Von Rosenheim nach Los Angeles

von Redaktion

Radiomoderator Adrian Kaesberg (33) lebt seit drei Jahren in den USA – Eigene Firma gegründet

Rosenheim/Los Angeles – Es ist Anfang 2023, als Adrian Kaesberg einen Schritt wagt, der sein Leben verändert. Der 33-Jährige, geboren in Rosenheim, aufgewachsen in Ruhpolding, zieht in die Vereinigten Staaten. Nach Los Angeles, wo ihn ein ganz anderes Leben erwartet als in der Heimat. Dort gründet er seine eigene Firma in der Logistikbranche. Dabei hatte er eigentlich mal als Moderator bei Radio Charivari und Radio Galaxy in Rosenheim angefangen.

„Da bin ich einfach hineingerutscht“, erzählt Kaesberg dem OVB am Telefon. Er habe sich schon immer für Technik interessiert und sich sogar daheim ein eigenes kleines Radiostudio aufgebaut. „Von dort aus habe ich im Internet für ein paar Hörer gesendet“, erinnert er sich. Nach einem Praktikum bei Radio Charivari stieg er fest in die Hörfunkbranche ein. „Das war lange mein Traumberuf“, sagt der 33-Jährige.

Viele Jahre als
Onboard-Kurier im Einsatz

Doch irgendwann wollte Kaesberg „die Welt entdecken“ und mehr reisen, wie er erzählt. „Im Fernsehen habe ich eine Dokumentation über den Beruf Onboard-Kurier gesehen“, erzählt der Rosenheimer. So sei er zu seinem neuen Beruf gekommen. „Diese Kuriere bringen sehr eilige Sendungen selbst als Passagiere von A nach B.“ Sieben Jahre transportierte er die unterschiedlichsten Dinge: wichtige Ersatzteile für Flugzeuge, Stammzellen für Leukämiepatienten, Ballkleider für die Oscarverleihung.

Nicht immer lief dabei alles rund. „Diese Ballkleider“, erinnert sich Kaesberg, „durften auf keinen Fall geknickt werden.“ Deshalb musste er sie im Handgepäck mitnehmen. Mit ausgestreckten Armen sei er damals über den Flughafen gelaufen und habe die langen Kleider herumgetragen. Sie waren in undurchsichtigen Hüllen verstaut, die immer verschlossen bleiben mussten – keiner sollte die Klamotten vor der Verleihung sehen. „Doch einmal war das Kleid zu schwer, der Kleiderhaken ist abgerissen und das Kleid heruntergefallen“, erzählt Kaesberg.

Der Kurier musste nun schnell handeln. Also öffnete er die Verpackung, besorgte sich aus einem der Geschäfte am Flughafen einen neuen Kleiderbügel und hängte das Kleid daran auf. „Dabei habe ich es natürlich gesehen“, sagt Kaesberg. Trotz allem konnte er das Kleid pünktlich abliefern und entdeckte es wenig später sogar im Fernsehen. Welcher Promi es getragen habe, wisse er nicht mehr. Nur so viel: „Die Person wurde als eine der Bestgekleideten ausgezeichnet.“

Ein anderes Mal transportierte Kaesberg Stammzellen von A nach B. „Da geht man wirklich ins Krankenhaus, holt die Stammzellen ab, verpackt sie selbst und bringt sie ans Ziel“, erzählt er. Ein paar Monate nach einem Auftrag erfuhr er, dass er mit seinem Einsatz tatsächlich einem vierjährigen Kind in der Türkei das Leben retten konnte. „Das ist natürlich besonders motivierend“, sagt Kaesberg.

