100 Jahre Einsatz für Sicherheit und Gemeinwohl

von Redaktion

Die Löschgruppe Westerndorf feiert 100-jähriges Bestehen. Was mit Pferdegespannen und Kirchenglocken begann, ist heute eine moderne Einheit. Zum Jubiläum blickt der Rosenheimer Stadtteil auf eine bewegte Geschichte zurück und feiert seine Floriansjünger.

Rosenheim/Westerndorf – Seit genau 100 Jahren löschen die Mitglieder der Löschgruppe Westerndorf Brände und sorgen zuverlässig für Sicherheit im Rosenheimer Stadtteil Westerndorf am Wasen sowie in den benachbarten Orten. Nun feiern die Westerndorfer den 100. Gründungstag „ihrer“ Floriansjünger unter der Leitung von Peter Märzendorfer, Andreas Hummel, Josef Gilg und Hans Kink.

Eine Druckspritze und
125 Meter Schlauch

Die Löschgruppe Westerndorf blickt auf eine bewegte Geschichte zurück, stets geprägt von einem großen Sinn für das Gemeinwohl, auch in schwierigen Zeiten. Die logistischen Herausforderungen in der damals noch eigenständigen Gemeinde Pang waren Anfang des 20. Jahrhunderts groß. Die Feuerwehrkräfte wurden mit Kirchenglocken alarmiert und rückten mit Pferdegespannen aus.

Hinzu kam, dass das große Gebiet der Gemeinde Pang bestmöglich abgedeckt werden musste. So kam es im Jahr 1906 zur Gründung der zusätzlichen Feuerwehr Mitterhart-Schwaig.

Nach dem Ersten Weltkrieg, der großen Inflation und Währungsreform gab es seitens der Westerndorfer Überlegungen, wie man den Brand- und Katastrophenschutz westlich des Hauptorts verbessern könne. So wurde im Frühjahr 1926 ein eigenes Gerätehaus gebaut. Initiator war Josef Fischbacher, Schoberbauer, der das Grundstück für die „Zweite Kompanie“ unentgeltlich zur Verfügung stellte. Eine Saug- und Druckspritze, die bereits 40 Jahre in Pang im Einsatz war, sowie 125 Meter Schlauch gehörten zum Inventar.

„Möge der Wehr von Westerndorf ein weiteres Wachsen, Blühen und Gedeihen bevorstehen“, heißt es im Originalbericht aus dem Jahr 1926.

Erstes Feuerwehrauto
für Westerndorf 1962

Bei großen Bränden in den Jahren 1926 und 1934 stellte die neue Löschgruppe schließlich ihre Schlagkraft unter Beweis. 1936 starb der erste Ortskommandant Josef Fischbacher mit nur 43 Jahren. Sein Nachfolger wurde Josef Gilg. Der erst 28-Jährige hatte es anfangs nicht leicht, in diesem respektfordernden Amt Anerkennung zu finden, wie es in den Chroniken heißt, und doch zeichneten ihn großer Wille und große Überzeugungskraft aus, sodass er schließlich über 30 Jahre lang die Löschgruppe anführte.

Während des Zweiten Weltkriegs übernahm Georg Kaffl die Truppe. Da Josef Gilg und die weiteren Feuerwehrmänner zum Wehrdienst einrücken mussten, übernahmen 18 Frauen den Brandschutz. Ihr erstes Feuerwehrauto bekamen die Westerndorfer im Jahr 1962, Ersatz kam jeweils in den Jahren 1969 und 1980. Geprägt war der Dienst stets von viel Eigenleistung aus der gesamten Ortsgemeinde.

Ein neues Feuerwehrhaus
durch Gemeinschaftsgeist

Weil die Panger und Westerndorfer auch im Jahr 1996 an einem Strang zogen, gelang es, ein neues Feuerwehrhaus zu bauen. Durch enorme Anstrengungen der Führungsriege und dank einer finanziell sehr erfolgreichen Festwoche im Jahr 1993 waren die Grundsteine für die Zukunft der Löschgruppe gelegt, die ansonsten ihr altes Gerätehaus nicht mehr hätte weiter nutzen dürfen und wohl vor einer Auflösung gestanden wäre.

