Rosenheim – Das Städtische Museum in Rosenheim muss saniert werden. Das steht schon seit einigen Jahren fest. Gründe hierfür gibt es einige. So erfolgte die letzte bauliche Sanierung des Museums in den 1960er Jahren. „Eine erneute und großflächige Sanierung des Gebäudes ist längst überfällig und zwingend notwendig“, sagt Dr. Henriette Holz. Sie leitet das Büro für Museumsberatung in München und wurde beauftragt, eine Machbarkeitsstudie für das Städtische Museum zu erstellen.
Die Ergebnisse dieser Studie stellte Holz jetzt gemeinsam mit ihren beiden Kolleginnen Dr. Christiane Greska und Michaela Firmkäs in der jüngsten Sitzung des Schul-, Kultur- und Sportausschusses vor. Das Team war von April 2025 bis Februar 2026 regelmäßig zu Besuch im Städtischen Museum. Sie schauten sich die Ausstellungsräume und Depots an, analysierten die Sammlungen und tauschten sich mit den Mitarbeitern aus.
Relativ schnell fielen den drei Frauen die Risse an der Fassade und im Inneren des Gebäudes auf. Entstanden durch den Untergrund und die Statik des Museums. Aber auch die nicht vorhandene Klimatisierung und das veraltete Heizungssystem sorgen für Kopfzerbrechen. Immer wieder komme es dadurch zu einer Überwärmung der Ausstellungsräume und in der Folge zu Schäden an den Exponaten – hauptsächlich bei denen, die aus Wachs und Holz sind.
Weitere Kritikpunkte: Das Städtische Museum ist nicht barrierefrei, die Fläche zu klein und zu verwinkelt. Der Eingangsbereich mit Foyer und Shop ist klein und für einen Aufenthalt größerer Gruppen – etwa Schulklassen – nicht geeignet. Hinzu kommt, dass die Dauerausstellung sowohl thematisch als auch gestalterisch in die Jahre gekommen ist. „In der Sammlung fehlen relevante Themen, die die Stadt und die Stadtkultur betreffen“, sagte Henriette Holz. Sie riet deshalb zu einer „kompletten inhaltlichen und gestalterischen Neukonzeption“.
Daran, dass das Städtische Museum mit seinem Sitz im Mittertor Potenzial hat, ließ die Leiterin keine Zweifel. „Es könnte ein Identifikationsort für die ganze Stadtgesellschaft werden“, sagte sie während der Sitzung. Eine moderne Dauerausstellung könnte ein Publikumsmagnet werden und so zu steigenden Besucherzahlen führen.
Zumal die Voraussetzungen alles andere als schlecht sind. So gehören zum Bestand des Städtischen Museums rund 20.000 Sammlungsobjekte, darunter eine Zither der Familie Block sowie das sogenannte Weidacher-Epitaph von 1679. „Für ein städtisches Museum sind besonders jene Objekte wertvoll, die etwas über die Geschichte des Ortes und die dortigen Lebensumstände erzählen können“, heißt es vonseiten des Büros. Auch die Eigentumsverhältnisse der Sammlungsstücke sind weitestgehend geklärt.
Die Objekte, die nicht im städtischen Museum ausgestellt werden, befinden sich in verschiedenen Depots. „Die Sammlung ist überwiegend in konservatorisch gutem Zustand“, sagte Henriette Holz. Lediglich die Objekte, die sich bis Ende 2025 im sogenannten Kathrein-Depot befanden, erlitten in der Vergangenheit mehrere Wasserschäden. Die 200 Quadratmeter große Fläche wurde mittlerweile gekündigt, inzwischen konnte mit einer 300 Quadratmeter großen, ebenerdigen Halle ein vorläufiger Ersatz gefunden werden. Ausreichend ist auch das nicht. Zumal für die Generalsanierung das komplette Museum ausgeräumt werden muss. Entlastung bringt hier der Bau eines neuen Zentraldepots, der bereits beschlossen wurde. Der Baubeginn ist für 2027 anvisiert, bezugsfertig soll das 2350 Quadratmeter große Sammlungszentrum im Jahr 2028 sein. Erst dann können die Arbeiten im Museum beginnen. „Erforderlich sind dabei nicht nur die Behebung der statischen Probleme“, heißt es in dem Maßnahmenkatalog. Auch müsste der Fokus auf der Barrierefreiheit, einem stabilen Raumklima und einer Verbesserung der Raumzuschnitte liegen. Wichtig sei zudem eine personelle Aufstockung. Anschließend muss geklärt werden, inwieweit die Sammlungen erweitert werden können. So seien die Starbulls, das Herbstfest oder aber die Rosenheim-Cops derzeit kaum repräsentiert.
„Aussagekräftige Exponate aus jüngerer Zeit sollten unbedingt aufgenommen werden“, so die Expertinnen. Wieder andere könnten aus der Sammlung entfernt werden. Des Weiteren muss die Dauerausstellung modernisiert werden. Auch hierfür hat das Büro ein Grobkonzept zusammengestellt. In einer idealen Welt würde die Sanierung des Städtischen Museums also direkt nach Fertigstellung des Sammlungszentrums starten. „2033 könnten wir dann schon das neue Museum eröffnen“, sagt Dr. Henriette Holz.