In seiner Zeit als Kurier war der Rosenheimer überall auf der Welt unterwegs. „Ich war schon auf allen Kontinenten außer der Antarktis“, erzählt er, über 60 Länder habe er besucht. Besonders oft sei er aber in die USA geflogen. „Meine Familie hat immer gesagt: Warum ziehst du da nicht hin?“

Dass er diese Idee in die Tat umsetzen konnte, ist seiner beruflichen Entwicklung geschuldet. „Im Laufe der Zeit habe ich mich immer mehr zum Berater für andere Firmen entwickelt und mich irgendwann selbstständig gemacht“, erzählt er. Vor allem in Amerika habe er Kunden gehabt. Für die blieb Kaesberg regelmäßig nachts wach. Auf Dauer war das aber keine Lösung für den Rosenheimer. „Ich hatte auch immer den geheimen Wunsch, in die USA auszuwandern“, verrät er.

So kam es, dass er nach Kalifornien zog, wo er schon immer gerne Urlaub gemacht hatte, und dort eine Firma in der zeitkritischen Logistikbranche gründete. Diese kümmert sich darum, wichtige Waren schnellstmöglich um die ganze Welt zu transportieren. Seit der Auswanderung sind nun knapp drei Jahre vergangen. „Mittlerweile habe ich mich gut eingelebt“, sagt Kaesberg. Für ihn sei der Umzug die richtige Entscheidung gewesen. Ganz einfach ist es dennoch nicht, auf einem anderen Kontinent zu leben.

„Es gibt viele Unterschiede zum Leben in Rosenheim“, sagt Kaesberg nachdenklich. Die Leute in Bayern seien insgesamt offener, ehrlicher und weniger aufgesetzt. Die Amerikaner wiederum seien mehr getrieben von Leistungsbereitschaft. „Es ist hier ein bisschen so: Entweder man schafft es oder halt nicht und kämpft mit drei Jobs“, erzählt er. Die Mittelschicht, die so typisch für Deutschland sei, fehle in den Staaten größtenteils. „Hier muss man wirklich alles geben und beweisen, wer man ist.“

So auch Kaesberg: Für seine Firma arbeitete er vor allem anfangs viel im Tagesgeschäft mit. „Ich war jeden Tag mindestens zehn bis zwölf Stunden im Einsatz“, sagt der Unternehmer. Wenn etwas war, sei er auch mal in der Nacht wachgeklingelt worden. Inzwischen laufe es in der Firma mit ihren zwölf Mitarbeitern aber geordneter.

Dennoch habe er immer eine Art Adrenalinkick und stehe ständig unter Strom. „Die Branche ist extrem schnell, noch dazu steht immer viel auf dem Spiel. Das ist stressig, das ist anstrengend, aber es gibt einem auch etwas zurück“, erzählt der 33-Jährige.

Viel im zeitkritischen Logistikgeschäft läuft ihm zufolge noch ganz altmodisch. „Da wird viel mit Telefonaten geregelt, wie in den 90ern.“ Kaesberg versucht nun, das Ganze zu digitalisieren. Damit kennt er sich aus, denn der Rosenheimer macht auch Softwareentwicklung. Schon seit er beim Radio war: Für den Sender Charivari entwickelte er die Software für den Verkehrsservice.

Skifahren in den Bergen,
Surfen im Pazifik

Wegen seines Jobs beim Radio zog Kaesberg damals von Ruhpolding wieder nach Rosenheim. Die Stadt ist immer noch seine Heimat. „Ich freue mich jedes Mal, wenn ich wieder nach Hause komme. Hier in Südostoberbayern sind natürlich auch Freunde und Familie verteilt“, betont er.

Auf der anderen Seite sei es in Los Angeles oder, genauer gesagt, Santa Monica, wo Kaesberg heute lebt, auch sehr schön. In den Bergen kann er Ski fahren und im Pazifik surfen, denn die Stadt liegt am Meer. Das nutzt Kaesberg aus: „Jeden Tag gehe ich am Strand laufen.“

Der gebürtige Rosenheimer hat sich zwar schon gut in Los Angeles eingelebt – doch ob er wirklich für immer dort bleiben will, weiß er nicht. „Vielleicht kommt eines Tages der Punkt, an dem ich sage: Eigentlich ist es zu Hause doch am schönsten.“

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