Rosenheim – Es ist ein Thema, das Daniela Dieckhoff bewegt. Lange hatte sich die Stadträtin der Rosenheimer Grünen dafür eingesetzt, dass der Biomüll getrennt gesammelt wird. Am besten in einer separaten Tonne, die jeder Bürger vor der Haustür stehen hat. Weil von diesem Konzept nicht alle Rosenheimer überzeugt waren, gab es einen Bürgerentscheid. Mit deutlicher Mehrheit sprachen sich die Bürger für eine dezentrale Sammlung der Bioabfälle aus. Dieckhoffs Vorschlag war damit vom Tisch.
Vor über einem Jahr wurden die dafür benötigten Bioabfallcontainer also an zahlreichen Wertstoffinseln aufgestellt. Mittlerweile haben die Rosenheimer die Möglichkeit, ihren Biomüll an 21 Standorten abzugeben. Die 27 Kunststoffcontainer sind über das gesamte Stadtgebiet verteilt.
„Die zum Einsatz kommenden 660-Liter-Kunststoffcontainer haben sich bewährt“, sagte Ralf Seeburger, Leiter des städtischen Umwelt- und Grünflächenamtes, während der jüngsten Sitzung des Ausschusses für Umwelt, Energie und Klimaschutz. Im ersten Jahr wurden ihm zufolge circa 100 Tonnen Biomüll gesammelt. Tendenz steigend.
In anderen Zahlen ausgedrückt: Pro Leerung wurden rund 2,6 Tonnen Biomüll gesammelt. In einem Monat entspricht dies einer Sammelmenge von rund 10,5 Tonnen Biomüll. Zum Vergleich: Mit den Biopresscontainern wurden in der Vergangenheit rund sieben Tonnen pro Jahr gesammelt.
Die Zahlen überzeugen zumindest Daniela Dieckhoff nicht. „Natürlich ist es schön, dass mehr gesammelt wird. Aber im bayernweiten Vergleich schneiden wir trotzdem schlecht ab“, sagte sie.
Sie habe alles durchgerechnet, sei am Ende zu dem Ergebnis gekommen, dass jeder Rosenheimer gerade einmal zwei Kilogramm Biomüll im Jahr sammelt. „Bayernweit liegt der Durchschnitt bei 70 Kilogramm pro Einwohner. Das ist noch einmal eine andere Hausnummer“, sagte sie.
Ralf Seeburger fokussierte sich währenddessen lieber auf die positiven Dinge. „Nach dem ersten Jahr seit der Einführung sind die Erfahrungen durchweg positiv“, sagte er. Die Container werden laut dem Amtsleiter gut angenommen. Teilweise wurden die Wertstoffinseln deshalb um einen zweiten Container ergänzt. Weitere sollen folgen. Jedenfalls da, wo es der Platz zulässt.
Um die Leerung und Reinigung der Container kümmern sich die Mitarbeiter des Baubetriebshofs. Die Container werden jeden Freitag geleert. „Die Mitarbeiter des Baubetriebshofs vermelden eine weitgehend sortenreine Trennung“, sagt Seeburger. Die Sorge von vor einem Jahr, dass die Rosenheimer also auch anderen Müll in die Container werfen, scheint also unbegründet. „Es kam nur vereinzelt zu Fehlwürfen“, so der Amtsleiter.
„Dafür werfen nach wie vor viele Rosenheimer ihren Biomüll in die Restmülltonne“, entgegnete Daniela Dieckhoff. Das habe eine Analyse des Hausmülls ergeben. Kritik gab es während der Sitzung auch an dem Zustand der Container. Diese wurden laut Seeburger im vergangenen Jahr sechsmal gereinigt.
„Das ist in meinen Augen deutlich zu wenig“, sagte Grünen-Stadträtin Astrid Schenck. Immer, wenn sie ihren Biomüll wegbringt, stehe sie vor verschmutzten Containern. „Die Situation ist nicht zumutbar. Die Container möchte ich stellenweise nur mit Handschuhen anfassen“, sagte sie während der Sitzung.
Letztlich scheinen aber die positiven Argumente zu überwiegen. Daher wurden 30 weitere Container bestellt, die dort, wo Bedarf ist, aufgestellt werden sollen. „Ansonsten wird das Vorgehen so fortgesetzt wie bisher“, sagt Seeburger.