Emotionaler Abschied: März verlässt die Bühne

von Redaktion

Sechs Jahre lang stand Andreas März (CSU) an der Spitze von Rosenheim. Nach seiner Wahlniederlage nutzte er die feierliche Verabschiedung im Kultur- und Kongresszentrum für eine letzte Bilanz seiner Amtszeit, in der er auf Höhen und Tiefen zurückblickte.

Rosenheim – Es war sein letzter großer Auftritt: Um kurz nach 18.30 Uhr betrat Andreas März gemeinsam mit seiner Frau Andrea das Foyer des Kultur- und Kongresszentrums. Er begrüßte die Kollegen aus der Verwaltung, Stadträte, mit denen er in den vergangenen Jahren eng zusammengearbeitet hatte, und ehemalige Kollegen, die der Einladung gefolgt waren. Es gab Umarmungen, einige ernste Gespräche. Hin und wieder wurde gelacht. Und doch war die Stimmung gedrückt.

Denn alles drehte sich an diesem Abend um den Abschied. Nicht nur von zahlreichen langjährigen Stadträten, sondern eben auch von Andreas März.

Ein letztes Mal die
Amtskette getragen

Sechs Jahre lang stand er an der Spitze, in der Stichwahl unterlag er seinem Herausforderer Abuzar Erdogan. Während die Anwesenden also ihre Plätze einnahmen und sich eilig ein paar Bissen von der Vorspeise in den Mund schoben, bereitete sich März auf seine letzte Rede als Oberbürgermeister vor.

Ein letztes Mal legte ihm Gertraud Pfaffeneder, Leiterin des Hauptamts, die Amtskette um. Er drückte die Hand seiner Frau Andrea, dann ergriff er das Wort. „Es ist eine gute Tradition, zum Ende der Wahlperiode zusammenzukommen und diejenigen zu verabschieden, die in der Zukunft dem Stadtratsgremium nicht mehr angehören werden“, sagte März. Gleichzeitig sei es die letzte Gelegenheit für ihn, sich zu bedanken, für die „konstruktive Zusammenarbeit“ und den „Umgang oberhalb der Gürtellinie“.

Miteinander im Gremium
nicht selbstverständlich

Der Umgang der Mitglieder des Gremiums miteinander sei keinesfalls selbstverständlich. „Wir wollten alle das Beste für unsere Stadt und die Bürger unserer Stadt. Das hat uns in den vergangenen sechs Jahren geeint“, sagte März. Zwar sei man sich nicht immer einig gewesen, manchmal habe es kaum Schnittmengen gegeben, und dennoch sei der Umgang stets professionell und anständig gewesen. „Das zeichnet uns aus, und darauf können wir uns alle etwas einbilden“, sagte März.

Zumal er durch seine Arbeit als Mitglied des Hauptausschusses des Deutschen Städtetages weiß, dass es anderswo nicht so läuft. Ruppiger gehe es da zu. Mehr gegeneinander. Weniger miteinander. „Ich wünsche denjenigen, die zukünftig Verantwortung für unsere Stadt übernehmen, dass sie auch weiterhin das Beste für die Menschen in unserer Stadt wollen“, sagte März. Ziel müsse immer sein, dass möglichst viele Menschen sagen, dass Rosenheim ihre Stadt ist. Ihre Heimat.

Wie es für ihn selbst weitergeht, dazu sagte Andreas März auch an diesem Abend nichts. Bereits vor einigen Wochen hatte er bekannt gegeben, dass er sein Mandat im Stadtrat nicht annimmt. „Wenn nicht ausreichend viele Menschen von den Ideen, Überzeugungen und der geleisteten Arbeit überzeugt sind, dann ist es nur folgerichtig, anderen die Verantwortung zu überlassen und den Weg frei zu machen“, sagte er.

