Rosenheim – Es braucht eine Lösung für die Münchener Straße. Davon ist Robert Lappy überzeugt. „Es kommt in der Münchener Straße immer wieder zu kritischen und unübersichtlichen Situationen“, sagte der Grünen-Stadtrat während der jüngsten Sitzung des Ausschusses für Verkehrsfragen und ÖPNV. Die Stelle, die dem Politiker Kopfzerbrechen bereitet, liegt vor dem Gebäude mit der Hausnummer 26.
Beherbergungsbetrieb
vorgesehen
Dort laufen bereits seit einigen Monaten die Bauarbeiten. Nach dem Abriss erfolgt ein Wiederaufbau des Gebäudes. Im Erdgeschoss soll ein Gewerbe unterkommen, in den restlichen Etagen des Hauses ist ein Beherbergungsbetrieb vorgesehen. Das Problem: Aufgrund der Bauarbeiten ist die Münchener Straße in dem Bereich nur halbseitig befahrbar. „Dadurch entsteht eine unübersichtliche Engstelle für Fußgänger, Radfahrer, ÖPNV und Autofahrer“, sagt Lappy.
Aus diesem Grund haben die Grünen gemeinsam mit ÖDP-Stadtrat Horst Halser und FDP-Stadträtin Maria Knott-Klausner im Januar einen Antrag an Oberbürgermeister Andreas März (CSU) gestellt. In diesem fordern sie die Verwaltung auf, für die Dauer der Baustelle in der Münchener Straße, zwischen Gillitzer- und Salinstraße eine Einbahnstraßenregelung anzuordnen. Die Fahrtrichtung der Einbahnstraße soll von der Gillitzer- in Richtung Salinstraße gehen. Eine Freigabe für den Radverkehr in Gegenrichtung soll geprüft werden.
Mittlerweile hat sich zumindest die Situation für die Fußgänger verbessert. So wurde Anfang Februar ein Notweg eingerichtet, der die Fußgänger an der Baustelle vorbeiführt. „Zudem wurde die Engstelle auf der Fahrbahn durch den Rückbau der Baustelleneinrichtung erheblich verringert“, heißt es vonseiten der Verwaltung. Ebenso wurden am Rand des südlich verlaufenden Gehwegs Absperrbaken angebracht, die verhindern sollen, dass Autos auf den Gehweg ausweichen.
„In unseren Augen hat es sich dadurch marginal verbessert“, sagt Lappy. Zwar sei die Lösung für die Fußgänger gut, dennoch bringe die Engstelle auf der Straße Herausforderungen mit sich. „Ich habe schon Autofahrer dabei beobachtet, wie sie wild rangiert haben und zum Teil auch rückwärtsgefahren sind“, schildert der Grünen-Stadtrat. Oftmals helfe nur ein Sprung auf den Gehweg, um sich aus brenzligen Situationen zu retten. „Wir müssen in die Verkehrssicherheit investieren“, fügte er hinzu.
Dass die Situation aufgrund der Baustelle problematisch ist, unterstrich auch Dr. Wolfgang Bergmüller, Fraktionsvorsitzender der CSU. Er zeigte sich jedoch skeptisch, ob eine Einbahnstraßenregelung tatsächlich die richtige Lösung sei. Vielmehr schlug er vor, die Beschilderung anzupassen. Vorstellbar wäre eine Baustellenampel oder aber die Anbringung eines Verkehrsschildes, das noch einmal deutlich macht, wer Vorfahrt hat. „Wir können die Beschilderung verdeutlichen. Die Einrichtung einer Ampel wäre die Aufgabe der Firma“, teilte die Verwaltung während der Sitzung mit.
Während sich CSU-Stadtrat Herbert Borrmann klar gegen die Einbahnregel aussprach, konnte Christine Degenhart (Freie Wähler/UP) dem Vorschlag einiges abgewinnen. Eben auch, weil die Bauarbeiten voraussichtlich noch einige Monate andauern werden. „Die Situation ist oft beengt und nicht ganz ungefährlich“, pflichtete ihr Robert Metzger (SPD) bei. Er plädierte dafür, etwas zu unternehmen.
Daniel Artmann, Zweiter Bürgermeister der Stadt, erinnerte daran, dass eine Einbahnstraßenregelung bedeuten würde, dass man den gesamten Verkehr einmal „durch die ganze Stadt“ umleiten würde. Auch die Baustellenfahrzeuge. Eine Ausnahme sei schwierig, da es dadurch gegebenenfalls zu unübersichtlichen Situationen kommen könnte.
„Dadurch würde es nur zu neuen, gefährlichen Situationen kommen. Das ist keine Option“, sagte auch Andreas Kohlberger, Fraktionsvorsitzender der AfD. Eine Einbahnstraßenregelung an dieser Stelle ist seiner Meinung nach nicht sinnvoll. Dieser Auffassung scheint auch die Verwaltung zu sein. „Aktuelle Beobachtungen zeigen, dass der Fahrzeugverkehr in beide Richtungen im Regelfall unproblematisch funktioniert“, heißt es aus dem Rathaus.
Dadurch, dass die Baustelleneinrichtung in Teilen zurückgebaut wurde, sei die Engstelle wesentlich übersichtlicher geworden. Autos, die in Richtung Atrium unterwegs sind, warten bei Gegenverkehr regelmäßig. Dass Autos, die in die Innenstadt fahren, an dieser Stelle über den Gehweg fahren, komme nicht mehr vor. „Die Verwaltung empfiehlt daher, aktuell keine Änderungen vorzunehmen, die Situation weiter zu beobachten und bei Bedarf gegebenenfalls zu reagieren“, heißt es.
Auch eine Nachfrage bei er Polizei relativiert die Sorgen einiger Stadträte. „Wir haben bisher nur sehr vereinzelte Beschwerden bekommen, dass es zu Problemen kam. Nach der Verkehrsmaßnahme mit den Baken haben wir keine Beschwerden mehr bekommen“, sagt Hauptkommissar Robert Maurer auf OVB-Anfrage. Zudem werde die Situation von der Polizei ohnehin überwacht.
Stadtverkehr:
Keine Besonderheiten
Auch beim Stadtverkehr Rosenheim kommt es aufgrund der halbseitigen Sperrung kaum zu Problemen. Das bestätigt ein Sprecher auf OVB-Anfrage. „Unsere Fahrer haben uns von keinen ‚Besonderheiten‘ berichtet.“ Die Verspätungslage aufgrund der Baumaßnahme hält sich in Grenzen und wir können keinen nennenswerten Anstieg beobachten“, sagt er.
Am Ende sprachen sich die Stadträte mit 5:5 Stimmen gegen den Antrag von Grünen, ÖDP und FDP aus. An der Situation in der Münchener Straße wird sich vorerst also nichts verändern.