Rosenheim – Tauben gehören in Rosenheim zum Stadtbild. Ob man will oder nicht. Während die einen von einer Plage sprechen, haben es sich andere zur Mission gemacht, die gurrenden Vögel rund um die Uhr mit Futter zu versorgen. Mal sind es Brotkrümel, mal Überbleibsel vom Mittagessen, mal eine Tüte Chips.
„Wenn man die Menschen dann darauf aufmerksam macht, dass Taubenfüttern verboten ist, werden sie fast gewalttätig“, sagte Dr. Wolfgang Bergmüller, Fraktionsvorsitzender der CSU, während der jüngsten Sitzung des Ausschusses für Umwelt, Energie und Klimaschutz. Und doch muss etwas passieren. Darüber waren sich an diesem Nachmittag alle Stadträte einig.
Blick nach
Augsburg
Wie viele Tauben in Rosenheim leben, weiß niemand so genau. Nur, dass es zu viele sind, hört man immer wieder. Das ist einer der Gründe, warum sich die SPD in einem Antrag dafür eingesetzt hat, dass weitere Taubenschläge im Stadtgebiet errichtet werden, um die Population einigermaßen in den Griff zu bekommen. Die Idee dazu kommt aus Augsburg. Dort wurden die Tauben bis Mitte 1995 abgeschossen. Weil sich verschiedene Tierschutzorganisationen gegen dieses Vorgehen aussprachen, entstand die Idee, Taubenschläge zu errichten, in denen die Gelege durch Eier-Attrappen ersetzt werden. Außerdem werden die Taubentürme und Taubenschläge regelmäßig gesäubert und desinfiziert. Der in den Türmen und Schlägen gebundene Taubenkot – circa fünf Tonnen pro Jahr – entlastet das Stadtgebiet. In Rosenheim gibt es seit 2012 ein solches Taubenhaus. Es befindet sich auf dem Dach des Parkhauses P4 in der Stollstraße. Ein Taubenwart kümmert sich seitdem um die Tiere. Er versorgt sie mit Futter und frischem Wasser, säubert die Anlage und tauscht die Eier gegen Gipseier aus.
„Nach anfänglich verhaltener Akzeptanz fanden sich nach und nach mehr Tauben zur regelmäßigen Fütterung und später auch zum Aufenthalt und zur Brut ein“, heißt es aus dem Umwelt- und Grünflächenamt.
Aktuell sind in dem Taubenhaus rund 30 Tauben zu Hause, durchschnittlich sind zwischen zehn und 20 Eier vorhanden. „Es werden nicht alle Eier durch Gipseier ersetzt, da bei dauerhaft ausbleibendem Bruterfolg die Akzeptanz des Taubenhauses deutlich sinkt“, teilte die Verwaltung mit. Schwankungen bei der Anzahl der Vögel im Taubenschlag habe es nur dann gegeben, wenn der Marder vor Ort gewesen sei oder aber jemand randaliert habe. Beides komme eher selten vor.
Der Wunsch der SPD ist also nun, weitere solcher Taubenhäuser in der Stadt zu errichten. Doch genau hier fangen die Probleme an. „Um die Population an Stadttauben im Stadtgebiet spürbar zu reduzieren, wären viele betreute Taubenhäuser erforderlich“, hieß es während der Sitzung. Bereits bei der Standortsuche für das erste Rosenheimer Taubenhaus habe es jedoch das Problem gegeben, dass private Hausbesitzer nicht bereit waren, ihre Dächer zur Verfügung zu stellen. Denn nicht nur müssen die Häuser für den Taubenwart gefahrlos begehbar sein, auch die Verkotung ist ein Problem.
Würde man davon ausgehen, dass in Rosenheim rund 1500 Tauben leben, wären also knapp 50 Taubenschläge notwendig. „Es stellt sich die Frage, wie realistisch es ist, so viele Standorte zu generieren, dass die Auswirkungen auf die Population spürbar werden“, lautete das Fazit aus dem Umwelt- und Grünflächenamt. Zumal auch dann nicht gewährleistet wäre, dass die Vögel die Taubenschläge tatsächlich annehmen.
„Niemand will heutzutage einen Taubenschlag am Haus haben“, sagte CSU-Stadträtin Maria Bichler während der Sitzung. Zumal sich der Aufwand nicht auszahle. Stattdessen regte sie an, über andere Möglichkeiten nachzudenken, wie der Bestand dezimiert werden könnte. Doch die Optionen scheinen begrenzt. So wurde beispielsweise 2012 im Turm der Nikolauskirche ein Falken-Nistkasten mit Webcam eingerichtet, mit dem Ziel, dass die Falken die Tauben in der Innenstadt vergrämen.
Tatsächlich hatten sich von 2017 bis 2022 Wanderfalken angesiedelt und auch erfolgreich gebrütet. „Wanderfalken jagen Tauben, ein spürbarer Effekt auf die Stadttaubenpopulation war jedoch nicht erkennbar“, heißt es dazu aus dem Rathaus.
Die Wanderfalken sind mittlerweile wieder weitergezogen. Stattdessen haben jetzt Turmfalken die Nistkästen bezogen. „Diese sind kein natürlicher Feind der Tauben“, sagt die Verwaltung. Bichler erinnerte während der Sitzung daran, dass einige Jahre lang auch auf die sogenannte Taubenpille gesetzt wurde. Dabei handelt es sich um ein Verhütungsmittel für Tauben. Sie sieht aus wie normale Körner, enthält jedoch einen Wirkstoff, der die Tiere für sieben Wochen lang unfruchtbar macht. Größtes Problem ist dabei allerdings die kontrollierte Dosierung. Die Methode sei also nicht nur mit hohen Kosten, sondern auch mit einem erheblichen Aufwand verbunden. Durchgesetzt hat sich die Pille also nicht.
Viele Möglichkeiten also scheint es nicht zu geben. Tatenlos herumsitzen wollen die Rosenheimer Stadträte aber auch nicht. Auch wenn sie sich während der Sitzung gegen die Errichtung weiterer Taubenschläge aussprachen.
Taubenfütterer auf
frischer Tat ertappen
So soll es zumindest gelingen, die Menschen vom Taubenfüttern abzuhalten. Hilfreich könnten zusätzliche Schilder sein. „Gelegentlich gibt es Anzeigen. Meistens ist dann aber nur noch das Futter da und die Menschen weg“, heißt es aus dem Umwelt- und Grünflächenamt. Dass Taubenfütterer auf frischer Tat ertappt werden, sei also eher selten. Tauben werden also wohl auch weiterhin zum Rosenheimer Stadtbild dazugehören. Die einen wird es freuen, die anderen ärgern.