Spritpreise belasten die Pflegedienste

von Redaktion

Ein Großteil der Pflegebedürftigen wird in der Region mobil versorgt. Die hohen Spritpreise von deutlich über zwei Euro pro Liter stellen die Einrichtungen jetzt vor Probleme, denn sie sind auf das Auto angewiesen.

Rosenheim – Einfach ist die Lage nicht. Daraus macht Billie Haßlberger kein Geheimnis. Sie ist die Geschäftsführerin des ambulanten Pflegedienstes „Vivus K&H Pflege GmbH“ mit Sitz in der Isarstraße in Rosenheim. „Aktuell sind bei uns elf Fahrzeuge im Einsatz, die im gesamten Einzugsgebiet unterwegs sind“, sagt sie auf OVB-Anfrage. Das wiederum bedeutet, dass die Autos regelmäßig vollgetankt werden müssen. Und genau hier fangen die Probleme an.

Denn aufgrund des Krieges im Nahen Osten sind der Ölpreis und die Spritpreise zuletzt so stark gestiegen wie seit Langem nicht mehr. Während der Benzinpreis laut dem ADAC seit dem Wochenende vom 21. bis 22. März einigermaßen stabil ist, hat der Dieselpreis am Montag, 23. März, den Jahreshöchststand erreicht. Ein Liter Diesel kostete im Durchschnitt 2,31 Euro.

„Eine deutliche
finanzielle Belastung“

Es sind Preise, die auch die ambulanten Pflegedienste in der Region vor Probleme stellen. „Die hohen Spritpreise stellen für uns eine deutliche finanzielle Belastung dar, da unsere Mitarbeitenden täglich auf ihre Fahrzeuge angewiesen sind, um die Versorgung der Patientinnen und Patienten sicherzustellen“, sagt Billie Haßlberger. Während die gesamten Tankkosten des Unternehmens im Februar bei 2.251 Euro lagen, sind bereits in den ersten zwei Märzwochen Kosten in Höhe von 1.308 Euro angefallen.

„Das zeigt deutlich, wie stark die Kosten aktuell steigen. Wir gehen davon aus, dass sich die Preisentwicklung ab April noch deutlicher bemerkbar machen wird“, sagt Billie Haßlberger. Eine direkte Weitergabe dieser Mehrkosten an etwa die Patienten sei nicht möglich. „Die Vergütung in der ambulanten Pflege ist weitgehend festgelegt durch die Krankenkassen und lässt kurzfristige Anpassungen, etwa aufgrund steigender Spritpreise, nicht zu“, erklärt die Geschäftsführerin.

Heißt im Umkehrschluss: Ein Großteil dieser zusätzlichen Belastung muss der Pflegedienst „Vivus K&H Pflege GmbH“ selbst tragen. „Das stellt eine erhebliche wirtschaftliche Herausforderung dar“, sagt Billie Haßlberger.

Auswirkung auf
laufende Kosten

Von ähnlichen Herausforderungen spricht Veronika Leidel, Geschäftsführerin der Rosenheimer Nachbarschaftshilfe. „Die gestiegenen Spritkosten machen sich in unserem ambulanten Pflegedienst definitiv bemerkbar“, sagt sie auf OVB-Anfrage. Täglich seien fünf Fahrzeuge für die ambulante Pflege im Einsatz, hinzu kämen weitere Fahrzeuge für Hausbesuche, Einkäufe und Betreuungsleistungen. „Entsprechend wirken sich Preissteigerungen unmittelbar auf unsere laufenden Kosten aus“, sagt Leidel.

Eine gewisse Entlastung bringen zwei Elektrofahrzeuge, die ebenfalls in der Tourenplanung bei der Nachbarschaftshilfe eingesetzt werden. „Trotzdem bleibt der Großteil unserer Flotte weiterhin von den Kraftstoffpreisen abhängig“, sagt die Geschäftsführerin. Am Tag werden pro Tour rund 25 Kilometer gefahren, also etwa 150 Kilometer am Tag. Entsprechend hoch seien die Kostensteigerungen.

Weitergabe der
Mehrkosten nicht möglich

Auch für Leidel und ihre Kollegen sei eine kurzfristige Weitergabe dieser Mehrkosten nicht möglich. „Unsere Vergütungen werden jeweils im Voraus für ein ganzes Jahr mit den Kostenträgern – also den Pflegekassen und dem Bezirk Oberbayern – verhandelt. Das bedeutet, dass aktuelle Preissteigerungen erst im Folgejahr berücksichtigt werden können, wenn wir die gestiegenen Ausgaben entsprechend nachweisen“, erklärt die Geschäftsführerin.

Parallel zu den steigenden Kosten für die Nachbarschaftshilfe würden die steigenden Ausgaben aber auch die Mitarbeiter vor Herausforderungen stellen. „Die Gehälter werden ebenfalls für ein Jahr im Voraus festgelegt, sodass eine allgemeine Kostensteigerung – etwa für den Arbeitsweg – die Lohnerhöhungen relativiert.“

Auch Angebot „Essen
auf Rädern“ betroffen

Aber nicht nur die ambulanten Pflegedienste leiden unter den hohen Spritpreisen. Auch bei der Rosenheimer Leibspeise merkt man die Erhöhungen deutlich. „Es sind nicht nur die Benzin- und Dieselpreise, die uns treffen, sondern ganz generell die Preissteigerungen“, sagt Peter Kaiser. Auch die Erhöhung des Mindestlohns habe die Leibspeise zu Beginn des Jahres „ziemlich heftig getroffen“.

Dank zahlreicher Spenden und guter Rücklagen sei man noch gut aufgestellt. Und doch seien es vor allem die unerwarteten Kosten, die der Leibspeise zu schaffen machen. „Einer unserer Transporter hat einen Kupplungsschaden. Wir wissen derzeit noch nicht, wie teuer die Reparatur wird“, sagt er. Neben der Essensausgabe kümmert sich die Leibspeise auch um das Angebot „Essen auf Rädern“.

Insgesamt sind acht Fahrzeuge im Einsatz, um Senioren mit einem warmen Mittagessen zu versorgen. „Wir werden die Kosten vorerst trotzdem nicht erhöhen. Sollten die Preise aber auch mit Blick auf die Inflation weiter steigen, müssen wir wohl auch teurer werden“, sagt Kaiser.

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