Standing Ovations für Andi März

von Redaktion

Die Amtszeit von Oberbürgermeister Andreas März ist offiziell beendet. Nach sechs Jahren übergibt der CSU-Politiker seinen Posten. Vor der offiziellen Verabschiedung im Kultur- und Kongresszentrum gab es einen emotionalen Abschied im Stadtrat.

Rosenheim – Eigentlich war der offizielle Teil schon längst vorbei. Taschen wurden gepackt, Unterlagen zusammengesammelt. Dann ergriff Robert Multrus noch einmal das Wort. Auch für den Fraktionsvorsitzenden der Freien Wähler/UP war es an diesem Mittwoch die letzte Stadtratssitzung. Nach drei Legislaturperioden entschied sich der Politiker bereits vor Monaten dazu, sich nicht noch einmal aufstellen zu lassen. Er räusperte sich, dann bedankte er sich bei dem Gremium. Man sei sich nicht immer einig gewesen, trotzdem sei es immer sachlich zugegangen. Über der Gürtellinie. Miteinander.

Vom unpersönlichen
Sie zum Du

Keine Selbstverständlichkeit in einem politischen Gremium. Und doch sei es gelungen. Einer, der dazu maßgeblich beigetragen habe, sei Oberbürgermeister Andreas März gewesen. Der schaute sichtlich überrascht, als Multrus das Wort an ihn direkt richtete. Vor der letzten Sitzung sei er darum gebeten worden, einige Worte an den Rathauschef zu richten. Im Namen aller. Er wechselte von März zu Andreas. Vom unpersönlichen Sie zum persönlichen Du. Noch gut erinnere sich Multrus an den Abend vor sieben Jahren. Kurz nach der Mitgliederversammlung der Feuerwehr sei das gewesen, als die beiden Männer sich entschlossen, noch kurz etwas essen zu gehen. „So spät hatte in Rosenheim aber nichts mehr offen, deshalb sind wir bei McDonald’s gelandet“, sagte Multrus. Lacher im Sitzungssaal. Bei Burgern und Pommes war es also, als Andreas März ihm eröffnete, dass er Oberbürgermeister werden möchte.

„Für mich war damals schon klar, dass er der Beste aus seiner Partei für dieses Amt ist“, sagte Multrus. Sechs Jahre später habe sich an dieser Meinung nichts geändert. März habe sich in der vergangenen Legislaturperiode immer hinter die Verwaltung gestellt, aber sich nicht versteckt. Er sei stets erreichbar gewesen, habe sich rund um die Uhr als Oberbürgermeister von Rosenheim gesehen. „Du hast immer die Ansicht vertreten, dass du für alles, was in Rosenheim passiert, verantwortlich bist“, sagte Multrus.

Fair sei er gewesen. Gegenüber dem Gremium, aber auch gegenüber seiner Verwaltung. „Man konnte mit dir immer über alles reden“, sagte der Fraktionschef der Freien Wähler/UP. März habe dem Gremium gezeigt, dass der Stadtrat und die Verwaltung nicht gegeneinander arbeiten. „Das Miteinander hast du vorgelebt“, sagte er. Dass der Wähler all das nicht gesehen habe, sei hart. „Das müssen wir hinnehmen“, fügte er hinzu.

Was dann folgte, raubte Andreas März den Atem. Die Stadträte erhoben sich. Klatschten. Minutenlang. „Darauf war ich überhaupt nicht vorbereitet“, sagte März schließlich. Er bedankte sich mit ruhiger Stimme für die „spannenden, interessanten und unterhaltsamen Jahre“.

Vor sechs Jahren, am 1. Mai 2020, sei er in das Rathaus eingezogen, mit der Überzeugung, dass man zu jedem Zeitpunkt des Amtes Oberbürgermeister der Stadt ist. Bei angenehmen Themen, aber eben auch dann, wenn es unangenehm wird. „Man ist für alles verantwortlich, was im Rathaus passiert“, sagt er. Viele gute Dinge seien in den vergangenen sechs Jahren passiert. In dieser Zeit habe er sich zur Aufgabe gemacht, mit jedem zu sprechen. „Beim Reden kommen die Leute zusammen“, sagte März. Er erinnerte an die ersten anderthalb Jahre. Die Corona-Zeit, in der er hauptsächlich mit dem Krisenmanagement beschäftigt war. Gemeinsam habe man es auch aus dieser Krise geschafft. An diesem Miteinander habe sich in seiner gesamten Legislaturperiode nichts geändert. Immer im Fokus hätten die Interessen der Bürger gestanden. Er selbst habe sich als Mitarbeiter seiner Verwaltung gefühlt. Eine Einstellung, „mit der er gut gefahren ist“.

Braucht Verbindlichkeit
und Glück im Leben

„Wir haben viel bewegt, viel beschlossen und einiges umgesetzt“, sagte er. Der Stadt und den Menschen, die in ihr leben, gehe es gut. Er plädierte dafür, sich nicht immer von Panik und Hektik treiben zu lassen. Stattdessen brauche es Verbindlichkeit – und etwas Glück im Leben. „Aber manchmal hat man eben Pech“, sagte er.

Die offizielle Verabschiedung des Oberbürgermeisters und langjähriger Stadträte fand am Donnerstag im Kultur- und Kongresszentrum statt. Ein ausführlicher Bericht folgt.

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