Der Trend zur Schallplatte ist ungebrochen

von Redaktion

Interview Christian Hlatky und Vinko Vrabec organisieren einen Supermarkt für Vinylfreunde

Rosenheim – Schallplatten statt Streaming-Dienst? Der Retro-Trend ist längst wieder im Alltag angekommen. Denn Vinyl hat in den vergangenen Jahren wieder an Beliebtheit gewonnen. Das merkt auch der Rosenheimer DJ Vinko Vrabec. Gemeinsam mit dem Kulturklub organisiert Vrabec deshalb dieses Jahr bereits zum zweiten Mal den „Vinyl-Supermarkt“ in der alten Druckerei – in den Räumlichkeiten der Bürgerstiftung. Sehr zur Freude von Christian Hlatky. Der Geschäftsführer der Bürgerstiftung will die alte Druckerei nämlich genau für solche Events zur Verfügung stellen. Im OVB-Interview verraten die beiden, warum es in Rosenheim wieder einen Plattenflohmarkt braucht und welche Verbindung sie zur Musik haben. Im Video sprechen Vinko Vrabec und Christian Hlatky über den Vinyl-Flohmarkt.

Was ist der „Vinyl-Supermarkt“ eigentlich?

Vinko Vrabec: Wir vom Kulturklub wollten etwas in den Räumen der Bürgerstiftung veranstalten. Da wir alle einen kleinen „Becka“ (Macke, Anm. d. Red.) – wie man in Bayern sagt – mit Schallplatten haben, war das recht naheliegend. Der Hintergrund ist, dass man dadurch viele Plattenverrückte in die Stadt bringt. Auf der einen Seite die, die etwas verkaufen wollen. Auf der anderen Seite die, die Platten kaufen wollen. Vor zwei Jahren hat der Vinylflohmarkt das erste Mal stattgefunden und er ist sehr gut angenommen worden. Das hat uns total gefreut. Da sich die Leute dort auch zum Fachsimpeln und Austauschen treffen, ist es auch ein sozialer Treffpunkt. Die Bürgerstiftung stellt also die Räumlichkeiten zur Verfügung. Wie funktioniert das hier in der alten Druckerei?

Christian Hlatky: Das ist ein Leerstand, den wir von der Bürgerstiftung temporär nutzen dürfen. Da die alte Druckerei so groß ist, haben wir nicht nur die Geschäftsräume hier, sondern auch einen großen Veranstaltungsraum und eine kleine Bar. Während der Corona-Pandemie haben wir die Räumlichkeiten bekommen. Dann haben wir gesagt, wir wollen die Menschen wieder mehr in die Innenstadt locken, die Innenstadt kulturell beleben. Also nutzen wir die Gelegenheit, wenn wir diese Räume schon mietfrei bekommen. Wir wollen allen, die gute und vielleicht auch verrückte Ideen haben, eine Möglichkeit geben, sich hier auszuprobieren. Es haben schon Kochveranstaltungen stattgefunden, Konzerte, Lesungen, ein offener Barbetrieb – oder eben die Vinylmärkte.

Wer organisiert diese Märkte denn? Sie, Herr Vrabec?

Vrabec: Nicht ich alleine, sondern tatsächlich der Kulturklub Rosenheim. Unter anderem gemeinsam mit Michael Fakesch, genannt Cash. Letztlich helfen alle vom Kulturklub zusammen. Es muss ja alles aufgebaut, vorbereitet und beworben werden. Ich habe zudem die Kontakte zu den ganzen Verkäufern von vor zwei Jahren, die ich angeschrieben habe, damit sie hierherkommen. Stand jetzt werden etwa 20 von ihnen kommen. Das war letztes Mal auch so, und dann ist der Raum voll.

Warum braucht es in Rosenheim einen Platten-Flohmarkt?