Es ist eine Entscheidung, die er für die Stadt getroffen hat. Nicht für sich. Nicht für seine Fraktion. Sondern für die Rosenheimer, die sich eben nicht für ihn als Stadtoberhaupt entschieden haben. Sondern für Abuzar Erdogan. Auch er nahm an diesem Abend an der Verabschiedung teil. Viel hatten die beiden Männer in den vergangenen Wochen nicht miteinander zu tun. So zumindest heißt es aus gut unterrichteten Kreisen.

Bei der Veranstaltung im Kultur- und Kongresszentrum schüttelten sich die beiden kurz die Hände. Sie tauschten einige Sätze aus. Dann verließ März gemeinsam mit seiner Frau das Kultur- und Kongresszentrum. Lange bevor überhaupt die Hauptspeise serviert wurde. Er machte den Weg frei. Für seinen Nachfolger. Für die nächsten sechs Jahre.

Und doch gab es auch an diesem Abend Standing Ovations für Andreas März. Es gab viel Lob für seine Arbeit. Und auch er nutzte die Zeit, auf das Erreichte zu blicken. Seine Gedanken zu teilen. Über seine Arbeit. Das Amt. „Meine Haltung war es immer, nicht mit Gewalt Mehrheiten zu organisieren, sondern Widerstände zu minimieren“, sagte er. Jeder habe in den vergangenen sechs Jahren seine Vorstellungen und Ideen einbringen dürfen.

Dass all das funktioniert hat, davon ist er überzeugt. „Rosenheim steht wirtschaftlich stark da. Der soziale Zusammenhalt ist enorm stabil“, sagte März. Er sei enttäuscht, dass er aus dem Amt ausscheide. Aber nicht bitter. „Es war mir eine Ehre und ein Vergnügen, dass ich sechs Jahre lang Oberbürgermeister meiner Heimatstadt sein durfte“, sagte er. Er sei immer mit Begeisterung dabei gewesen. „Ich habe es geschafft, dass der Andreas März den Oberbürgermeister geprägt hat, nicht der Oberbürgermeister den Andreas März.“

Dass der Weg des Andreas März kein gewöhnlicher sei, unterstrich auch Daniel Artmann, Zweiter Bürgermeister der Stadt. „Du bist ein Rosenheimer, der vor sechs Jahren gesagt hat: Das ist meine Stadt. Für die will ich Verantwortung übernehmen“, sagte Artmann. Keine Politlaufbahn. Kein Karriereplan auf dem Reißbrett. Kein langer Marsch durch politische Institutionen. Nur ein Kindheitstraum, der 2020 wahr wurde. „Du hast das Amt des Oberbürgermeisters nie als Funktion begriffen, die man ausfüllt, weil man es gelernt hat, sondern als Auftrag, dem man mit Haltung begegnet.“

März habe das Amt auf eine Weise geprägt, die Rosenheim so vorher nicht kannte. Viele Bürger und Mitarbeiter der Verwaltung hätten diese Art und Weise geschätzt. Er habe Verantwortung übernommen. Für alles, was in Rosenheim passiert ist. „Du hast den Dialog gesucht, zugehört und abgewogen. Und du hast einen verbindenden Ton etabliert, der deine gesamte Amtszeit prägen sollte“, sagte Artmann. März habe einen „freundlichen und wertschätzenden Umgang vorgelebt“.

Entscheidungen
auch korrigiert

Er habe sich vor die Verwaltung gestellt, Entscheidungen getroffen, wo andere gezögert hätten, und die Größe besessen, Entscheidungen zu korrigieren. „Das Wohl unserer Stadt hast du stets über Einzelinteressen gestellt.“ Mutig sei er, empathisch. Mit einem guten Durchhaltevermögen. „Dass der Wähler am Ende anders entschieden hat, ändert nichts an dem, was du für Rosenheim geleistet hast“, sagte Artmann.

März sei kein „abgezockter Polit-Profi“. Vielmehr sei er ein Rosenheimer, der mit Herz und Überzeugung für seine Heimatstadt gekämpft habe. „Genau das hat dich zu einem Oberbürgermeister gemacht, den diese Stadt so schnell nicht vergessen wird.“

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