Kater Karian in Happing erschossen

von Redaktion

Ein Mann aus Happing hat seinen Kater Karian mit einer Schusswunde schwer verletzt im Nachbargarten gefunden. Das Tier musste einen Tag später in einer Klinik eingeschläfert werden. Die Familie trauert, während die Polizei in dem Fall ermittelt und nach dem unbekannten Täter sucht.

Rosenheim – Plötzlich war er weg. Von einem Tag auf den anderen. Kein Schnurren oder Miauen mehr, kein Schmusen auf der Couch, kein Streichen durch das rötliche Fell und kein Toben mehr im Wohnzimmer. „Er fehlt einfach, er hat die Familie sehr bereichert und bei uns Leben reingebracht“, sagt der Mann aus Happing. Er möchte – zur Sicherheit der Familie – anonym bleiben. Das, was seinem Kater Karian angetan wurde, will der 39-Jährige dennoch erzählen. Auch, damit derjenige, der dahintersteckt, schnell geschnappt wird.

Apathisch unter
Busch gekauert

Dass etwas nicht stimmt, sei spätestens am vergangenen Montagmorgen klar gewesen. „Karian ist die ganze Nacht nicht heimgekommen“, sagt der Mann aus Happing. Das sei ungewöhnlich für die zehn Monate alte Katze mit dem rötlichen Fell gewesen. „Er bewegt sich sonst immer in einem 300 oder 400 Meter Radius ums Haus, kommt mindestens dreimal am Tag zum Fressen vorbei“, sagt der Mann am Telefon. Auch sonst werde der Kater immer wieder mal gesehen, wenn er durch die Gärten streift. „Das ist ein reines Wohngebiet, sonst ist da nichts“, sagt der Mann.

Seit Sonntagabend gegen 19 Uhr fehlte aber jede Spur von der Katze. Da Karian einen AirTag – Tracker zur ungefähren Ortung – um den Hals trug, machte sich der 39-jährige Happinger in der Früh auf die Suche. Das erste Indiz fand er draußen in seinem Katzenkörbchen. Dort sei Blut gewesen. „Da wusste ich schon, dass etwas passiert sein muss.“ Kurze Zeit später konnte er den Tracker im Nachbargarten orten. Die Katze hatte sich unter einem Busch verkrochen. Zusammengekauert, ganz apathisch, habe er da gelegen. Die rechte Pfote voller Blut, auch im Fell hätten sich schon dunkle Flecken gebildet. „Es sah so aus, als ob die Pfote gebrochen war, die hing komplett durch“, sagt der Mann. Seine erste Vermutung: Karian musste von einem Auto angefahren worden sein. Der 39-Jährige rief sofort die Tierärztin an, die ihn zusammen mit dem Kater in eine Notfallklinik nach Kufstein schickte.

In der Klinik habe der Kater zunächst Schmerzmittel bekommen und sei an „den Tropf“ gekommen. Die Operation sei für den nächsten Tag geplant gewesen. „Sie wollten ihm die ganzen Untersuchungen nicht gleich antun, weil er so starke Schmerzen hatte“, sagt der Happinger. Schweren Herzens habe er Karian in Kufstein gelassen und zuhause auf den Anruf gewartet. Der folgte am Dienstag (12. Mai) – mit einer Schocknachricht.

Der Kater sei nicht mehr zu retten, die Verletzungen seien zu schwer und er müsse eingeschläfert werden. „Sie haben uns gesagt, dass sie ihn nicht mehr operieren können, da mehrere Metallsplitter wichtige Organe durchdrungen haben“, erzählt der 39-Jährige. Auf die Frage, wie das sein könne, bekam er die Antwort: „Bei der Untersuchung stellte sich heraus, dass der junge Kater angeschossen wurde.“ So wird es später auch im Arztbrief stehen, welcher der Redaktion vorliegt.

Die Verletzung an der rechten Vorderpfote stellte sich als Eintrittswunde heraus, vermutlich hat jemand „frontal auf Karian geschossen“, glaubt der 39-Jährige. „Der Oberarm wurde zersplittert. Bedauerlicherweise tunnelierte ein Projektil die Haut und drang durch die hintere Brustwand in den Bauch ein“, teilt die Kufsteiner Klinik weiter mit. Dort durchschlug das Projektil die Leber, den Magen und an zwei Stellen den Dünndarm. Karian habe keine Chance gehabt. Inzwischen hat der Mann aus Happing die Rosenheimer Polizei eingeschaltet. Die kann bestätigen, dass der Kater angeschossen wurde. „Derzeit ist noch nicht klar, um welche Schusswaffe es genau gehandelt hat“, sagt Hauptkommissar Robert Maurer. Das müssten jetzt die Ermittlungen zeigen. Allerdings muss beim Schuss eine gewisse Wucht dahintergesteckt haben, da die Knochen des Tieres zertrümmert wurden.

Bislang gebe es noch keine Spur, wer hinter dem Schuss auf Karian steckt. Im Moment wird noch gegen Unbekannt wegen des Verstoßes gegen das Tierschutzgesetz ermittelt. Es könne sich sowohl um jemanden aus der Nachbarschaft handeln als auch um jemanden, der nicht dort wohnt. Die Polizei hofft weiter auf Zeugen, die um den Tatzeitraum herum in der Albrecht-Dürer-Straße etwas Verdächtiges beobachtet haben.

„Wir befragen unter Umständen auch die zuständigen Jäger, ob sie in ihrem Gebiet Auffälligkeiten bemerkt haben und sachdienliche Hinweise geben können“, betont Maurer. Der Mann aus Happing hat sich ebenfalls Gedanken darüber gemacht, wer „so etwas macht“. „Im schlimmsten Fall war das jemand, der es genießt, Lebewesen umzubringen, oder einer, der Katzen hasst, weil sie den Garten mal als Toilette benutzen“, befürchtet der 39-Jährige.

Um dem Täter auf die Schliche zu kommen, hat er jetzt auch das Staatliche Veterinäramt Rosenheim informiert. „Das Tier wurde bei uns gekühlt abgegeben, damit die Todesursache eindeutig geklärt werden kann“, bestätigt eine Sprecherin des Landratsamtes, das für das Veterinäramt zuständig ist. Der Kater wurde nun für weitere Untersuchungen an das Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit geschickt. „Diese Schritte sind nicht die Regel“, sagt die Sprecherin. Normalerweise erhalte das Amt die Tiere nicht.

Hohe Belohnung für
Hinweise zum Täter

Für den 39-Jährigen und seine Familie ist es aber wichtig, zu wissen, was mit Karian passiert ist. Er werde auf jeden Fall alles versuchen, damit der Vorfall aufgeklärt wird. Für Hinweise, die zur Aufklärung der Tat und zur Identifizierung des Täters führen, hat die Familie eine Belohnung in Höhe von 500 Euro ausgesetzt. Die Tierrechtsorganisation Peta geht sogar noch einen Schritt weiter und hat 1.000 Euro ausgerufen.

„Die Person, die auf die Katze geschossen hat, muss schnellstmöglich ermittelt werden – bevor weitere Tiere oder womöglich auch Menschen zu Schaden kommen“, teilt Lisa Redegeld, Fachreferentin bei Peta, in einer Pressemitteilung mit.

Die Familie in Happing muss jetzt erstmal mit dem Verlust klarkommen. „Für die Kinder war das ein Drama“, sagt der 39-Jährige. Karian sei ein „Teil der Familie“ gewesen.

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