 19. Jahrhunderts).

Die Bahnhofstraße entwickelte sich schnell zu einer wichtigen Geschäfts- und Wohnstraße. Zusammen mit anderen Straßen wurde sie zur „Lebensader“ der Stadt.

An dem starken Bevölkerungszuwachs seit dem Anschluss an das Bahnnetz hatten die Königlich Bayerischen Staatseisenbahnen maßgeblichen Anteil. Das Stadtadressbuch von 1890 nennt 555 bei den Rosenheimer Bahnbehörden beschäftigte Personen, vom Oberbahnamtsvorstand bis zum Wagenwärtergehilfen. Die Bahn war dadurch mit Abstand größter Arbeitgeber der Stadt, so schrieb es der langjährige Stadtheimatpfleger Karl Mair.

Die Bombenangriffe im Zweiten Weltkrieg trafen auch Rosenheim. Zwischen Oktober 1944 und April 1945 gab es insgesamt 14 Luftangriffe.

Über 4.000 Bomben gingen
über Rosenheim nieder

Über 4.000 Bomben wurden auf die Stadt abgeworfen. Der Bahnhof wurde praktisch vollständig zerstört, und so war auch der Bereich rund um den Bahnhof und die Bahnhofstraße eines der am stärksten zerstörten Stadtgebiete.

Sehr lange gab es rund um den Bahnhof Nachwirkungen durch Blindgänger und Bombenfunde, wie bei Bauarbeiten 2014 und 2016 entlang der Bahnhofstraße, wo sich Nachkriegsbauten der 1950er-Jahre mit neueren Geschäfts- und Bürogebäuden abwechseln.

Der erste Rosenheimer Bahnhof (1858 bis 1878) lag nicht am heutigen Standort, sondern direkt im heutigen Stadtzentrum an der heutigen Rathausstraße 22. Das heutige Rathaus war ursprünglich der erste Bahnhof. Die damalige „Bahnhofstraße“ war also die heutige Königstraße/Rathausstraße-Achse.

In der Bahnhofstraße gab es um 1900 eine geschlossene Bebauung mit vielen staatlichen Gebäuden. Sie war eher eine „repräsentative Stadtstraße“ als eine Einkaufsstraße.

Das Forstamt in der Bahnhofstraße war dabei eines der markantesten Gebäude – gebaut 1905 im typischen „staatlichen Villenbau“ dieser Zeit. Diese Art von Gebäude sollte zeigen: „Der Staat ist hier präsent und modern.“

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