Neuer Schufa-Score: So fair ist er wirklich

von Redaktion

Mehr Transparenz oder mehr Hürden? Rosenheimer Anwältin erklärt Folgen für junge Menschen und Mieter

Rosenheim – Seit Mitte März gilt der neue Schufa-Score. Er soll transparenter sein, doch junge Menschen haben oft das Nachsehen und ein neues Konto kann den Wert verschlechtern. Eine Rosenheimer Anwältin erklärt, warum aktives Finanzmanagement bestraft werden kann und worauf Verbraucher achten sollten.

Wer eine Wohnung sucht, kommt häufig nicht an ihr vorbei: der Schufa-Auskunft. Sie entscheidet zwar offiziell nicht über Mietverträge – hat aber dennoch großen Einfluss darauf, wer die Wohnung bekommt und wer nicht.

Großer Einfluss auf
das Leben der Menschen

Hinter der Bewertung steht die Schufa Holding AG, die „Schutzgemeinschaft für allgemeine Kreditsicherung“. Die größte private Auskunftei sammelt Daten von rund 68 Millionen Menschen in Deutschland. Gespeichert werden neben Name, Adresse und Geburtsdatum auch Informationen über Konten, Kreditkarten, laufende Kredite oder nicht bezahlte Rechnungen nach mehrfachen Mahnungen. Unternehmen liefern der Schufa diese Daten – und greifen gleichzeitig darauf zurück, um das Risiko von Zahlungsausfällen einzuschätzen.

„Man muss sich vor Augen führen, wie viel Einfluss die Bewertung der Schufa auf das Leben eines jeden erwachsenen Menschen hat“, sagt die Rosenheimer Anwältin für Bankrecht, Janett Moll. „Ob Mobilfunkvertrag, Wohnungsmiete oder Immobilienkredit – nichts davon kommt zustande ohne eine Schufa-Anfrage.“

Mehr Transparenz, aber
nicht mehr Gerechtigkeit

Seit Mitte März gilt ein neuer Schufa-Score. Statt bislang über 250 Kriterien basiert die Berechnung nun nur noch auf zwölf Kategorien. Ziel ist mehr Transparenz: Verbraucher sollen erstmals nachvollziehen können, wie ihre Bewertung zustande kommt.

„Bisher glich die Berechnung des berüchtigten Basisscores einer mathematischen Blackbox“, sagt Janett Moll. Der neue Ansatz solle das ändern: „Jeder soll endlich verstehen können, warum er als kreditwürdig eingestuft wird – oder warum nicht.“ Daher sind die Berechnungsgrundlagen des Scores nun offengelegt. Dazu zählen etwa das älteste Bankkonto, wie lange man an der aktuellen Adresse wohnt oder ob ein Rahmenkredit läuft.

Doch trotz der neuen Transparenz bleibt ein grundlegendes Problem bestehen. „Dahinter steckt pure Statistik“, erklärt Schufa-Vorstandschefin Tanja Birkholz in einem Interview. Menschen werden also danach bewertet, wie sich andere mit ähnlichen Merkmalen verhalten haben – nicht nach ihrer individuellen Lebenssituation.

Genau hier setzt die Kritik an. „Transparenz bedeutet an dieser Stelle nicht automatisch Gerechtigkeit“, sagt Moll. Besonders junge Menschen könnten benachteiligt werden. Wer häufig umzieht, gerade erst ein Konto eröffnet oder bewusst auf Kredite verzichtet, habe schlicht weniger „positive Datenpunkte“.

Der neue Score belohne Finanzbiografien, erklärt die Anwältin. Also stabile, langfristige Bankbeziehungen und Kontinuität. Wer gerade erst ins Finanzleben starte, wirke statistisch schlechter – ohne tatsächlich weniger zahlungsfähig zu sein.

Auch scheinbar rationale Entscheidungen können sich negativ auswirken. „Wer sein Konto wechselt – aus guten Gründen – erzeugt neue Datenpunkte, die zunächst neutral oder leicht negativ bewertet werden“, sagt Janett Moll. „In der Praxis wirkt das wie eine Bestrafung für aktives Finanzmanagement.“

Auskunft gehört
zum Standard

Auf dem angespannten Wohnungsmarkt spielt die Schufa auch vor Ort eine wichtige Rolle. Bei der Rosenheimer Wohnungs- und Sanierungsgesellschaft mbH (GRWS) gehört sie zur üblichen Prüfung dazu: Interessenten erklären sich im Rahmen der Selbstauskunft damit einverstanden, dass eine Schufa-Auskunft eingeholt werden darf. Allerdings ist sie dort nicht das alleinige Entscheidungskriterium, erklärt Thorsten Schmidt, Leiter der Mietverwaltung bei der GRWS. „Die Entscheidung für oder gegen eine Vermietung wird nicht ausschließlich an die Schufa-Auskunft geknüpft.“ Das bedeutet: Neben dem Score zählen auch Einkommen, persönliche Situation und weitere Faktoren, um eine sozial ausgewogene Mieterstruktur zu erreichen, erklärt Schmidt.

Schlechter Score?
Gespräch suchen

Für Wohnungssuchende kann ein schlechter Score dennoch schnell zur Hürde werden. Umso wichtiger ist es, aktiv zu reagieren, sagt Monika Schmid-Balzert vom Mieterbund Bayern: „Mietern, die einen schlechten Score haben, aber zahlungsfähig sind, empfehle ich, mit dem Vermieter ins Gespräch zu gehen, die Situation zu erläutern und vor allem aktuelle Einkommensnachweise vorzulegen.“

Auch grundsätzlich rät die Anwältin Janett Moll zu einem bewussten Umgang mit den eigenen Daten: Rechnungen sollten pünktlich bezahlt, die kostenlose Selbstauskunft regelmäßig geprüft und fehlerhafte Einträge korrigiert werden. Gleichzeitig könne es sinnvoll sein, Konten und Verträge nicht unnötig häufig zu wechseln und zu viele Bonitätsanfragen zu vermeiden, um einen vorteilhaften Schufa-Score zu halten oder zu bekommen.

Der Score und sein Punktesystem

Der Schufa-Score im Selbsttest

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