Boarisch g’redt und g’reimt

von Redaktion

Ode auf den bairischen Dialekt aus Philosophie und Dichtung

Rosenheim – Ludwig Meindl (74) aus Haag und Hans-Peter Kreuzer (81) aus Stephanskirchen hielten im Happinger Hof mit philosophischem und dichterischem Gut eine Ode auf den bairischen Dialekt.

Während der Altphilologe und Historiker Ludwig Meindl aus seinem Büchlein „Sei duad’s wos“, das im letzten Jahr erschienen ist, philosophische Weisheiten aus der Antike mit bayerischer Weltanschauung verknüpfte, griff Kreuzer – Anwalt im Ruhestand – dessen Gedanken auf und fasste sie in Verserl. Die Moderation und den Dialogpart mit Ludwig Meindl übernahm Thomas Sax aus Haag, für den passenden musikalischen Rahmen sorgten Hans-Peter Kreuzer und Marianne Roider als Tischharfen-Duo mit alpenländischen Stücken.

Gut aufpassen
auf die Sprache

Das Zitat „Die Sprache ist das Haus des Seins“ des Philosophen Martin Heidegger in seiner Schrift „Brief über den Humanismus“ hat Kreuzer folgendermaßen interpretiert: „Gmoant hod er, dass da Mensch in seiner Sprach’ dahoam is und dass de, de wo dengan und dichtn, guad aufpassn miassn auf d’ Sprach.“

Dieses Motto unterstrich Ludwig Meindl mit dem „Doagaffenslang“, wobei hinter dem Wort „doagat“ ein nicht ganz ausgebackener, zu weicher, „hoibschariger“ Teig steckt, „nix Ganz’, nix Gscheids“. In einem „Doagaffen“ sieht Meindl einen Menschen, der nicht ausgereift ist und dessen Verhalten dem eines Entwicklungsgebremsten entspricht. Sprachlich drückt sich das Defizit in der Nutzung von Modewörtern oder zusammengebastelten Anglikanismen aus, deren Gebrauch unreflektiert und grammatikalisch vielfach unkorrekt stattfindet. Als Beispiele nannte Meindl Ausdrücke wie „Chillen“, „random“, „Handy“, „Dead Line“, „Check“ oder „Cyber Mobbing“.

Die ideale Spracherziehung für boarische Kinder sei der Trilingualismus aus dem landessprachlichen Dialekt, der Hochsprache und vorzugsweise Latein. „Damit der junge Bürger auch etwas fürs Leben lernt, fundamentale Wahrheiten mitbekommt und zumindest die Anlage dazu, einmal über den sprichwörtlichen Tellerrand hinauszublicken.“

Raum zum Nachdenken über derlei sprachliche Lerntipps schufen Hans-Peter Kreuzer und Marianne Roider bewusst mit Liedern wie „Silberfäden“ („Silverthreads among the Gold“) vom Komponisten Hart Pease Danks, aber auch mit Alpenlandlern wie dem Erzherzog-Johann-Jodler, dem Spinnradl oder dem Bauernmarsch.

Dass Buchstaben in verschiedenen Sprachen unterschiedlich ausgesprochen werden, zeige das „R“, so Meindl. Zu unterscheiden sei beispielsweise das „uvulare Preißn-R“, das im Rachen an der Engstelle zum Gaumenzäpfchen gesprochen werde vom alveolaren bayerischen R, „das im Grübchen hinter den Schneidezähnen mit Anlegen der Zunge an den Gaumen seine phonetische Variante erhält“.

Hans-Peter Kreuzer hatte mit der „haarigen Barbara“ sogleich das passende Gedicht mit vielen alveolaren R-Lauten zur Hand. Die Barbara mit Damenbart fand ihren Traumpartner ausgerechnet in der Barbaren-Bart-Bier-Bar. Der End-Reim lautet: „Weil zum Glück da Bart vom Wast genau auf ihran Bart drauf passt, hod jetzt d’ Barbara an Mo, mit dem s’ auf d’Nacht gscheit bussln ko.“

Auch zur Grammatik des Bairischen und über die boarische Nomenklatur hatte Meindl einiges zu sagen. Vom Optativ als Wunschform („Wenn’s no grod rang, dass da Dreck aufsprang“) bis zur Erklärung der Wochentage als Pfinsda (Donnerstag), Irda (Dienstag) oder Miga (Mittwoch) trug der Abend zur Erhellung bayerischer Sprachgeschichte bei.

Spontane Geschichten
aus dem Publikum

Vor der Pause hatte die vor 82 Jahren am Max-Josefs-Platz in Rosenheim geborene Annemarie Wafemann spontan die Geschichte erzählt, wie sie ihrem aus Hamburg stammenden Ehemann die bairische Sprache lehrte und dafür Lob und Tadel bei den Verwandten in Rosenheim und Hamburg erntete.

Der ebenfalls 82-jährige Theo Auer erzählte, wie er als Schüler am humanistischen Gymnasium (jetzt Ignaz-Günther-Gymnasium) im Schuljahr 1958/59 Dr. Eugen Roth zu einer Dichterlesung in die Schule eingeladen hat. Dass Auer von der Dichtkunst Eugen Roths beeindruckt war, belegte er mit dem Vortrag des in Bairisch gehaltenen Roth-Gedichts „Reise nach Italien“, das Auer in seiner Gesamtlänge auswendig rezitieren konnte. Die Gäste honorierten die Beiträge mit viel Applaus.

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