„Würde sofort in die Kapsel einsteigen“

von Redaktion

Interview Elmar Junker, Leiter der Rosenheimer Sternwarte, verfolgt die Artemis-Mission

Rosenheim – Über 380.000 Kilometer entfernt schreibt die Menschheit gerade Geschichte – und in Rosenheim sitzt einer, der keine Sekunde davon verpasst: Elmar Junker, Leiter der Rosenheimer Sternwarte, verfolgt jedes Detail der Artemis-2-Mission.

Im OVB-Exklusivinterview verrät er, was ihn daran so fasziniert und warum der Mond so viele Menschen in seinen Bann zieht.

Verfolgen Sie die Artemis- 2-Mission?

Ja, sehr detailliert! Ich nutze intensiv den NASA-Kanal auf Youtube. Dort gibt es teilweise Liveübertragungen, durch die man selbst scrollen kann, aber auch die Zusammenfassungen der einzelnen Flugtage und die Pressekonferenzen schaue ich mir genau an.

Gibt es bei der Sternwarte Rosenheim Möglichkeiten, sich über den Fortschritt der Mission zu informieren?

Ja, wenn man zu den Montagsführungen kommt und Fragen mitbringt, dann gibt’s auch Antworten.

Woher kommt die Faszination für den Mond?

Der Mond begleitet uns von Kindesbeinen an. Wir sehen seine Phasen, die ja sogar für unseren Kalender und den Begriff „Monat“ verantwortlich sind. Aber das Entscheidende ist der Anblick: Wenn man einmal durch ein Fernglas oder ein kleines Fernrohr geschaut hat, bleibt einem sprichwörtlich der Mund offen stehen. Auch bei uns in der Sternwarte ist der Mond nach wie vor das beliebteste Objekt unserer Gäste.

Warum ist es plötzlich wieder interessant, Menschen auf den Mond zu bringen? Geht es um die Rohstoffe?

Das mit den Rohstoffen ist aktuell eher ein Witz – der Abbau dort oben würde das Tausendfache von dem kosten, was wir auf der Erde zahlen. Artemis 2 testet jetzt das Schiff mit Besatzung, damit Artemis 4 im Jahr 2028 hoffentlich landen kann. Man will die Pole erkunden, wo es in tiefen Kratern Wassereis gibt. Aber am Ende machen wir es, weil wir es können. Menschen wollen immer weiter hinaus, Dinge ausprobieren und Grenzen verschieben.

Wären Sie selbst auch in die Orion-Kapsel gestiegen?

Sofort! Ich bin zwar gut 15 Jahre älter als die aktuelle Crew und meine Frau wäre wohl wenig begeistert, aber ich wäre dabei.

Mein persönlicher Traum wäre es ja, einmal wie im Trailer von „Star Trek: Voyager“ mit einem Raumschiff über die Saturnringe zu fliegen.

Was ist für Sie das Besondere an genau dieser Mission?

Dass bisher – bis auf winzige Kleinigkeiten – alles absolut präzise funktioniert. Die Technik, die Rakete, das Raumschiff: Es läuft nach Plan. Jetzt hoffen wir natürlich, dass auch der kritische Punkt, die Wasserlandung am Ende, genauso reibungslos klappt.

Welche Erkenntnisse bringt uns das für die Zukunft der Raumfahrt?

In erster Linie den Beweis, dass unsere heutige Technik für solche Distanzen bereit ist. Wenn das alles funktioniert, ist der nächste logische Schritt in den 2030er- Jahren der Mars. Das würde ich selbst sehr gerne noch erleben.

Anna Heise

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