Rosenheim – Viele Fans hat der Platz vor dem Rosenheimer Bahnhof nicht. Zu wenig Grün. Zu viel Beton. Wild abgestellte Fahrräder soweit das Auge reicht. Eine Lösung muss her. Die SPD hatte sich deshalb bereits im vergangenen Jahr in einem Antrag für ein Begrünungs- und Aufenthaltskonzept eingesetzt.
„Die Fläche lädt kaum zum Verweilen und Aufhalten ein, auch wenn sich hierfür einige Sitzgelegenheiten bieten“, heißt es in dem Antrag. Erschwerend komme hinzu, dass sich der Platz gerade im Sommer massiv aufheize. Es brauche eine Anpassung, eine Umgestaltung: „Ziel soll es sein, dass der Ort im Sommer vor allem Schatten und frische Luft spendet und ganzjährig zum Verweilen und Aufhalten einlädt.“
Gestaltung ist Ergebnis
eines Wettbewerbs
Die Verwaltung hat sich in der jüngsten Sitzung des Stadtentwicklungs- und Baugenehmigungsausschusses jetzt mit dem Thema beschäftigt. „Wir werden uns die Gestaltung des Platzes noch einmal anschauen“, versprach Rechtsdezernent Herbert Hoch. Allerdings müssten vorab einige Punkte geklärt werden.
So ist die aktuelle Gestaltung des Platzes das Ergebnis des Wettbewerbs „Bahnhofsvorplatz Rosenheim“. 27 Ideen waren damals eingereicht worden. Am Ende hatten der Münchener Architekt Martin Wich und das Landschaftsarchitekturbüro Terranova die Nase vorn.
Sie haben derzeit auch das Urheberrecht an der Gestaltung des Platzes inne – ähnlich wie es am Max-Josefs-Platz der Fall ist. Mögliche Änderungen müssen also immer erst mit dem Architekten besprochen werden.
„Wir müssen mit dem Preisträger des Wettbewerbs Kontakt aufnehmen, um abzuklären, welche Änderungen in dem Gesamtentwurf denkbar sind“, sagte Hoch während der Sitzung.
Flächen für
Katastrophenfall
Des Weiteren muss geklärt werden, ob die Flächen vor dem Bahnhofsgelände überplant werden dürfen und welche für den Brand- und Katastrophenfall freigehalten werden müssen. „Derzeit dient die Fläche als Aufstell- und Einsatzfläche“, sagte Hoch. Bäume an dieser Stelle seien also schwierig, eine „niedrige Begrünung“ jedoch vorstellbar. Ebenfalls geklärt werden muss, ob die Regierung von Oberbayern mit einer Umplanung zugunsten der Klimaanpassung und der Aufenthaltsqualität einverstanden wäre. Denn für die Umsetzung des Wettbewerbs „Bahnhofsvorplatz Rosenheim“ im Jahr 2012 erhielt Rosenheim Städtebaufördermittel. Schlimmstenfalls könnte es also passieren, dass die Stadt die Gelder zurückzahlen muss.
Trotz der Hürden waren sich die Stadträte einig, dass etwas passieren muss. „Mehr Grün wäre wünschenswert und ein Gewinn für alle“, sagte SPD-Stadträtin Gabriele Leicht während der Sitzung. Zudem würde das möglicherweise auch dazu führen, dass die Fahrräder nicht mehr kreuz und quer geparkt werden.
Grüne sprechen von
einem „Downgrade“
Beate Burkl (Freie Wähler/UP) erinnerte daran, dass die Situation vor 14 Jahren noch eine ganz andere war. Zumal die Fläche vor dem Oberbahnamt von den Rosenheimern gut angenommen werde. Dort gebe es nicht nur Bäume, sondern auch zahlreiche Sitzmöglichkeiten. Nur am Busbahnhof und bei den Kurzzeitparkplätzen fehle eben die Begrünung.
„Ich bin sehr erstaunt, dass die Denkweise 2012 eine andere war“, sagte hingegen Franz Lukas (Grüne). Seine Fraktion hatte schon damals davor gewarnt, die Bäume zu fällen. „Die Planung stellt eine Abwertung dar, das ist ein „Downgrade.“ Es ist beschämend, dass wir fast 15 Jahre gebraucht haben, um zu dieser Erkenntnis zu kommen“, kritisierte er während der Sitzung. Der einzige Vorteil sei, dass die Taxifahrer jetzt nicht mehr vorn über den Platz fahren, sondern über den Busbahnhof fahren müssen.
40 Bäume mussten
damals gefällt werden
Noch einmal erinnerte er daran, dass für die Neugestaltung des Bahnhofsvorplatzes 40 Bäume gefällt werden mussten. Lediglich ein großer Baum sei erhalten geblieben. „Wenn es jetzt zu einer Verbesserung kommt, freut uns das natürlich“, sagt er. Dennoch stünde man nicht vor diesem Problem, wenn man von Anfang an davon abgesehen hätte, die Bäume zu fällen. „Die Mehrheit hat damals aber eben anders entschieden“, sagte Lukas.
Nun sprach sich in der jüngsten Sitzung die Mehrheit dafür aus, dass der Bahnhofsvorplatz begrünt und ein Aufenthaltskonzept entwickelt wird – allerdings erst, wenn alle rechtlichen und finanziellen Fragen geklärt sind.