Rosenheim – Mit Spannung hatten die Mitglieder der Seniorenunion Rosenheim-Stadt den Besuch von Martina Gießübel erwartet. Die Landtagsabgeordnete aus Schweinfurt ist Senioren-politische Sprecherin der CSU-Landtagsfraktion und bekannt für couragierte Worte. „Renten, Wohnen im Alter und medizinische Versorgung für unsere Senioren sind Schlüsselthemen, wenn es unseren älteren Mitbürgern gut gehen soll“, sagte sie. Hier sei noch so manches aufzuarbeiten, erklärte die 56-Jährige. Dafür kämpfe sie als ehemalige AOK-Personalchefin im Landtag. Das kam gut an bei der sehr gut besuchten Kreishauptversammlung der Seniorenunion Rosenheim-Stadt im Gasthof Höhensteiger.
Pflegekosten, die kaum
einer schultern kann
Doch sie wolle keine Reden schwingen, sondern lieber mit den Seniorinnen und Senioren diskutieren, so Gießübel weiter. In der anschließenden Debatte ging es um die hohen Kosten in Pflegeheimen, „die kaum noch jemand aus eigener Kraft schultern kann“, um fehlende Plätze für Demenzkranke oder die rasant fortschreitende Digitalisierung. „Da fühlen wir uns allein gelassen“, so eine Seniorin.
Dass es darüber hinaus auch immer wieder an der politischen Teilhabe und der Beachtung seniorenpolitischer Themen im Politikbetrieb fehle, darauf verwies die Kreisvorsitzende Sigrid Knothe. „Das ist sehr zu bedauern.“
In ihrem Rechenschaftsbericht listete die Kreisvorsitzende das umfangreiche und bunte Jahresprogramm auf. Dies reichte von gemütlichen Wanderungen über das monatlich stattfindende gemeinsame Frühstück im Gartencenter Nickl und der Kunstmühle bis hin zum Polit-Talk „Kaffee-Kuchen-Kontroversen“ mit heißen Themen wie „Warum kommt Deutschland nicht auf die Beine?“.
Höhepunkt war im vergangenen Jahr die Vortragsserie „Hilfe zur Selbsthilfe“. „Ich glaube, wir müssen umdenken und uns verstärkt auf uns selbst verlassen und dabei kreative Lösungen suchen“, so Knothe dazu. Der Staat werde künftig angesichts klammer Kassen und fehlenden Pflegepersonals nicht alles Wünschenswerte finanzieren können. Ein Fazit: Die Seniorenunion fordert deshalb mehr ambulante Hilfe für Pflegebedürftige, damit sie weiterhin zu Hause leben können, stationäre Pflegeheime für an Demenz erkrankte Mitbürger sowie soziale Einrichtungen, gerne mit ehrenamtlicher Unterstützung, im Sinne einer Tagesbetreuung. „Damit wir Senioren digital nicht abgehängt werden, ist es notwendig, dass wir Unterstützung im Umgang mit Smartphone und den neuen Technologien bekommen. Wir sind keine Bremser“, so Knothe.
Neue Vortragsserie
startet im Mai
Nach Kassenbericht, Kassenprüfung und Entlastung der Vorstandschaft wurden für 15-jährige Mitgliedschaft Professor Dr. Josef Frankenberger und der ehemalige Zweite Bürgermeister Anton Heindl geehrt. Für zehnjährige Mitgliedschaft erhielten Peter Appelt, Georg Backert und Gotthard Fiala ebenfalls eine Urkunde. Mit der Vorstellung der neuen Vortragsserie 2026 „Über den Dächern von Rosenheim – Weitblick trifft Sozialpolitik“ schloss die Kreisvorsitzende die Kreishauptversammlung. Start der Vortragsreihe ist morgen, Donnerstag, am Romed-Klinikum.