Das historische Sägewerk in Nußdorf

von Redaktion

Blick in die Städtischen Sammlungen – Abschlussarbeiten der Fachschule für Holz in Rosenheim

Rosenheim – Im Holztechnischen Museum Rosenheim gibt es mehrere Modelle eines Sägewerks in Nußdorf am Inn. Sie sind das Ergebnis von Abschlussarbeiten der Fachschule für Holz in Rosenheim. Die Studenten mussten sich dafür intensiv mit diesem einzigartigen Relikt einer vergangenen Epoche auseinandersetzen.

Das Nußdorfer Sägewerk in der Dorfstraße 16 ist eines der letzten Beispiele in situ für vorindustrielle Sägetechnik. Man unterscheidet zwei Bauarten: „Venezianersägen“ und „Augsburgersägen“. Die Venezianersägen mit einem kleinen Wasserrad (Waschel genannt) und Seilzug mit Rollen für den Vorschub kamen vorwiegend südlich der Alpen und im Gebirge vor, die Augsburgersägen mit einem langsam laufenden großen Wasserrad und deshalb notwendiger Übersetzung und einem Zahnradantrieb für den Vorschub nördlich der Alpen.

Das Nußdorfer Sägewerk befindet sich im Grenzbereich der beiden Typen und hat von beiden etwas: den Waschel als Antrieb und den Zahnradantrieb für den Vorschub. Man zählt es zu den Venezianersägen.

Die Nußdorfer Säge besteht schon seit dem 15. Jahrhundert und wurde bis 1960 eingesetzt. Das Sägegatter war üblicherweise mit nur einem Sägeblatt bestückt. So lag die Tagesleistung je nach Baum- und Brettstärke bei 1-2 Stämmen. Die Kunden kamen zum „Sagmeister“ und dies wurde auch der Hausname. Im 18. Jahrhundert betrieb die Familie Hausstätter das Sägewerk und ab dem 19. Jahrhundert die Untergrubers. Der Hausname blieb für alle gleich.

Einer der Sagmeister ist in einem anderen Zusammenhang überliefert: Johann Hausstätter. Er war maßgeblich am Neubau der Klause (1716) und der Wallfahrtskirche in Kirchwald (1720) beteiligt. Denn er plante die hölzernen Gewerke und führte sie aus. Das waren der Dachstuhl und die Zwiebeltürme der Kirche sowie das Obergeschoss und der Dachstuhl der Einsiedelei mit zwei Eremitenzellen und einem Schulraum. Das Obergeschoss ist in Blockbauweise errichtet worden und weist einen aussagekräftigen Zierschrot auf: An der Giebelseite das Monogramm des Bauherrn Hieronymiten-Pater Casimir Weiß zusammen mit den christlichen Symbolen für Glaube, Liebe und Hoffnung, an der Traufseite Zimmererwerkzeug, wie Winkel und Hobel. Baumeister in Kirchwald war neben dem Sagmeister übrigens Wolfgang Dientzenhofer (1678-1747), ein Maurermeister in Au bei Bad Aibling.

In Kirchwald betreffen Johann Hausstätter (vulgo Hanns Sagmeister) außerdem zwei Votivtafeln. Am 16. Januar 1756 geriet er in einen Sturm, als er mit anderen Honoratioren nach Herrenchiemsee übersetzen wollte, um für kirchliche Bauten in Nußdorf bei der Obrigkeit vorzusprechen. Und am 7. Juli 1756 war der zweijährige Sohn Johann Paul des Sagmeisters in den Mühlbach gefallen, wurde über das Wasserrad getrieben und rund 300 Schritte abgetrieben, bis er gerettet werden konnte. Beide Unglücke hatten einen guten Ausgang.

Kirche und Einsiedelei in Kirchwald sowie das Sägewerk in Nußdorf am Inn kann man vor Ort besichtigen. Führungen dazu bietet die Ortsheimatpflege an. Wie das Sägewerk funktionierte, zeigt eindrücklich das Bewegungsmodell im Holztechnischen Museum Rosenheim.

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