Rosenheim – „Ausvicate hi kher baro“ ist ein traditionelles Lied der Roma, das im Konzentrationslager in Auschwitz entstanden ist. Es bedeutet übersetzt „In Auschwitz steht ein großes Haus“ und erzählt, was den Sinti und Roma während des Holocausts widerfahren ist.
Das Lied erklang jetzt im Bürgerhaus Happing – anlässlich einer Gedenkveranstaltung, die an die 114 bayerischen Sinti und Roma erinnerte, die im März 1943 nach Auschwitz deportiert wurden.
Die Besucher bekamen Einblicke in Dokumente der systematischen Verfolgung und Ermordung der Rosenheimer Sinti am Beispiel der Familie Reinhardt. Veranstalter waren das Stadtarchiv Rosenheim, der Historische Verein Rosenheim und die Initiative Erinnerungskultur – Stolpersteine für Rosenheim. Das Schicksal der Familie Reinhardt macht exemplarisch viele Aspekte des NS-Terrors gegen die Sinti und Roma deutlich. Die Stadt Rosenheim hat für die Familie Reinhardt ein Gedenkzeichen an ihrem letzten Wohnsitz Am Salzstadl errichtet.
Vertreter des Stadtarchivs Rosenheim und des Verbands Deutscher Sinti und Roma Landesverband Bayern sprachen Grußworte. Dr. Thomas Nowotny von der Initiative Erinnerungskultur stellte daraufhin seine Recherchen vor, die am 27. Januar 2026 in der Rosenheimer Miszelle „Die Verfolgung und Ermordung der Familie Reinhardt aus Rosenheim“ veröffentlicht wurden.
Die Rosenheimer Miszellen sind ein Wissenschaftsblog mit Beiträgen zur Geschichte von Stadt und Landkreis Rosenheim. Als digitale Schriftreihe wird der Blog vom Stadtarchiv Rosenheim in Kooperation mit dem Historischen Verein Rosenheim betrieben.
Jeany Poschauko-Seitz vom Verein Ciriklo trug eigene Gedichte und traditionelle Lieder vor, unterstützt vom Gitarristen Clemens Wagner.
Die musikalische und künstlerische Gestaltung ermöglichte den Besuchern einen emotionalen Zugang zu der Thematik der Verfolgung. Der stille Raum, der in den Liedern und Texten entstand, erzählte von Trauer, Schmerz und Hoffnung.
Im Anschluss an die Veranstaltung gab es Raum für Austausch und eine offene Diskussion.