Rosenheim – Kathrin Schrubar hat einen vollen Terminkalender. Die Geschäftsführerin des Rosenheimer Citymanagements und ihr Team organisieren Veranstaltungen und schmieden Pläne, wie es gelingen kann, noch mehr Rosenheimer in die Stadt zu ziehen. Im OVB-Exklusivinterview spricht sie über ihre Arbeit, vor welchen Herausforderungen ihr Verein steht und welche Ziele sie hat.
Die Innenstadt war an den vergangenen Wochenenden mehr als gut besucht. Grund waren die Veranstaltungen „Rosenheim in Bewegung“ sowie der Antik- und Trödelmarkt. Wie zufrieden sind Sie?
Sehr zufrieden. Bei „Rosenheim in Bewegung“ habe ich viele positive Rückmeldungen von Auto- und Radhändlern bekommen. Es gab sehr viele gute Gespräche. Auch die Händler, mit denen ich schon sprechen konnte, haben sich bisher nur positiv geäußert. Neu beim Antik- und Trödelmarkt in diesem Jahr war, dass er sich bis in die kleine Fußgängerzone erstreckte. So gab es noch mehr Möglichkeiten zum Stöbern.
Wie wichtig sind Veranstaltungen dieser Art für die Belebung der Rosenheimer Innenstadt?
Ich denke, es ist notwendig, regelmäßige Veranstaltungen in der Innenstadt zu haben. Sie sind eine wichtige Maßnahme für die Außenwahrnehmung. Allerdings sind sie nicht der einzige Hebel, den wir haben, um Menschen den Besuch in Rosenheim schmackhaft zu machen. Es ist mindestens genauso wichtig, kontinuierlich kleinere Sachen zu machen. Der stete Tropfen höhlt den Stein.
Gibt es da bereits konkrete Ideen?
Wir machen beispielsweise beim Innenstadt-Freitag mit. Das ist ein Zusammenschluss aus neun oberbayerischen Städten und Gemeinden. Gemeinsam werden in diesem Jahr acht Aktionstage geplant, beworben und umgesetzt. Es gibt immer ein Motto, zu dem sich alle Gemeinden verschiedene Besonderheiten überlegen, um möglichst viel Leben in die Innenstädte zu bringen und auch überregional für Aufmerksamkeit zu sorgen. Wichtig ist aber, dass auch die Einzelhändler aktiv mitmachen und in ihren Geschäften außergewöhnliche Aktionen gestalten. Aktuell sind 24 Händler Teil der Aktion. Wir hoffen, dass sich noch viele weitere anschließen.
Wie sieht so ein Innenstadt-Freitag konkret aus?
Das nächste Motto am 5. Juni lautet zum Beispiel „vielfältige Innenstadt“. Die Idee ist, einen Wettkampf mit den anderen Städten und Gemeinden zu starten: Wem gelingt es, das größte Regenbogenmosaik auf einen Platz zu malen – natürlich mit Kreide (lacht). Das Ganze begleiten wir auf Instagram. Dazu wird die Band „Oansno“ durch Rosenheim ziehen. Auch in den Geschäften wird es in Zusammenhang mit dem Projekt „Nimm Platz“ eine tolle Sonderaktion geben – dazu kann ich aber noch nicht mehr verraten.
Auf welche Aktionen können sich die Rosenheimer also freuen?
Das ist leider immer eine klare Budgetfrage. In erster Linie geht es uns darum, Rosenheim noch mehr überregional zu bewerben. Wir haben ein riesiges Einzugsgebiet, das wir aktuell nicht so bespielen, wie wir es eigentlich könnten. Rosenheim als Einkaufs- und Erlebnisstadt bekannt zu machen, ist ein Kernauftrag unseres Vereins. Darauf wollen wir in Zukunft auch den Fokus legen. Keine leichte Aufgabe, da wir auch weiterhin unsere Großveranstaltungen haben.
Besteht Grund zur Sorge, dass die bald wegfallen?
Wir müssen schauen, wie sich diese Feste finanziell stemmen lassen. Veranstaltungen wie der Antik- und Trödelmarkt oder der Streetfood-Markt werden von unseren Partnern umgesetzt und kosten uns kein Geld. Da steckt unser Verein zwar trotzdem Arbeitsstunden rein, aber es ist überschaubar. Deutlich aufwendiger ist die Organisation des Stadtfests, des Spektakels oder des Faschingstreibens. Das sind Veranstaltungen, die sehr viel Geld und Arbeitsstunden kosten. Man darf nicht vergessen: Wir sind zu dritt.
Eintritt ist keine Option?
Wenn möglich, wollen wir darauf gerne verzichten. Wir müssen uns einfach genau anschauen, wie sich diese Veranstaltungen gegenfinanzieren lassen.
Wie zufrieden sind Sie generell mit der Frequenz in der Innenstadt?
Wenn Veranstaltungen sind, bin ich zufrieden. Auch bei gutem Wetter ist recht viel los. Aber ich glaube auch, dass außerhalb von Veranstaltungstagen noch Luft nach oben ist. Zumal sich diese oftmals für Einzelhändler auch nicht rentieren.
Niemand geht beim Faschingstreiben oder beim Stadtfest zum Shoppen in die Stadt. Es geht in erster Linie um die Events. Deswegen würde ich gerne einzelne Veranstaltungen in den Stadtteilen machen, eine Art Stadtviertel-Shopping beispielsweise. Vorstellbar wäre auch ein Boutique-Shopping-Sonntag. Quasi konkrete Maßnahmen, um den Handel zu unterstützen.
Ein Thema sind die Leerstände in der Innenstadt.
Leerstände sind in Rosenheim meiner Meinung nach kein Riesenthema, trotzdem haben wir die Entwicklung im Auge. Wir wissen, wo es Leerstände in der Stadt gibt, und versuchen, mit verschiedenen Maßnahmen gegenzusteuern. Das wird zum Teil auch sehr gut angenommen. Aber wir leben in Rosenheim immer noch auf einer Insel der Glückseligen. Andere Städte sind von Leerständen deutlich stärker betroffen. Aber uns muss auch bewusst sein, dass viele Leute nicht zum Shoppen in die Stadt kommen. Dafür gibt es das Internet. Die Leute kommen in die Stadt, weil sie etwas erleben wollen. Einkaufen ist ein Nebenprodukt. Wir haben tolle Händler in der Stadt, die sich dessen bewusst sind und ihren Kunden immer versuchen, „das Besondere“ zu bieten. Ich denke, das ist der richtige Weg und wir versuchen zu unterstützen, wo wir können.
Einige hartnäckige Leerstände gibt es trotzdem.
Das liegt häufig daran, dass es sich um riesige Flächen handelt. Niemand will heute noch 400 Quadratmeter haben. Das ist ohne Frage ein Problem. Aber da können auch die Eigentümer nichts machen. Und auch von den hartnäckigen Leerständen gibt es nur einige wenige. Wirkliche Probleme in dieser Richtung haben wir in Rosenheim nicht.
Was würden Sie sich wünschen? Wenn Geld keine Rolle spielen würde?
Es wäre mir wichtig, noch mehr Aufenthaltsqualität zu schaffen. Es braucht mehr konsumfreie Plätze, die zum Verweilen einladen und Schatten spenden. Und natürlich würde ich sehr gerne viele coole Marketingaktionen machen. Aber die kosten in der Regel eben viel Geld.
Anna Heise