Stephanskirchen – Wenn Franz Bauer in der Nacht im Bett liegt, dann hat er die Szenen wieder vor Augen. Er sieht den Lkw, der auf ihn zufährt, den Fahrer, der leblos auf dem Fahrersitz sitzt, und die beiden Feuerwehrmänner, die versuchen, den Mann wiederzubeleben. „Das Ganze beschäftigt mich immer noch“, sagt er am Telefon. Franz Bauer heißt eigentlich anders. Aber seinen Namen will er nicht in den Medien lesen. Trotzdem hat er sich dazu entschlossen, über den Unfall zu sprechen. Auch, um darauf aufmerksam zu machen, wie wichtig die Arbeit von Ersthelfern ist.
Es war am vergangenen Dienstag, gegen 15.45 Uhr, als Bauer gerade auf dem Heimweg war. Mit seinem Auto auf der Staatsstraße 2359. „Der Lkw ist mir schräg entgegengekommen“, erinnert er sich. Komisch sei das gewesen. Bauer fuhr langsamer, hielt den Blick fest auf den Lkw-Fahrer gerichtet. „Ich habe erst gedacht, dass er vielleicht am Straßenrand parken will, habe dann aber gesehen, wie er in die Böschung gefahren ist“, sagt er.
Daraufhin habe er sein Auto gestoppt und sei zu dem Lkw gelaufen. „Die Tür ging nicht auf, also habe ich an die Scheibe geklopft, aber der Fahrer hat nicht reagiert“, sagt er. Nur wenige Sekunden später seien ihm andere Verkehrsteilnehmer zu Hilfe geeilt. Währenddessen setzte Bauer den Notruf ab. Erst telefonierte er mit der Polizei, später mit den Einsatzkräften im Krankenwagen.
„Ich habe die Daten durchgegeben und geschildert, was augenscheinlich passiert ist“, sagt er. Zwei Männer, die ebenfalls an der Unfallstelle stehen blieben, entpuppten sich als Feuerwehrkräfte. Einer von ihnen habe Werkzeug aus dem Auto geholt und damit die Scheibe auf der Beifahrerseite eingeschlagen. „Wir haben dann die Türen geöffnet und versucht, den Fahrer aus dem Lkw rauszubekommen“, sagt Bauer.
Großes Lob für die Arbeit
der Feuerwehrkräfte
Der Fahrer selbst – ein 59-jähriger Mann – sei auf den ersten Blick nur leicht verletzt gewesen. „Er hing nach rechts geneigt in seinem Sitz, war aber nicht ansprechbar und hatte auch keinen fühlbaren Puls“, sagt Bauer. Seine Atmung sei unregelmäßig gewesen, hin und wieder habe er geschnauft.
Nach einiger Zeit gelang es den drei Männern, den 59-Jährigen aus dem Lkw zu ziehen. „Wir haben ihn auf den Boden gelegt und mit der Reanimation begonnen“, sagt Bauer. Immer wieder lobt er die Arbeit der beiden Feuerwehrmänner. „Sie haben wirklich sehr gute Arbeit geleistet“, sagt er.
Wie viel Zeit vergangen ist, bis die Polizei eingetroffen ist, weiß Bauer nicht. Irgendwann hätten ihn die Beamten zur Seite genommen, seine Daten aufgenommen und ihn nach Hause geschickt. Erst später habe er erfahren, dass der Lkw-Fahrer im Krankenhaus verstorben sei. „Das lässt einen nicht kalt. Er war ja gerade einmal 59 Jahre alt, also jünger als ich“, sagt Bauer.
Für ihn sei sofort klar gewesen, dass er anhält und hilft. „Darüber musste ich überhaupt nicht nachdenken“, sagt er. Und doch habe es etliche Menschen gegeben, die einfach weitergefahren sind. Wie wichtig Ersthelfer sind, unterstreicht auch Hauptkommissar Robert Maurer. Da spiele es auch keine Rolle, wie lange die Erste-Hilfe-Ausbildung zurückliegt.
„Entscheidend ist, aktiv Hilfe zu leisten. Dies kann beispielsweise auch schon dadurch geschehen, den Verletzten oder Bewusstlosen aus der Gefahrensituation herauszubringen“, sagt er auf OVB-Anfrage. Wichtig sei es, immer darauf zu achten, dass man sich selbst nicht in Gefahr bringe. „Schon das Absetzen eines Notrufes mit Schilderung der wahrgenommenen Situation hilft dabei, die Rettungskette zügig anzustoßen“, fügt der Hauptkommissar hinzu.
Derzeit geht die Polizei bei dem Lkw-Fahrer von einem natürlichen Todesfall als Unfallursache aus. Der beschädigte Lastwagen musste abgeschleppt werden. Die Polizei beziffert den entstandenen Sachschaden auf rund 8.000 Euro.