Rosenheim/Landkreis – „Rosenheimer Zeitsprünge“ heißt die einmal wöchentlich erscheinende Serie der OVB-Heimatzeitungen, von OVB online und der 24er-Portale. Was darf der Leser beziehungsweise User von der Serie erwarten? Auf alle Fälle tolle Bilder aus den letzten Jahrzehnten, die sich mit einem Vorher/ Nachher-Schieberegler in die Gegenwart verwandeln und mit einem Klick auch vergrößern lassen.
Die Königstraße in Rosenheim gehört zu den historisch wichtigen innerstädtischen Straßen. Die Straße entstand 1858 zunächst als Bahnhofstraße, weil sie direkt zum damaligen Bahnhof und dem heutigen Rathaus führte. Als der Bahnhof später an den damaligen Stadtrand verlegt wurde (Ende der 1870er-Jahre), verlor die Straße ihre ursprüngliche Funktion. Es folgte die Umbenennung in „Königstraße“ – typisch für die Zeit, in der viele Straßen nach dem bayerischen Königshaus benannt wurden.
Man kann die Entwicklung der Königstraße gut nachvollziehen – von der Verkehrsachse zum Bahnhof über den Schulstandort mit der Oberrealschule (Unterrichtsbeginn 1881, heute Finsterwalder-Gymnasium) und der Königschule (Einweihung 1867) hin zum Amtsgericht Rosenheim (Bau 1874 als Stadt- und Landgericht). Auch eins der vielen Kinos, die es in den 50er- und 60-Jahren in Rosenheim gab, hatte einen Standort in der Königstraße. Ursprünglich war es der Festsaal eines Hotels aus dem 1919 die Kammer-Lichtspiele entstanden. Nach der Schließung 1970 wurde in den 1980er-Jahren die Disco „Calypso“ eröffnet. Sie erlangte schnell und weit über die Grenzen des Landkreises Rosenheim hinaus Kult-Status. In Erinnerung sind vielen Rosenheimern sicherlich auch die damals beliebten Modenschauen sowie der jährliche Vorentscheid zur Wahl der Miss Germany, der dort stattfand. Vor fast einem Jahr wurde das Gebäude abgerissen. Wo jetzt eine Baulücke klafft, soll wohl ein Mehrfamilienhaus entstehen.
Ein Wahrzeichen in der Königstraße ist seit 1886 die Erlöserkirche. Sie ist eine der ältesten evangelischen Kirchen in Oberbayern und eine der wenigen neugotischen Gotteshäuser. Von außen erinnert sie mit ihrer ziegelroten Farbe an norddeutsche Backsteingotik. Innen hingegen ist sie hell gestrichen. Von der Trauung bis zum Schulgottesdienst – die Erlöserkirche gibt immer einen feierlichen Rahmen. Und auch im Fernsehen ist die Erlöserkirche fast jeden Dienstagabend im Fernsehen zu sehen, wenn bei den „Rosenheim-Cops“ ein Kameraschwenk über die Stadt geht, oder die Frau Stockl ins Polizeirevier spaziert. Und dieses Polizeirevier befindet sich im Rosenheimer Rathaus und dient in der Serie als Polizeipräsidium – vor allem für die Außenaufnahmen. Das Rathaus ist ein markantes, gut erkennbares Gebäude mitten in der Stadt – perfekt als wiederkehrende Kulisse. Die Stadt erlaubt Dreharbeiten dort regelmäßig, innen wird das „Polizeipräsidium“ hauptsächlich in Studios (Bavaria Filmstudios bei München) gedreht. Die Serie zählt zu den langlebigsten deutschen Krimiserien. Die „Rosenheim-Cops“ starteten 2002 im ZDF und mittlerweile gibt es über 25 Staffeln mit knapp 600 Folgen. Zur Königstraße gehört auch der Hammerbach, der früher und auch heute wieder offen durch Teile der Stadt und eben auch in der Königstraße verläuft. Er war im 19. und frühen 20. Jahrhundert ein wichtiger Bestandteil des Alltags: Der Hammerbach lieferte Wasser für das Gewerbe (etwa Handwerk, kleine Betriebe), war Treffpunkt und Aufenthaltsort und teilweise auch gestalterisches Element im Stadtbild. Dort gab es auch Verkaufsbuden und kleine Stände. Da sich an der Königstraße mehrere Schulen befanden, konnte man dort auch Süßigkeiten, Brotzeit oder Getränke kaufen. Solche „Schülerbuden“ waren damals typisch.