Der Schlüssel war der Schlüssel zum Glück

von Redaktion

Doris und Friedhelm Gößling feiern in Rosenheim ihre eiserne Hochzeit. Das Geheimnis ihrer 65-jährigen Ehe sind zwei Fernseher. Kennengelernt haben sie sich einst durch einen kuriosen Test mit einem Schlüssel. Zum Jubiläum gratulierte auch Dritte Bürgermeisterin Gabriele Leicht.

Rosenheim – Gardinen hatte Doris Gößling eigentlich immer, aber seit acht Jahren lässt sie sie vor ihrem Wohnzimmerfenster bewusst weg. „Ich habe jeden Tag eine andere Aussicht auf die Berge. Einmal sind sie bewölkt, dann wieder sichtbar. Herrlich“, sagt sie. Die Berge waren früher nicht so nah, denn vor acht Jahren lebte sie noch in Essen, zusammen mit ihrem Ehemann Friedhelm Gößling. Mittlerweile sind die beiden seit 65 Jahren zusammen. Jetzt feierten sie ihre eiserne Hochzeit.

Eine „einfache
Wahl“ des Mannes

Allerdings fiel der Hochzeitstag dieses Jahr auf einen Montag. „Wir gehen erst morgen essen, montags haben nicht so viele Restaurants offen“, sagt Monika Göling. Sie ist die jüngste Tochter der beiden und der Grund, warum es sie 2018 nach Rosenheim gezogen hat. „Wir sind neunmal umgezogen und das letzte Mal wegen unserer Tochter“, sagt Doris Gößling. Diese sei aus beruflichen Gründen nach Rosenheim gekommen und habe sich dann verliebt. „Dann haben wir Haus und Hof in Essen verkauft und sind ihr hierher gefolgt, ganz einfach“, sagt die 84-Jährige.

Ganz einfach fiel ihr auch die Wahl ihres Mannes. Sie sei 18 gewesen und habe die Männer beim Fußballspielen beobachtet. „Ich habe mir überlegt: Welcher könnte mir gefallen?“, sagt sie. Mit einem einfachen Test, habe sie es dann herausgefunden: „Ich habe meinen Schlüssel in den Gulli fallen lassen, als die Fußballer an mir vorbeigegangen sind“, sagt Doris Gößling. Daraufhin hätten sich die Männer bemüht, den Schlüssel herauszuholen – nur Friedhelm Gößling nicht.

„Deshalb habe ich ihn genommen“, sagt die 84-Jährige und lächelt. Friedhelm Gößling habe ihr aber auch optisch gefallen: „Er sah aus wie Elvis Presley, darauf habe ich damals gestanden“, sagt sie. Es muss die richtige Wahl gewesen sein, schließlich sind die beiden seit 65 Jahren verheiratet. Nach knapp einem Jahr Beziehung hätten sie sich verlobt. „Das war in den 60ern, da gab es noch keine Anti-Baby-Pille. Da mussten viele Mädchen heiraten“, sagt Doris Gößling. Sie und ihr Friedhelm gaben sich standesamtlich im März das Jawort und kirchlich im Mai. Schon im September kam ihre erste Tochter, Gabi, auf die Welt. Die Hochzeit hielten sie damals schlicht und einfach, zusammen mit der Familie. Auch eine Hochzeitsreise hatten sie nicht.

Dafür wurde die goldene Hochzeit drei Tage lang gefeiert. Unter anderem in einem Brauhaus, gemeinsam mit 80 Freunden. „Das war schön. Die Nachbarn haben bei uns zu Hause alles geschmückt“, erinnert sich Doris Gößling.

In Essen war Friedhelm Gößling insgesamt 37 Jahre bei Krupp angestellt. Dort habe er an Maschinen und Drehbänken gearbeitet. „Die stellen Hartmetall her und machen auch Werkzeuge“, sagt er. Doris Gößling kümmerte sich um die Kinder und den Haushalt. Das erfülle sie noch bis heute. „Wenn ich mal nicht backen oder kochen kann, werde ich nervös“, sagt sie.

Mit ihren Freunden haben die Gößlings viel erlebt. „Anfangs spielten die Männer Fußball und wir Frauen haben zusammen mit den Kindern zugeschaut“, sagt Doris Gößling. Als sie dann älter wurden, hätten sie die Sportart gewechselt und alle zusammen gekegelt. Im Wohnzimmer der Gößlings stehen heute noch die Pokale aus dieser Zeit. Jetzt geht das Kegeln nicht mehr. Doris Gößling mache mit Tochter Monika zusammen Gymnastik auf der Matte, die ihr Physiotherapeut verschreibt. „Jeden zweiten Tag gehen wir mit Stöcken raus. Wer rastet, der rostet“, sagt sie.

Immer noch gerne
zu Fuß unterwegs

Zu Fuß ist Friedhelm Gößling gerne unterwegs. Die acht Kilometer zur Bank nach Rosenheim geht der 87-Jährige auch heute noch zu Fuß. Doris Gößling lasse es mittlerweile etwas langsamer angehen. Sie schaffe nicht mehr so viel wie früher. „Manches fällt schwer, aber dann habe ich meine zwei starken Helfer“, sagt sie und schaut ihren Mann und ihre Tochter an.

Das Geheimnis hinter den 65 Jahren Ehe ist für Doris Gößling eindeutig: „Zwei getrennte Fernseher. Das ist das Wichtigste überhaupt im Alter“, sagt sie. Aber man kenne sich mittlerweile auch in- und auswendig. „Es muss ein Zusammenspiel sein“, sagt sie. Wenn er schlechte Laune hätte, gehe er in sein Zimmer und käme wieder raus, wenn alles in Ordnung sei. „Wenn jemandem etwas nicht passt, spricht er es an und dann ist alles wieder gut“, sagt Doris Gößling.

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