Hinter Geburtsbrauch steckt Sexismus

von Redaktion

Zum Bericht „Prächtiger Weisertwecken in Hohenofen: Stadtteil ehrt kleinen Ludwig“ (Lokalteil):

In einer Zeit, in der wir über KI, Raumfahrt und die Gleichberechtigung in allen Lebensbereichen diskutieren, erlebe ich in unserer Region immer wieder Rituale, die mich fassungslos zurücklassen. Ich spreche von dem „Brauch“, bei der Geburt einer Tochter Blechbüchsen am Haus aufzuhängen und den Vater als „Büchsenmacher“ zu verspotten. Es ist erschreckend, wie tief dieser versteckte Sexismus als „Gaudi“ getarnt in unseren Köpfen steckt.

Während die Geburt eines Sohnes mit meterlangen Weisertwecken als freudiges Ereignis und „Stammhalter-Sieg“ gefeiert wird, markiert man das neugeborene Mädchen durch den Büchsen-Spott als minderwertiges Ergebnis oder gar als „Versagen“ des Vaters. Was hier passiert, ist eine öffentliche Abwertung des weiblichen Geschlechts ab der ersten Lebenssekunde.

Wir reproduzieren hier Denkmuster aus der Bronzezeit, in denen Frauen nur als „Mängelwesen“ galten, weil sie den Hof nicht im klassischen Sinne „erben“ konnten. Forschungsergebnisse zeigen deutlich, dass es in der Menschheitsgeschichte Zeiten gab, in denen das Weibliche als schöpferisch und heilig verehrt wurde. Dass wir im 21. Jahrhundert gelandet sind und neugeborene Mädchen mit Blechschrott „begrüßen“, ist kein Zeichen von Heimatliebe, sondern ein Zeichen von kulturellem Stillstand.

Wann hören wir endlich auf, unsere Töchter mit einem „Witz“ auf dieser Welt willkommen zu heißen? Tradition ist die Weitergabe des Feuers, nicht die Anbetung der Asche – und dieser Aschehaufen an Frauenfeindlichkeit gehört endlich entsorgt.

Gudrun Baumann-Sturm

Raubling

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