Rosenheim – „Rosenheimer Zeitsprünge“ heißt die regelmäßig erscheinende Serie der OVB-Heimatzeitungen, von OVB online und der 24er-Portale. Was dürfen Leser und User von der Serie erwarten? Auf alle Fälle tolle Bilder aus den letzten Jahrzehnten, die sich mit einem Vorher-Nachher-Schieberegler in die Gegenwart verwandeln und sich mit einem Klick auch vergrößern lassen.
Ochsenrennen, eine Kult-Diskothek mit besonderem Flair und ein Jahrhundert-Hochwasser haben Aising, Aisingerwies und Oberwöhr geprägt: Die drei Rosenheimer Stadtteile haben alle ihre eigenen Geschichten. 1910 zählte die Gemeinde Aising 716 Einwohner, 1938 waren es bereits 1.527. Mehr als die Hälfte davon lebte damals in den Siedlungen Aisinger Landstraße, Aisingerwies und Oberwöhr. Am 1. Mai 1978 wurde die Gemeinde Aising mit ihren inzwischen 5.888 Einwohnern im Zug der bayerischen Gemeindegebietsreform in die Stadt Rosenheim eingegliedert.
778 erstmals
urkundlich erwähnt
Aising ist bereits im Jahr 778 als Agusinga zum ersten Mal urkundlich erwähnt. Im Mittelalter und in der Frühen Neuzeit entwickelte sich Aising zu einem großen Haufendorf mit zahlreichen bäuerlichen Anwesen. Die Mangfallbrücke an der Kufsteiner Straße bildete die Grenze zwischen Aising und Rosenheim. Mittelpunkt der Gemeinde war damals der Gasthof „Zum Alten Wirt“ am südlichen Ortsrand. Der „Alte Wirt“ war ein stattliches Gasthaus mit einer prägnanten Fassade aus Sichtziegel- und Bruchsteinmauerwerk.
Aising war zudem früher die Hochburg für Ochsenrennen. Bis zu 15.000 Zuschauer kamen, um gegenüber vom „Alten Wirt“ die Ochsen „Wüstenbrüller“, „Jaroslav“, „Max“ und Co. zu sehen. Das Spektakel aus den 1960er-Jahren war ein Großereignis, das Aising überregional bekannt machte. Nachdem der „Alte Wirt“ lange Zeit leer stand, wurde der Gasthof 2025 trotz einer Bürgerinitiative abgerissen. Das gleiche Schicksal ereilte bereits viele Jahre vorher das Gasthaus Kalteck, in dem in den 1980er- und 1990er-Jahren die Diskothek „Peppermint” hauptsächlich Anhänger der Rockmusik anlockte. Lieblingsgetränk der Gäste: Im Stehen ein oder mehrere Pils aus der Flasche. Dazu gab es die besten Rocksongs aus der damaligen Zeit, aufgelegt von Disco-Besitzer und DJ Said. Das Gebäude an der Ecke Miesbacher Straße/Aisinger Straße wurde beim Bau der Umgehungsstraße Panorama-Schwaig abgerissen.
Disco Peppermint musste
Umgehung weichen
Diese Umgehungsstraße ging als eines der umstrittensten Verkehrsprojekte in die Geschichte ein. Die Planungsphase für eine Entlastungsstraße zog sich jahrelang hin, bis eine Mehrheit im Stadtrat in der Sitzung vom 14. Februar 1996 entschied, die Querspange zu bauen. Mit der denkbar knappsten Mehrheit von 21 zu 20 Stimmen wurde beschlossen, ein Planfeststellungsverfahren einzuleiten. Den Ausschlag gab bei Stimmengleichheit die befürwortende Stimme vom damaligen Oberbürgermeister Dr. Michael Stöcker.
Nicht betroffen von einem möglichen Abriss war dagegen das Café Waldeck in der Aisingerwies. Stolz warb der Gastwirt Julius Seiffert im März 1913 mit einer Annonce im „Rosenheimer Anzeiger“ für den Besuch seines neu eröffneten Cafés am südlichen Stadtrand. Schon 1918, fünf Jahre nach der Eröffnung des Cafés Waldeck, entschlossen sich Julius und Maria Seiffert, wieder in den Rosenheimer Stadtkern zurückzukehren, um in der Münchener Straße den Gasthof „Zur Eisenbahn“ zu übernehmen. Neuer Besitzer des Cafés in der Aisingerwies wurde 1921 Franz Baumgartner. In den 1920er-Jahren wurde in der Aisingerwies verstärkt gebaut. Das Café Waldeck wurde zum gesellschaftlichen Mittelpunkt der neuen Siedlung. Aus dem Café Waldeck wurde im Laufe der Jahre das Gasthaus Waldeck, das um 2010 geschlossen wurde. 2012 eröffnete in den Räumen eine Filiale der Bäckerei Miedl.
Jahrhunderthochwasser
in Oberwöhr
Überregionalen Bekanntheitsgrad wie Aising durch seine Ochsenrennen erlangte auch der Stadtteil Oberwöhr – allerdings mit einem traurigen Hintergrund. Durch ein bis dahin nie dagewesenes Jahrhundert-Hochwasser im Juni 2013 samt Überflutung des gesamten Stadtteils. Das Wohngebiet im Südwesten zwischen Mangfall und Auerbach war im 19. Jahrhundert noch ein landwirtschaftlich genutztes Überschwemmungsgebiet der Mangfall. Erst durch die Mangfallregulierung bis in die 1920er-Jahre wurde das Gebiet dauerhaft besiedelbar. In den 1950er-Jahren entstand ein Wohngebiet mit Einfamilienhäusern. Auf der anderen Seite der Mangfall gab es bereits im Jahr 1901 die Gaststätte „Zum Elektrizitätswerk“. Unter dem Namen „E-Werk-Stüberl“ bekannt, wird das Gebäude heute als Bürgerhaus für die angrenzenden Stadtviertel genutzt.