Mehr Sicherheit für die jährlich gut 12.000 Besucher mit einem Defibrillator auf dem Rosenheimer Friedhof, das ist Leiter Michael Kaffl wichtig.
Eine neue Halterung und ein Rost im Brunnen – das soll vor allem älteren Friedhofsbesuchern helfen.
Rosenheim – Die Sonne scheint, die Vögel zwitschern und die ersten Blumen lassen die Lust auf den Frühling steigen. Die Leute zieht es wieder mehr aus den Häusern und zu einem Spaziergang durch die Stadt – einige auch über den Friedhof. Er ist ein Ort der Ruhe, des Trauerns, aber laut Friedhofsleiter Michael Kaffl auch eine der größten Ruheoasen der Innenstadt. Um den Friedhof schön, wirtschaftlich rentabel und für einen angenehmen Aufenthalt der Besucher zu optimieren, wurden Neuerungen vorgenommen.
40 neue Bäume
wurden gepflanzt
„Familien suchen hier Ruhe, und auch für die Leute, die hier arbeiten, wollten wir den Aufenthalt im Sommer angenehmer machen“, sagt Michael Kaffl. So wurden auf dem acht Hektar großen Friedhofsgelände insgesamt 40 neue Bäume in den vergangenen zwei Jahren gepflanzt. „Die sollen im Sommer Schatten spenden und so den Besuchern ein angenehmeres Klima bieten“, sagt Kaffl. Dabei wurden große Bäume gewählt, die aber nicht ausladend sind. Schließlich solle der Friedhof kein Wald werden. Auch der Vorplatz bekam sieben neue Bäume der Art Amber. „Ich freue mich schon sehr auf die besondere Herbstfärbung der Bäume“, sagt Kaffl.
Diese Schattenplätze seien wichtig, da der Friedhof sich im Sommer sehr aufheizen würde. Kaffl sagt, dass sich durch die Mauern, im historischen Teil, viel Wärme anstaut. Und auch der Kies würde zu dieser Hitze beitragen, denn dieser speichert die Wärme. „Wir haben jetzt ein paar Testfelder, in denen der Kies mit einer Rasenfläche ersetzt wurde“, erklärt Kaffl. Somit ist um die Gräber herum Wiese. Das helfe nicht nur, ein kühleres Klima im Sommer zu schaffen, sondern sei auch leichter zu pflegen. „Wir haben für den Kies eine externe Firma, die das Unkraut mechanisch entfernt. Das ist kosten- und arbeitsintensiv“, sagt Kaffl. Durch die Rasenflächen würde Geld gespart werden, schließlich müsse man sie nur mähen.
In zehn bis 15 Jahren soll der Friedhof nur noch aus diesen Grünflächen bestehen. „Bisher hatten wir keine Beschwerden, nur Lob“, sagt der Friedhofsleiter. Auch die 20 neuen Bänke sollen zur Aufenthaltsqualität beitragen, genauso wie die drei erneuerten Brunnen. „Das war nicht nur eine optische Aufwertung, sondern auch eine funktionale“, sagt Kaffl. Denn in den runden Steinbrunnen befindet sich nun ein Gitter, auf dem die Gießkannen beim Befüllen abgestellt werden können. „Das ist vor allem für die älteren Besucher von Vorteil“, sagt Kaffl.
„Der Friedhof ist ein Ort des Lebens und der Begegnung“, sagt Thomas Schlichting, Rosenheims Stadtpfarrer. Deswegen halte er es für gut, dass der Friedhof für die Leute in der Stadt ein Ort zum Erholen ist. Aber ebenfalls wichtig sei laut dem Pfarrer der neue Defibrillator links neben der Aussegnungshalle. „Durch die Bestattungen und sonstigen Besucher haben wir gut 12.000 Gäste im Jahr“, sagt der Friedhofsleiter Michael Kaffl. Bei den Bestattungen würden die Menschen häufig unter Stress und einer hohen emotionalen Belastung stehen. Für solche Situationen und im Allgemeinen soll so mehr Sicherheit herrschen. „Es ist eine Maßnahme, die dazu beiträgt, Leben zu retten. Einen Defibrillator an einer öffentlichen Fläche zur Verfügung zu stellen, kann entscheidend sein“, sagt Pfarrer Schlichting.
„Jeder, der in Rosenheim verstirbt und dann das Stadtgebiet verlässt, muss einmal über den Rosenheimer Friedhof“, sagt Kaffl. So muss der Leichnam mit den entsprechenden Papieren verglichen und auch ein sicherer Transport muss festgestellt werden. Dafür muss der Sarg zugenagelt sein, damit im Falle eines Unfalls die Leiche nicht herausfällt. „Damit soll auch die Würde des Menschen gewahrt werden“, sagt Kaffl. Durch die vielen Kontrollen und Bestattungen sind auf dem Friedhof auch viele Autos unterwegs. Deshalb wird aktuell die Zufahrt vergrößert und es werden weitere Parkplätze geschaffen.
Damit der Friedhof auch immer gut aussieht, muss er gepflegt werden, genauso wie die Gräber. Bei manchen ist das Nutzungsrecht ausgelaufen, doch einfach neu dürfen sie nicht gemacht werden. „Wir haben ungefähr 40 Gräber, die denkmalgeschützt sind und nicht mehr genutzt werden“, sagt Kaffl. Bei solchen Gräbern würden dann auch die Kosten der Pflege an der Friedhofsverwaltung hängen bleiben. So etwas könne im schlimmsten Fall zu einer Erhöhung der Friedhofsgebühren führen.
Kulturwandel im
Bestattungswesen
Um dies zu verhindern, habe die Verwaltung eng mit dem Denkmalschutz zusammengearbeitet und sich eine Lösung überlegt. „In dem alten Rösner-Grab möchten wir Platz für zwölf Partnerurnen-Erdgräber schaffen“, sagt Kaffl. Um die Begrünung würde sich die Friedhofsverwaltung kümmern. So werde das alte Grab genutzt und eine alternative Bestattungsart zur Urnenwand geboten. „Ich finde das einen guten Ansatz, denn wir haben einen Kulturwandel im Bestattungswesen. Es ist wichtig, da mitzuziehen“, sagt Pfarrer Schlichting. So kann auch am Rosenheimer Friedhof eine neue Form angeboten werden, bei der keine Pflege durch Angehörige notwendig ist. Michael Kaffl hofft, das erste Nutzungsrecht für das Rösner-Grab im Herbst vergeben zu können.