Rosenheim – Wenn in Rosenheim über Musik gesprochen wird, fällt seit Jahrzehnten ein Name fast automatisch: Musik Humbach. Das traditionsreiche Musikgeschäft in der Papinstraße feiert in diesem Jahr sein 50-jähriges Jubiläum und blickt auf eine bewegte Geschichte zurück, die eng mit der regionalen Musikszene verbunden ist. Seit der Gründung im Jahr 1976 hat sich das Unternehmen von einem kleinen Musikladen zu einer festen Institution für Musiker aller Generationen entwickelt.
Vom Rockmusiker zum
Musikladen-Gründer
Die Anfänge reichen zurück in die frühen 1970er-Jahre, als Firmengründer Otto Humbach selbst in verschiedenen Rockbands aktiv war. 1976 eröffnete schließlich der erste Musikladen in der Riederstraße. Neben Instrumenten und Noten gehörten damals auch Schallplatten zum Sortiment. Schon früh wurde klar, dass Musik Humbach weit mehr sein wollte als nur ein Geschäft: Mit einer privaten Musikschule, Schülerkonzerten und Gitarrenseminaren entstand schnell ein kultureller Treffpunkt für junge Talente aus der Region.
1983 zog das Unternehmen in größere Räume in der Münchener Straße um und firmierte fortan unter dem Namen „Musik Humbach“. Seit 2003 befindet sich das Geschäft in der heutigen Filiale in der Papinstraße. Seit 1981 ist der Betrieb frauengeführt: Im Laden berät Andrea Humbach und steht mit Rat und Tat zur Seite, im Hintergrund kümmert sich ihre Mutter Regina um Organisatorisches. Über all die Jahre hinweg blieb die Philosophie dieselbe: persönliche Beratung, Leidenschaft für Musik und die Förderung des musikalischen Nachwuchses.
Besonders prägend für die regionale Kulturlandschaft waren immer wieder die Veranstaltungen und Konzerte, die Musik Humbach unterstützte oder mitorganisierte. Ein Höhepunkt war 1993 das Konzert mit dem international renommierten Gitarristen Manuel Barrueco, der in Rosenheim nicht nur auftrat, sondern auch einen Meisterkurs gab. Für viele Musiker aus der Region wurde dieses Ereignis zu einer nachhaltigen Inspiration.
Auch in jüngerer Zeit ist Musik Humbach eng mit der Konzertszene verbunden. Immer wieder fungiert das Geschäft als Vorverkaufsstelle und Ansprechpartner für die lokale Musikszene. Gerade sind im Schaufenster und innen „besondere“ Instrumente zu sehen, und wer Lust hat, kann alte Zeitungsberichte und Fotos in einem Ordner durchblättern. Beim persönlichen Besuch waren mehrere junge Musiker beim Probespielen von Gitarren im Laden, und Andrea Humbach beantwortete einige Fragen.
Sie feiern gerade 50 Jahre Musik Humbach. Gratulation! Woran können Sie sich aus früheren Zeiten noch persönlich erinnern?
Musiker sind ein verrücktes Völkchen, da könnte man ein ganzes Buch füllen. Vielleicht ein Beispiel: Ein Mundharmonikaspieler begleitete sich im Laden mal auf der Gitarre, verzichtete aber auf den üblichen Halter, den man um den Hals legen kann. Dafür nahm er seinen „Fotzhobe“ komplett in den Mund und spielte seine Melodien mittels Raus- und Reinsaugen. Um das allerdings zu ermöglichen, hatte er sich auf einer Seite die Backenzähne komplett entfernen lassen. Die Pyrotechniker von Michael Mittermeier kauften einen Sechser-Karton Gitarren, die dann am Abend bei der Show im Kuko auf der Bühne brennen durften. Oder als Siegfried – ja, „der“ Zauberer Siegfried Fischbacher – an der Kasse die gerollten D-Mark-Scheine lässig aus dem Cowboystiefel gezogen hat statt aus dem Geldbeutel.
Können Sie kurz etwas zur Geschichte der Musikgeschäfte in Rosenheim sagen?
Das älteste Geschäft war das „Musikhaus Krämer“ (seit Ende des 19. Jahrhunderts), welches wir dann 1976 übernommen haben. Von den 80er- und 90er-Jahren bis Anfang der 2000er-Jahre gab es noch fünf Musikgeschäfte in Rosenheim. Wir haben als Einzige überlebt.
Man sieht auch in Ihrer Branche einen Trend zur Monopolbildung, mit Thomann gibt es einen Branchenriesen. Wie kann ein örtliches, kleineres Geschäft denn gegensteuern?
Die Verhältnisse in der Branche haben sich stark verändert. Thomann hat beispielsweise den großen Gitarrenbauer Höfner exklusiv übernommen, daher können wir jetzt keine Höfner mehr bestellen. Sogar Großhändler haben wegen dieser Monopolisierung aufgehört. Wir kooperieren daher mit kleineren, weniger bekannten, aber qualitativ gut aufgestellten Instrumenten- oder Zubehörherstellern. Wichtig sind außerdem Freundlichkeit, Geduld, persönliche Beratung, fundiertes Fachwissen und jahrelange Erfahrung sowie unsere Werkstatt mit Reparaturservice und Kundendienst. Dann die Möglichkeit, die Instrumente vor Ort ausprobieren zu können. Gitarren sind aus dem „lebendigen“ Werkstoff Holz, und somit gleicht kein Exemplar dem anderen, selbst bei E-Gitarren aus derselben Modellreihe.
Ihr Schwerpunkt sind Gitarren – wie würden Sie Ihr Kundenspektrum beschreiben?
Groß – klein – dick – dünn – alt – jung – männlich – weiblich, meistens sehr nett, aber manchmal auch ein wenig durchgeknallt.
Andreas Friedrich