Rosenheim – Wieso gibt es jetzt Polarlichter in Bayern? Unsere Sonne ist ein unruhiger Stern: Sonnenflecken, der Sonnenwind, energiereiche Eruptionen (Flares) und riesige Massenauswürfe sind dabei am eindrucksvollsten. Sie rufen diverse Phänomene in der Magnetosphäre und der oberen Atmosphäre der Erde hervor. Dazu gehören Polarlichter, die bei starker Sonnenaktivität – wie 2024, 2025 und auch im Januar 2026 – auch Südeuropa erreichen können.
Zudem können dadurch auch exponierte oder empfindliche technische Systeme wie Satelliten, Funknetze, Stromnetze oder Radaranlagen beeinträchtigt oder gar zerstört werden.
Von besonderem Interesse sind sogenannte Superflares, massive Eruptionen, die zum Glück sehr selten auftreten, aber zum Beispiel im Jahr 1859 Funkenschlag durch Induktion in vielen Telegrafenempfängern weltweit verursachten und heute das Potenzial hätten, viele Festplatten zu löschen. Dank der Untersuchung von anderen Sternen und von Baumringen, welche Informationen über die historische Sonnenaktivität speichern, gibt es Hinweise, wie häufig solche besonders massiven und vermutlich besonders zerstörerischen Ereignisse vorkommen.
Die Hauptquelle der Aktivität der Sonne ist deren komplexes und dynamisches Magnetfeld, welches auch eine wichtige Rolle bei der Vorhersage dieser destruktiven Ereignisse spielt. Leider ist es bisher nur recht bedingt möglich, solare Eruptionen oder Massenauswürfe vorherzusagen. Die gegenwärtig in der Vorbereitung befindliche Vigil- Mission der ESA soll eine wichtige Rolle bei der Verbesserung der Vorhersagen spielen. Professor Dr. Sami K. Solanki ist Direktor am Max-Planck-Institut für Sonnensystemforschung in Göttingen. Er forscht zur magnetischen Aktivität der Sonne; solarer Variabilität und ihrem Einfluss auf das Klima der Erde auch in historischen und prähistorischen Zeiten. Sein Team untersucht die Struktur und Dynamik der Sonnenatmosphäre und die Variabilität von Sternen.
Am Donnerstag, 23. April, um 18.30 Uhr spricht er an der TH Rosenheim über seine Arbeit.