Zirkus in den Osterferien: 60 Kinder zeigen ihr Können

von Redaktion

Aktion des Rosenheimer Stadtjugendrings begeistert seit 25 Jahren – Heute große Gala

Rosenheim – Hinter der Bühne wuseln Kinder herum. Gleich sind sie mit ihrer Seillauf-Nummer dran. Marie und Leonie dürfen bei der Generalprobe zeigen, was sie die vergangenen vier Tage gelernt, geübt und einstudiert haben. Heute noch vor den Betreuern und anderen Kindern – doch morgen wartet ein großes Publikum auf die jungen Künstler. Etwa 200 Menschen werden die Gala vom Zirkus des Ferienprogramms des Rosenheimer Stadtjugendrings besuchen.

Markus Bundil ist bereits zum 25. Mal dabei. Seit 2001 ist er beim Stadtjugendring Rosenheim tätig. Das Osterferien-Zirkus-Programm habe sich in dieser Zeit vom Schema nicht viel verändert. „Es stehen immer noch Spiel, Spaß, Sport und Gemeinschaft im Vordergrund“, sagt der 54-Jährige. So würde jedes Kind seinen Platz in den paar Tagen finden. „Die Kinder sollen sich wohlfühlen und untereinander vertrauen“, sagt er.

Beim Zirkus in den Osterferien sind die Kinder dieses Jahr insgesamt fünf Tage lang auf dem Gelände vom Stadtjugendring am Happingerausee. Ab 7.30 Uhr können die Eltern sie abgeben, die Zirkusworkshops beginnen um neun Uhr. „Professionelle Zirkusleute bringen den Kindern von Zauberei, Jonglage, Seillaufen, Clownerie bis Akrobatik verschiedene Dinge bei“, sagt Bundil. Am ersten Tag entscheiden sich die jungen Teilnehmer für ein Gebiet, dann werden sie langsam und behutsam an die Tricks herangeführt, erklärt Bundil. „Bei der Akrobatik wird den Kindern zum Beispiel auch die Angst genommen. „Da machen sie anfangs einige Vertrauensübungen“, sagt er. Leonie und Marie sind bei den Seilläufern. Sie zeigen auf dem Seil unterschiedliche Tricks – Marie wird bei der Gala ein Rad auf dem dünnen Drahtseil schlagen. Die Elfjährige ist bereits zum dritten Mal dabei. „Das erste Mal war ich bei der Akrobatik, dann beim Zaubern, und jetzt wollte ich zum Seillaufen“, sagt sie. Bei ihrer Tante Monika sei sie schon häufiger über eine große Slackline balanciert. „Ich mag das Gefühl, wenn man das Gleichgewicht halten muss“, sagt sie.

Leonie ist bereits das zweite Mal dabei und hat sich wieder für das Seillaufen entschieden. Vor dem Auftritt vor den ganzen Eltern, Geschwistern und Freunden der 60 Kinder ist sie aber nicht sehr aufgeregt. „Ich turne auch, da habe ich keine Angst“, sagt sie. Auch Marie hat keine Bedenken vor der Gala. „Ich gehe mit meiner Tanzgruppe auf Wettbewerbe und wurde schon zweimal Weltmeister mit ihnen“, sagt sie. Dadurch sei sie das gewohnt, wisse aber auch, dass es sehr aufregend sein kann.

Die Gala sei ein wichtiger Punkt des ganzen Ferienprogramms. „Da können die Kinder erleben, wie es ist, von vielen Leuten einen stürmischen Applaus zu bekommen“, sagt Bundil. Außerdem würden die Eltern ihre Kinder bei der Gala oft von einer neuen Seite kennenlernen. „Bei diesem Ferienprogramm können sich die Kinder in verschiedenen Bereichen ausprobieren. Sie dürfen Fehler machen und werden trotzdem von der Gemeinschaft getragen“, sagt der 54-Jährige. Die Gala am Ende der Zirkuswoche fände er selbst immer wieder faszinierend. „Es ist erstaunlich, was die Kinder in vier Tagen an Sicherheit gewinnen und lernen“, sagt er.

Maya Eckereder war selbst mal eins der acht bis zwölf Jahre alten Kinder, die am Ferienprogramm teilnehmen. Jetzt ist sie 25 Jahre alt und begleitet seit elf Jahren den Seilläufer-Kurs. „Ich stand schon als Baby hier auf der Zirkusbühne“, sagt sie. Denn ihr Vater ist Teil des Zirkusprogramms, seit der ersten Stunde.

Stefan Schiegl, ihr Vater, leitet eine Clownschule in Freising, wodurch Eckereder schon früh Kontakt mit dem Zirkus hatte. Jetzt ist sie Tanzlehrerin und Tänzerin in München, aber kommt immer zum Zirkus-Ferienprogramm nach Rosenheim. „Die Kinder stehen hier im Vordergrund und auch die Handicap-Kinder werden integriert. Hier liegt der Fokus auf den Stärken“, sagt sie. Man begegne den Kindern auf Augenhöhe, und das findet sie super schön.

Für Maya Eckereder ist am heutigen Samstag bei der Gala eins wichtig: „Kein Leistungsdruck, den haben sie in der Schule schon genug.“ In der Zirkuswoche sei im Fokus, dass sich jedes Kind wohlfühlen kann. Leonie und Marie fühlen sich so wohl, dass sie traurig sind, dass nach der Gala alles vorbei ist. „Es wäre besser, wenn das Programm drei Wochen lang geht“, sagt Leonie.

Sophie Mischner

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