Pendler und Schüler vor dem nächsten Bahn-Chaos

von Redaktion

Pendler auf der Strecke Rosenheim – München müssen ab Mitte Juni mit erheblichen Einschränkungen rechnen. Weil die Bahn Kapazitäten für umgeleitete Güterzüge benötigt, fallen zahlreiche Fahrten aus. Die Maßnahmen gelten voraussichtlich bis Dezember.

Rosenheim/Grafing – Die Aufregung bei Benedict C. ist groß. Er pendelt fast täglich nach München. Bahnfahren ist schon aktuell nicht immer ein Vergnügen. Vor dem Sommer aber graut es ihm. Die Bayerische Eisenbahngesellschaft hat massive Einschnitte im Bahnverkehr zwischen Rosenheim und München angekündigt. Und C. sieht sich und andere Fahrgäste im Hintertreffen. „Für Pendler, die diese Strecke täglich zur Arbeit nutzen, bedeutet das eine Verdoppelung der Fahrtzeit“, sagt C.

Ganz so dramatisch, wie von Benedict C. befürchtet, soll sich die Situation nicht entwickeln. Sagt zumindest die Eisenbahngesellschaft. „Die Strecke zwischen Grafing und Rosenheim wird nicht gesperrt“, teilt ein Sprecher auf OVB-Anfrage mit. Massive Einschnitte gibt es dennoch. Wegen einer Großmaßnahme muss jede zweite Fahrt der RB 54 zwischen München und Rosenheim entfallen.

Grund ist die Korridorsanierung der Achse Obertraubling – Passau. Der Verkehr muss umgeleitet werden. Was wiederum München – Rosenheim betrifft. „Die Einschränkungen gelten bis zum Ende der Korridorsanierung, voraussichtlich bis zum 12. Dezember 2026“, fügt der Sprecher hinzu. Den sogenannten Verkehrsartenmix – also die Anteile des Fern-, Nah- und Güterverkehrs – habe der Infrastrukturbetreiber DB InfraGo festgelegt. „Fahrgäste können stattdessen auf den RE 5 ausweichen, der ersatzweise für die ausfallenden Züge der RB 54 alle zwei Stunden einen zusätzlichen Halt in Grafing Bahnhof einlegt“, teilt der BEG-Sprecher mit.

In Grafing bestehe Anschluss an den SEV-Bus RB 54 nach Rosenheim mit Zwischenhalten in Aßling, Ostermünchen und Großkarolinenfeld. „Weiterhin ändern sich zum Teil die Abfahrtszeiten der verbleibenden RB-54-Fahrten“, fügt der Sprecher hinzu. Heißt: Am Hauptbahnhof in München fahren die Züge früher ab als bisher und kommen später an. Einige Züge halten zusätzlich in Grafing Bahnhof. Zusätzlich entfallen einige mittägliche Schülerzüge zwischen Rosenheim, Prien, Traunstein und Freilassing. Diese werden auf einzelnen Abschnitten durch Busse ersetzt. Geplant sei stündlich ein SEV-Bus je Fahrtrichtung. Fahrgäste, die den Bus nutzen, müssen ihm zufolge erheblich längere Fahrzeiten einplanen: Für die Gesamtstrecke zwischen Rosenheim und Grafing Bahnhof benötigt der SEV-Bus knapp eine Stunde. Zum Vergleich: Die RB 54 benötigt 20 Minuten.

Bei der Strecke zwischen Obertraubling bei Regensburg und Passau handelt es sich um eine wichtige Verbindung für den deutschen und internationalen Güterverkehr. Bei den Planungen der Sperrzeiten muss die Deutsche Bahn deshalb auch die grenzübergreifenden Verkehre von und nach Österreich berücksichtigen. Neben der Sanierung der Bahnhöfe, Gleise und Oberleitungen liegt der Fokus der Arbeiten auf der Bodenverfestigung der Moorstelle bei Osterhofen sowie der Erneuerung der Stellwerkstechnik.

Für Benedict C. ist das ein schwacher Trost. „In den Zügen gibt es bereits heute zu Stoßzeiten häufig nur noch Stehplätze. Wenn nun die Verstärkerzüge wegfallen, werden die verbleibenden Züge noch voller“, sagt er. Was er nicht versteht: Wieso immer die lokalen Pendler und nie der Fern- oder Güterverkehr bei Kapazitätsengpässen zurückstehen müssten. Die Menschen aus der Region werden, so findet er, „zugunsten des Durchgangsverkehrs aus dem Zug gedrängt.“

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