Mit dem damaligen Oberbürgermeister Dr. Michael Stöcker vereinbarte die Kommandantur, dass die Stadt die Kosten für ein neues Fahrzeug trägt und dafür der Feuerwehrverein unter der Leitung des heutigen Ehrenvorstands Stefan Fischbacher die Mittel für das neue Gebäude bereitstellt. Bauen mussten es die Westerndorfer selbst, wobei sie wiederholt einen großen Zusammenhalt und handwerkliches Geschick unter Beweis stellten.

Die Löschgruppe heute
und in Zukunft

Über 2.500 Stunden leisteten sie für das noch heute in Betrieb befindliche Gerätehaus, das zwischen Huberwirt und Schoberhof liegt. Hinzu kam die reichhaltige Versorgung durch die Frauen. Auch viele örtliche Firmen unterstützten das Projekt. „Nachdem der Spritzenhaus-Firstbaum, den die Aisinger Feuerwehr gestohlen hatte, rechtzeitig zum Heben des Dachstuhls zurückgebracht wurde, konnte zünftig gefeiert werden“, schrieb Oberlöschmeister Georg Kaffl am 23. August 1996 im Anzeigenkollektiv des Oberbayerischen Volksblatts.

Weitere Ortskommandanten und Gruppenführer waren zudem Paul Deutschenbaur, Eugen Aerzbäck, Georg Kaffl, Hans Rutz, Georg Rutz und Josef Gilg. Als Zeugwarte fungierten Georg Kaffl und Johann Tremmel. Bedeutende Fürsprecher waren zudem Ehrenkommandant Willi Scholz und Kreisbrandmeister Hans Schwaiger. Heute leiten Andreas Hummel, Josef Gilg, Peter Märzendorfer und Hans Kink die Gruppe. So stellen die Westerndorfer bis heute Brand- und Katastrophenschutz nah an den Menschen sicher. Das Einsatzaufkommen steigt weiter an. Technische Hilfeleistungen, vor allem bei Unfällen auf den immer stärker befahrenen Fernstraßen, fordern die ehrenamtlichen Kräfte zunehmend.

Einladung zum
Jubiläum am 30. Mai

„Wir freuen uns auf den 30. Mai“, so Gruppenführer Andreas Hummel. An diesem Tag wird das 100-jährige Jubiläum groß gefeiert. Er hofft, dass es gelingt, die Löschgruppe erlebbar zu machen und mit der Bevölkerung ins Gespräch zu kommen. „Im besten Fall erreichen wir auch Frauen und Männer, die sich vorstellen können, uns zu unterstützen und sich ehrenamtlich für das Dorf zu engagieren“, ergänzt er.

Der Dankgottesdienst zum 100-jährigen Jubiläum beginnt am Samstag, 30. Mai, um 19 Uhr in der Rundkirche Sankt Johann Baptist und Heilig Kreuz. Zuvor wird um 18 Uhr ein neues Gruppenfoto gemacht. Im Anschluss an den Gottesdienst führt um 20 Uhr ein Festzug vom Johannesweg durch das Dorf und den Kehlweg zum Anwesen von Stadtrat Georg Kaffl. Dort wird gefeiert mit Kaffee, Kuchen und Gegrilltem auf Spendenbasis und es gibt die Gelegenheit, mit den Floriansjüngern aus Pang und Westerndorf ins Gespräch zu kommen.

Für Musik und Unterhaltung sorgt die Wasner Musi, unter der Leitung von Hans Rutz. Bei Regen entfällt der Festzug und der Festabend findet abweichend in der Scheune von Franz Kaffl am Johannesweg statt.

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