Rosenheim – Er hat die Rosenheimer Politik miterlebt wie kaum ein anderer: 34 Jahre lang saß Rudolf Hötzel für die Republikaner im Stadtrat. Jetzt endet seine politische Karriere. Warum es keine freiwillige Entscheidung war und wie es für ihn persönlich weitergeht, verrät er im OVB-Interview.
Nach 34 Jahren haben Sie es nicht erneut in den Rosenheimer Stadtrat geschafft. Wie groß war die Enttäuschung?
Groß. Es war sehr traurig. Ich habe meine Arbeit im Stadtrat wahnsinnig gerne gemacht. Es war eine große Ehre für mich. Ich habe meine Tätigkeit als Stadtrat immer sehr ernst genommen und war nahezu in jeder Sitzung. Mich haben zahlreiche Themen interessiert. Aber: Das Leben geht weiter. Ich werde die Sitzungen nach wie vor besuchen, auch ohne Rederecht.
Bei der ersten Sitzung des neuen Stadtrats waren Sie nicht.
Das stimmt. Das war dann doch etwas früh.
War für Sie schon immer klar, dass Sie in die Politik einsteigen?
Nein, ich bin da mehr oder weniger reingerutscht. Vor 35 Jahren lagen wir mit den Republikanern bei 22 Prozent. Ich war zu der Zeit als Kreisvorsitzender tätig. Von den Mitgliedern wurde ich dann dazu überredet, unsere Liste anzuführen. Damals sind wir mit fünf Sitzen in den Stadtrat eingezogen.
Heutzutage sind viele eher überrascht, wenn sie hören, dass es in Rosenheim noch Republikaner gibt.
Das stimmt, aber wir sind stolz darauf, dass es uns noch gibt. Wir haben nach wie vor eine gute Gruppe, auch wenn es für den Stadtrat nicht mehr gereicht hat.
Die Partei wurde zeitweise sogar vom Verfassungsschutz beobachtet.
Das war schon schwierig. Ich musste mir jedes Wort, das ich sagte, ganz genau überlegen. Denn auch die Medien in Rosenheim achteten natürlich auf alle meine Bemerkungen sehr genau. Mittlerweile ist die Situation aber zum Glück eine andere.
In den vergangenen Jahren haben Sie immer mal wieder mit dem Gedanken gespielt, aufzuhören.
Ich wollte auch in diesem Jahr nicht noch einmal antreten. Aber in meinem Umkreis haben mich viele Leute dazu ermutigt, mich noch einmal aufstellen zu lassen. Viele wissen, wie sehr ich mich für den Eishockeysport engagiere. Ich denke, deshalb war es einigen ein Anliegen, dass ich auch für sechs weitere Jahre im Stadtrat sitze. Das hat nur leider nicht geklappt.
Woher kommt eigentlich diese Leidenschaft für den Sport?
Ich war selbst lange Zeit sportlich aktiv und habe lange Zeit Fußball gespielt. Als ich nach Rosenheim gekommen bin, hat mich das Eishockeyfieber direkt gepackt. Für eine zweite Eisfläche habe ich mich schon unter Dr. Michael Stöcker eingesetzt. Der damalige Oberbürgermeister versprach, dass eine neue Eishalle gebaut werden soll. Stattdessen entschied man sich dann aber doch für eine Generalsanierung, des Geldes wegen. Stöcker hat im Anschluss sogar Morddrohungen erhalten. Das war eine schlimme Zeit.
Eine zweite Eisfläche gibt es noch immer nicht. Etwas, das Sie in den vergangenen Jahren immer wieder kritisiert haben.
Und ich werde es auch weiter kritisieren. Wir haben so viele Kinder, Jugendvereine und Eisläufe, die derzeit einfach nicht genügend Platz haben, um zu trainieren. Die Eisfläche ist oft überlaufen, vor allem in den Ferienzeiten. Zudem ist sie durch das Training der Starbulls immer wieder komplett für die Allgemeinheit gesperrt. Hier braucht es dringend eine Lösung. Dann müssten unsere Hobbyligen auch nicht mehr nach Grafing, Bad Aibling, Miesbach, Ebbs oder Kufstein ausweichen.
Worauf sind Sie besonders stolz?
Wir haben uns damals dafür eingesetzt, dass mehrere Häuser im Tulpenweg nicht abgerissen werden. Dort haben vor allem Senioren und Menschen mit Behinderung gewohnt. Durch unseren Einsatz ist es gelungen, dass diese Häuser erhalten werden konnten. Darauf bin ich sehr stolz. Zudem ist es mir in den vergangenen Jahren immer wieder gelungen, Wohnungen für Menschen zu finden, die dringend eine neue Unterkunft benötigten. Mal war es eine junge Mutter mit drei Kindern, mal ein SPD-Politiker.
Was würden Sie in Rosenheim verändern? Abgesehen von der zweiten Eisfläche.
Es braucht mehr Parkplätze vor den Geschäften. Ich glaube, dass sich viele Leerstände hätten vermeiden lassen, wenn die Parkplatzsituation eine andere gewesen wäre. Sinnvoll wäre ein gemeinsamer Geh- und Radweg. Dadurch müssten keine neuen Radstreifen geschaffen werden, die oft dafür sorgen, dass Parkplätze wegfallen. Natürlich haben wir zahlreiche Parkhäuser und auch die Loretowiese. Aber viele ältere Menschen können einfach nicht so weit gehen.
Was hat sich in den vergangenen 34 Jahren im Stadtrat geändert?
Es wird weniger diskutiert. Früher haben wir über Themen immer und immer wieder gesprochen. Das ist heutzutage anders. Jetzt werden die Punkte oft sehr schnell abgehandelt. Die Stimmung im Stadtrat war aber schon immer sehr gut und harmonisch.
Sie haben im Wahlkampf zum ersten Mal auf die sozialen Medien gesetzt. Mit 72 Jahren.
Das stimmt. Es hat Spaß gemacht. Ich habe viele positive Rückmeldungen bekommen. Und einige, die mich darauf aufmerksam gemacht haben, wenn mein Mantel nicht richtig saß oder der Hintergrund schlecht war (lacht).
Wie geht es jetzt für Sie weiter? So ganz ohne Politik?
Die Politik werde ich auch weiterhin verfolgen. Aber ich betreibe auch einen Weinhandel, den ich in den vergangenen Jahren schwer vernachlässigt habe. Zudem will ich Zeit mit meinen Kindern, meinen Enkeln und meiner Frau verbringen. Die musste in den vergangenen Jahren häufig auf mich verzichten.
Anna Heise