Das Wahrzeichen Rosenheims

von Redaktion

Rosenheimer Zeitsprünge Blick auf das Mittertor – ein echtes Multifunktionsgebäude

heute gibt es dort eine Fußgängerzone. Fotos Ziegler/Archiv Borrmann

Rosenheim – „Rosenheimer Zeitsprünge“ heißt die einmal wöchentlich erscheinende Serie der OVB-Heimatzeitungen, von OVB online und der 24er-Portale. Was darf der Leser beziehungsweise User von der Serie erwarten? Auf alle Fälle tolle Bilder aus den letzten Jahrzehnten, die sich mit einem Vorher/Nachher-Schieberegler in die Gegenwart verwandeln und mit einem Klick auch vergrößern lassen.

Hat Rosenheim wie Pisa einen schiefen Turm? Diese Frage stellt sich, wenn man vom Max-Josephs-Platz auf das Rosenheimer Wahrzeichen, das Mittertor, zugeht. Die „Schieflage“ des Gebäudes ist auf alle Fälle deutlich zu sehen und hat auch einen relativ einfachen Grund.

Das einzig
erhaltene Stadttor

Das Mittertor ist eines der markantesten historischen Bauwerke in der Stadt – und tatsächlich ein kleines „Zeitzeugnis“ für mehrere Jahrhunderte Stadtgeschichte. Das Mittertor stammt im Kern aus dem 14. Jahrhundert und war ursprünglich das Osttor des mittelalterlichen Marktes. Es ist heute das einzige erhaltene Stadttor Rosenheims. Es verband und trennt bis heute den Max-Josefs-Platz (innerer Markt) und den Ludwigsplatz (äußerer Markt).

Der Name „Mittertor“ entstand erst, als die Stadt erweitert wurde – plötzlich lag das Tor „in der Mitte“ zwischen zwei Marktbereichen. Beim großen Stadtbrand 1641 wurde das Bauwerk weitgehend zerstört. Danach folgte der Wiederaufbau in der heutigen Form, inklusive des charakteristischen Zwiebelturms. Das heutige Erscheinungsbild ist also im Grunde ein Produkt des 17. Jahrhunderts, obwohl die Basis älter ist.

Das Mittertor war nie „nur ein Tor“, sondern ein echtes Multifunktionsgebäude: Von 1444 bis 1759 war das Tor eine Zollstation – hier wurde der sogenannte Pflasterzoll erhoben. Im Mittelalter war das Mittertor ein stark überwachter Ort. Händler mussten hier anhalten und zahlen. Diese Regelung galt bis 1759. Erst danach verzichtete man auf diese städtische Abgabe.

Außerdem war das Mittertor die Brotverkaufsstelle („Brotbank“) der Bäcker. Im Gegensatz zu heute konnte man früher das Brot nicht direkt im Bäckerladen kaufen. Die Bäcker mussten vielmehr ihre Backwaren auf der Brotbank abliefern. Dort wurde das Brot auf Güte und Gewicht geprüft und anschließend an die Bürger verkauft. Bis 1944 war die Polizeiwache im Mittertor und seit 1895 ist hier das Städtische Museum Rosenheim mit rund 5.000 Objekten beheimatet.

Das Gebäude ist zwar alt, aber seine größten „Probleme“ sind relativ modern: Das Tor steht auf Holzpfählen im Untergrund und wurde gewissermaßen auf einer Art aufgeschütteter Insel im Stadtbach errichtet. Durch Absenkung des Grundwassers, hauptsächlich im 19. und 20. Jahrhundert, trockneten diese Pfähle teilweise aus und verloren an Stabilität. Die Folge: Leichte Schieflage und Setzungen des Gebäudes. Es wurden zunehmende Risse im Mauerwerk festgestellt. Das Mittertor ist sanierungsbedürftig. Wie die OVB-Heimatzeitungen berichteten, hätten die Arbeiten für die Sanierung des Mittertors 2020 beginnen müssen. Die Schäden am Bauwerk, über dem das Städtische Museum liegt, fallen deutlich ins Auge.

Schon 2017 brodelte in der Stadt die Gerüchteküche. Neigt sich das Mittertor? Droht es sogar zu kippen? Gibt es nicht nur den „schiefen Turm von Pisa“, sondern auch den „schiefen Turm von Rosenheim“? Es folgten statische Untersuchungen. Danach wurde Entwarnung gegeben. Eine Einsturzgefahr bestehe nicht. Aber es herrscht kein Zweifel darüber, dass das Rosenheimer Mittertor dringend saniert werden muss. 2021 hieß es, dass die Sanierung des Städtischen Museums nicht vor 2026 beginnt. Das Mittertor ist von außen schon spannend, aber innen steckt noch deutlich mehr Geschichte drin. Im Mittertor befindet sich das Städtische Museum. Hier wird unter anderem die Stadtgeschichte Rosenheims von der Entwicklung vom kleinen Markt zur heutigen Stadt mit Karten, Modellen und Alltagsgegenständen gezeigt. Was das Museum besonders macht: Es ist im Originalgebäude untergebracht. Die Besucher bewegen sich durch Räume, die selbst Teil der Geschichte sind.

Hinweise auf Brände
und zahlreiche Umbauten

Wer vor dem Mittertor steht, sieht deutlich: Es gibt eine leichte Schieflage. Das Gebäude wirkt „nicht ganz gerade“. Das liegt wie bereits erwähnt an den alten Holzpfählen im Fundament, die sich über die Zeit verändert haben. Von der Mitte des Max-Josephs-Platzes fällt die Schieflage am ehesten auf. Für heutige Verhältnisse wirkt das Tor relativ schmal. Das zeigt, wie sehr sich Verkehr und Stadtgröße verändert haben. Das Mittertor ist nicht nur ein hübsches Fotomotiv, sondern es bietet innen eine kompakte, authentische Stadtgeschichte und außen gibt es viele kleine Hinweise auf Brände, Umbauten und jahrhundertelange Nutzung.

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