Vrabec: Was die Plattenladenstruktur angeht, haben wir nur wenige in Rosenheim. Uns geht es aber auch um den Austausch und dafür fehlen die Räumlichkeiten. Rundherum finden regelmäßig Plattenbörsen statt, etwa in Freilassing oder in Traunstein. Vor einigen Jahren hatten wir im Kuko auch regelmäßig solche Events. Irgendwann gab es die nicht mehr, das ist vielleicht auch dem Zeitgeist geschuldet. Aber wie das beim Vinyl so ist, ist das permanent da. Es ist nie verschwunden. Und in den vergangenen Jahren hat es eine Renaissance erlebt.

Was glauben Sie, warum Schallplatten wieder beliebter werden?

Vrabec: Ich glaube, dass Digitalisierung schon wichtig ist, aber auch überdrüssig macht. Ich habe selbst viele Platten zu Hause. Sie sind einfach etwas Haptisches. Du hast die Platten in der Hand. Und wenn man Musik auflegt, macht das einen Unterschied, ob das digital oder haptisch passiert. Und es ist egal, ob man 16 oder 75 Jahre alt ist. Mit den Schallplatten hat man ein gemeinsames Medium und Hobby. Das schweißt zusammen.

Sie nutzen also selbst oft Schallplatten?

Vrabec: Das war tatsächlich 20 Jahre mein Job. Ich habe jahrelang bei Media-Markt als Leiter im Bereich Tonträger-Software gearbeitet. Deshalb habe ich nach wie vor viel zu viele Platten daheim. Es waren sogar mal sehr viele mehr (lacht).

Hlatky: Ich bin kein expliziter Schallplatten-, aber ein großer Musikfan. Deshalb freue ich mich über die nostalgischen Momente, die der Kulturklub und Vinko hier ermöglichen.

Was ist denn Ihre Verbindung zur Musik?

Hlatky: Ich habe lange in Bands gespielt und selbst sehr viel und sehr gerne Musik gehört. Deswegen ist es für uns auch so wichtig, dass wir hier in der alten Druckerei genau solchen Musikformaten eine Bühne bieten und kleineren Bands ermöglichen, aufzutreten. Deshalb braucht es solche Orte.

Vrabec: Musik war schon immer mein Hobby. Meine erste Platte habe ich mir gekauft, als ich zwölf Jahre alt war. Mit meinem ersten eigenen Geld. Dann ist der ganze Wahnsinn losgegangen. Gemeinsam mit einigen anderen habe ich sogar ein Plattenlabel betrieben. Da war unter anderem Stefan Dettl von LaBrassBanda dabei. Vor ein paar Jahren haben wir das aber eingestellt, weil wir gesagt haben: Jetzt reicht’s, wir wollen etwas Neues machen. Die Verbindung zur Musik ist aber schon immer da gewesen.

Können Sie sich vorstellen, den Vinyl-Flohmarkt weiterhin hier zu veranstalten?

Hlatky: Wir von der Bürgerstiftung auf jeden Fall. Wir können aber nicht wirklich langfristig planen, weil wir nicht wissen, wie lange wir diesen Leerstand hier nutzen dürfen. Aber solange die Inhaber happy mit uns sind, sind wir happy mit den Räumlichkeiten. Die sind wirklich ideal: große Räume, mitten in der Innenstadt. So können wir das kostengünstig an kulturelle Gruppen weitergeben und dementsprechend Formate wie den Vinyl-Flohmarkt hier veranstalten.

Vrabec: Wir wollen den Markt auf jeden Fall auch weiterhin machen. Es gab sogar Überlegungen, das zweimal im Jahr zu machen. Ich glaube, dass diese Formate für die Stadt extrem wichtig sind.

Worauf können sich die Besucher am Samstag besonders freuen?

Auf jeden Fall auf die vielen Genres, die am Start sind. Das geht von Independent bis Classic Rock, über Soul, Northern Soul, Funk oder Disco. Von den Verkäufern wird jedes Genre vertreten sein. Es kommen sogar welche aus Salzburg. Da entwickelt sich immer eine Eigendynamik: Einer sagt dem anderen Bescheid. Die Einnahmen durch die Standgebühren gehen an die Bürgerstiftung. Magdalena Aberle

Mit DJs und Bar

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