Rosenheim – Spannende Einblicke in ein vielfältiges Berufsfeld – und mittendrin viele praktische Vorführungen: Der „Tag der offenen Tür“ beim Hauptzollamt Rosenheim am vergangenen Samstag hatte einiges zu bieten. Anlass war ein besonderes Jubiläum: 75 Jahre Zoll in der Bundesrepublik. Zum ersten Mal richtete sich die Veranstaltung nicht nur an Jugendliche auf Berufssuche und ihre Eltern, sondern an die gesamte Öffentlichkeit. Unter dem Motto „Wir sind Zoll – 75 Jahre Zoll in der Bundesrepublik“ öffnete das Hauptzollamt in der Münchener Straße in diesem Jahr seine Türen für alle Interessierten.
Zwischen Hightech
und dicken Wälzern
Rund 60 Zöllner standen bereit, um ihre Arbeit vorzustellen und Fragen zu beantworten. An zahlreichen Informationsständen konnten sich Besucher ein Bild von den vielfältigen Aufgaben des Zolls machen – von der Warenkontrolle über die Bekämpfung von Schwarzarbeit bis zu Serviceleistungen für Unternehmen. Besonders anschaulich wurde es bei den Vorführungen: Hier konnten Besucher miterleben, wie eine Zollkontrolle oder eine Kontrolle auf Schwarzarbeit abläuft. Auch ein Diensthund war vor Ort und zeigte sein Können.
Ein echter Publikumsmagnet war zudem ein historisches Büro, das detailgetreu im Stil der 1960er- und 1970er-Jahre eingerichtet worden war. Schnell wurde klar, wie sehr sich die Arbeit verändert hat: Statt Computer bestimmten damals dicke Bücher den Alltag, in denen mühsam Zolltarifnummern nachgeschlagen werden mussten. Selbst an die typische Büropflanze jener Zeit wurde gedacht – die robuste „Schwiegermutterzunge“, die als nahezu unverwüstlich gilt.
Staunen, Mitmachen –
und auch Kopfschütteln
Neben spannenden Einblicken in die Vergangenheit zeigte die Ausstellung auch die Schattenseiten globaler Warenströme. Für sichtbares Unbehagen bei vielen Besuchern sorgten beschlagnahmte Gegenstände aus dem Arten- und Naturschutzbereich – darunter ausgestopfte Raubtiere, ein Zebrafell und eine Jacke aus dem Fell von Polarfuchswelpen. Die Besucher erfuhren dabei auch, wie sich die Arbeit der Zöllner über die Jahrzehnte gewandelt hat: Einerseits erleichtert moderne Technik viele Abläufe, andererseits steigen durch Globalisierung und zunehmende Bürokratie die Anforderungen deutlich.
Auch für Familien war einiges geboten. Kinder konnten sich an Mitmachstationen ausprobieren, während das Maskottchen „Mateo“ für gute Stimmung sorgte. Sein Name erinnert an die historischen Wurzeln des Berufs: Der Evangelist Matthäus soll vor seiner Berufung als Zöllner tätig gewesen sein – ein Hinweis darauf, dass dieser Beruf zu den ältesten der Welt zählt.
Abgerundet wurde das Programm durch ein Zoll-Quiz mit Gewinnspiel sowie ein „Zoll-Kino“, das die Entwicklung der Behörde über die Jahrzehnte hinweg anschaulich darstellte.
Aus Hauptzollamt
wird Zolldirektion
Mit vor Ort war auch der neue Leiter des Hauptzollamts Rosenheim, Rolf Wundrack, der zuvor beim Zollfahndungsamt München tätig war. Er verwies auf anstehende strukturelle Veränderungen innerhalb der Zollverwaltung: Hintergrund ist ein Gesetzentwurf des Bundesfinanzministeriums, der eine Neuorganisation der Behörden vorsieht. Demnach sollen die bisherigen Hauptzollämter künftig als Zolldirektionen geführt werden. Nach aktuellem Planungsstand ist die Umbenennung für Anfang 2027 vorgesehen. Aus dem Hauptzollamt Rosenheim wird dann die Zolldirektion Rosenheim. Karin Wunsam