Volles Haus beim „Kopf.Kino“

von Redaktion

KulturKlub präsentierte Dokumentarfilme mit Zusatzprogramm

Rosenheim – Nach inzwischen mehreren Jahren „Kopf.Kino“ vor und in der Stadtbibliothek hat sich herumgesprochen, dass die Veranstaltungsreihe des KulturKlubs ein attraktives Programm bietet. Zuletzt hieß es „Full House“ mit vier Filmen an drei Tagen. Mit außergewöhnlichen Dokumentar- und Arthousefilmen abseits des Mainstreams verwandelte sich die Stadtbibliothek angesichts des Wetters in ein atmosphärisches Wohnzimmer-Programmkino. Nach komödiantischer Einführung durch Bibliotheksleiterin Susanne Delp mit Anspielungen auf die „nostalgisch“ ausleihbaren DVDs begrüßte Oberbürgermeister Abuzar Erdogan – inhaltlich gut vorbereitet – die vielen Gäste.

Zum Auftakt lief noch vor der eigentlichen Kinopremiere und ermöglicht durch die Kontakte des KulturKlubs „Germaine Acogny – Die Essenz des Tanzes“. Der Dokumentarfilm porträtiert die senegalesische Choreografin Germaine Acogny, die als eine der wichtigsten Figuren des zeitgenössischen afrikanischen Tanzes gilt und zu den 50 einflussreichsten Personen aus Afrika zählt. Der Film verbindet Lebensgeschichte mit Fragen kultureller Identität und künstlerischer Freiheit. Szenen aus ihrer Tanzakademie im Senegal wechselten mit politischen Statements zu Kolonialismus – etwa als Reaktion auf eine arrogante und übergriffige Rede des damaligen französischen Präsidenten Sarkozy. Einen Bonus gab es vorneweg mit einer afrikanischen Live-Tanzperformance des in Rosenheim lebenden Tänzers Serge und großem Applaus.

Am zweiten Abend zeigte der KulturKlub den Film „Der Helsinki Effekt“. Die Dokumentation blickt zurück auf die KSZE-Konferenz von 1975 in Helsinki und zeigt, wie die umfangreichen Verhandlungen zwischen Ost und West politische Entwicklungen bis heute beeinflussen. Unter dem Aspekt „Fehlerkultur“ leitete ein Live-Podcast unter Federführung der Initiative „Democrazy“ aus München den Film ein – interessanter Diskussionsstoff.

Der dritte Tag brachte gleich zwei Produktionen auf die Leinwand. „Zirkuskind“ erzählt vom Aufwachsen zwischen Manege, Reisen und Familienleben und zeichnet ein sensibles Bild einer ungewöhnlichen Kindheit. Ergänzt wurde der Abend durch „Folktales“, einen Film über Schlittenhunde, arktische Landschaften und das Leben in extremer Natur. Beide Filme verbindet der Blick auf Menschen, die abseits gesellschaftlicher Normen ihren eigenen Lebensweg suchen.

Gerade diese Mischung macht den Reiz der Reihe aus: Statt schneller Unterhaltung setzt der KulturKlub auf Filme, die Perspektiven erweitern, Diskussionen anregen und nachwirken. Damit entstand zumindest an drei Abenden Stück für Stück genau das, was der Stadt bislang gefehlt hat – ein kleines, engagiertes Programmkino mit besonderer Atmosphäre. afr

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