Galeria erneut in Schieflage

von Redaktion

Die Hiobsbotschaften rund um den Galeria-Konzern reißen nicht ab: Jetzt wurde bekannt, dass die Warenhauskette offenbar Probleme hat, ihre Miete zu zahlen. Für viele Städte ein Warnsignal. Über die Lage in Rosenheim – und wie Experten die Situation einschätzen.

Rosenheim – Die Lage ist ernst. Mal wieder. Mehreren Medienberichten zufolge, befindet sich Galeria erneut in finanzieller Schieflage. Die Warenhauskette muss wohl bei Vermietern um Stundung bitten. Laut einem Bericht der „Immobilien Zeitung“ beklagen mehrere Vermieter, dass Mietzahlungen für April ausgeblieben sind. Welche Filialen konkret betroffen sind, geht aus dem Bericht nicht hervor.

Umsatzeinbruch von
über 17 Prozent

Rosenheim bringt keine neuen Erkenntnisse. Auf die Anfrage, ob auch in Rosenheim die Vermieter um eine Stundung der Mietzahlungen gebeten wurden und wie die derzeitige Stimmung in der Filiale ist, kommt lediglich ein Einzeiler zurück. „Bitte haben Sie Verständnis dafür, dass wir zu laufenden Gesprächen und Verhandlungen mit unseren Vertragspartnern keine Auskunft geben“, teilt eine Sprecherin der Warenhauskette auf Anfrage mit.

Experten scheinen von der neuen finanziellen Schieflage des Konzerns jedenfalls nicht überrascht zu sein. „Die Signale waren eindeutig: ein enttäuschendes Weihnachtsgeschäft 2025, Umsatzeinbrüche von über 17 Prozent zum Jahresbeginn 2026, bröckelndes Vertrauen bei Vermietern und Lieferanten. Wer das verfolgt hat, wusste: Es ist nur eine Frage der Zeit“, sagt Johannes Berentzen, Geschäftsführer der BBE Handelsberatung. Die strukturellen Probleme wurden nach der letzten Insolvenz seiner Meinung nach nicht gelöst, sondern lediglich vertagt.

Kein Zeichen
von Stärke

Dass es jetzt zu weiteren Schließungen kommen könnte, hält der Experte für realistisch. „Mietstundungen sind kein Zeichen von Stärke. Wenn Vermieter das Vertrauen verlieren, wird die Standortfrage für jedes einzelne Haus neu gestellt“, sagt Berentzen. Für Rosenheim bedeute das: Die Unsicherheit bleibe, solange keine klare Antwort auf die Kapitalfrage komme.

Schließungen sind laut dem Geschäftsführer nur mit einem „echten Investitionskapital“ und einem „klaren Profil“ abzuwenden. Es brauche ein frisches Konzept. Wie das aussehen könnte, zeigt ein Blick auf mittelständische Warenhausbetreiber. Johannes Berentzen spricht von einer lokalen Ausrichtung, einem klaren Sortimentsprofil sowie einem echten Einkaufserlebnis.

„Galeria hat seit der letzten Insolvenz richtige Schritte gemacht: neues Management aus Handelsprofis, Mietreduzierungen, Flächenpartnerschaften mit Lidl und Decathlon. Das reicht aber nicht, wenn der Investitionsstau nicht abgebaut wird“, sagt der Experte. Dass die Menschen sich auch weiterhin Kauf- und Warenhäuser in ihrer Stadt wünschen, hat ihm zufolge die Marktforschung ergeben. Im vergangenen Herbst seien über 1.000 Innenstadtbesucher in München befragt worden, was sie sich von ihrer Innenstadt wünschen. Kauf- und Warenhäuser landeten in den Top Drei. „Das Warenhaus als Format hat Zukunft und ist keine Nostalgie“, sagt Berentzen.

Experte mit
düsterer Prognose

Das Problem von Galeria sei ein anderes, nämlich, dass es sich um ein „überdimensioniertes Modell ohne klares Wettbewerbsprofil“ handelt.

Noch härter fällt das Fazit von Martin Fassnacht aus. Er ist Professor für Strategie und Marketing an der Düsseldorfer Wirtschaftshochschule WHU. Gegenüber anderen Medien antworte er, auf die Frage, ob Galeria zukunftsfähig ist: „Ich bin sehr pessimistisch. Die Frage ist doch: Wer würde Galeria vermissen? Auf Kundenseite fast niemand.“

Galeria wird seiner Meinung nach nicht mehr gebraucht. Er sehe kein Konzept, das Galeria umsetze. Zudem würden Kunden gerade im Bereich Mode auf den Online-Handel setzen und stationäre Geschäfte meiden. „Wenn die Sehnsucht so groß wäre, würden doch viel mehr Menschen dort einkaufen. Dann wäre das Unternehmen nicht schon wieder in Schwierigkeiten“, fügt er in dem Interview hinzu.

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