Das neue „Chiemseer 0,0“: Auch das Design ähnelt stark dem Chiemseer.
Rosenheim/Rimsting – Lange hat es nicht gedauert, bis sich Josef Kronast an seinem neuen Arbeitsplatz in der Münchener Straße in Rosenheim eingelebt hat. Seit Anfang September ist er bei Auerbräu Braumeister, sowie Betriebsleiter und Prokurist. Er folgte Thomas Frank, der 34 Jahre lang die Produktion des Auerbiers im Blick hatte. Kronast gefällt der neue Job: „Ich habe mich vom ersten Tag an sehr wohlgefühlt, bin super aufgenommen worden. Vom Gefühl her bin ich schon viel länger dabei als acht Monate.“ Dabei lehnt er sich entspannt in seinem Bürostuhl zurück, die Freude am neuen Job wirkt sehr ehrlich.
„Es ist kein
38-Stunden-Job“
Zuvor war der gebürtige Priener bei unterschiedlichen Brauereien in der Region. Jetzt lebt er wieder in Greimharting – hier wuchs er auf und verbrachte seine Jugend. „Ich genieße es, morgens und abends am Simssee vorbeizufahren und alte Freundschaften wieder mehr zu pflegen“, so Kronast, der aber auch sagt, dass sich die Freizeit in Grenzen hält: „Es ist kein 38-Stunden-Job. Aber das ist einfach so, wenn man seine Arbeit liebt. Für mich ist es kein Job, sondern eine Berufung.“ Die freie Zeit, die er hat, verbringt er gerne mit Partnerin und Hund am Chiemsee und in den Bergen.
Als Betriebsleiter ist er für Brauerei, Technik und Produktion, inklusive Abfüllung, Elektro- und Schlosserabteilung zuständig. „Priorität eins ist natürlich die Qualität des Bieres. Dazu gehören der Rohstoffeinkauf, die Produktionsthemen, die Sudplanung und dass von allen unseren vielen Biersorten auch zu jedem Zeitpunkt die Biere mit der richtigen Qualität zur Verfügung stehen“, erklärt er.
Langweilig wird ihm also nicht. Jeder Tag schaut anders aus, beginnt aber immer mit einem Rundgang durch alle Abteilungen, ob es in der Nacht irgendwelche Auffälligkeiten gab und auch sonst für den Tag alles bereit ist. Das Bierbrauen an sich mache er weiterhin am liebsten: „Alles, was mit dem Genussmittel Bier zu tun hat.“
Dabei gibt es permanent Herausforderungen, speziell die Lieferzeiten, die sich verlängert haben, steigende Energiepreise und der Bierabsatz im Allgemeinen. „Brauereien waren immer schon sehr innovativ, was Energieeinsparungen betrifft. Bei Auerbräu spricht man auch von der grünen Brauerei. Energetisch sind wir eine der besten Brauereien Deutschlands, was die Energierückgewinnung angeht“, sagt er; und es ist ihm anzumerken, dass er sich schon sehr mit seiner neuen Brauerei identifiziert.
Langjährige Erfahrung
in vielen Brauereien
Ein langwieriges Thema ist auch die Neugenehmigung des Brunnens, aus dem die Brauerei ihr Wasser bezieht. „Wasser ist ein sehr hohes Gut. Dementsprechend wird es auch immer aufwendiger, solche Genehmigungen zu bekommen“, sagt der Braumeister. Und auch die anderen drei Zutaten, Malz, Hopfen und Hefe, sind natürliche Rohstoffe, die nur aus Bayern kommen: „Die Witterungskapriolen werden jedes Jahr schlimmer. Wir bleiben dabei, dass wir die Zutaten nur aus Bayern beziehen. So liegt es an der Braukunst, aus den natürlichen Rohstoffen, die jedes Jahr anders sind aufgrund der Witterung, immer eine gleichbleibende Bierqualität zu brauen.“
Hat sich also der Geschmack seit seiner Ankunft verändert? „Die Biere waren nachweislich von hervorragender Qualität. Mein erster Anspruch ist es, diese hohe Qualität, die über Jahrzehnte erarbeitet wurde, auch weiter beizubehalten und im Idealfall das Bier noch zu verbessern.“
Welche seiner langjährigen Berufserfahrungen, unter anderem gesammelt bei der Schlossbrauerei Hohenaschau, bei Hopf in Miesbach, bei Spaten-Franziskaner und der Löwenbrauerei in München sowie in der Schlossbrauerei Maxlrain, er jetzt in Rosenheim genau einbringt, will der Greimhartinger nicht genau verraten. Nur so viel: „Was erfolgreich war, versuche ich, Stück für Stück einfließen zu lassen. Ich will nicht kommen und sagen: ‚So machen wir es jetzt.‘ Es ist alles Teamarbeit.“
So entstand das neue
alkoholfreie Bier
Als Fan von Hellem kam Kronast der Trend zu Hellem der vergangenen Jahre sehr entgegen. Seit vergangenem August wurde bei Auerbräu zudem intensiv an einem alkoholfreien Bier getüftelt. „Die erste große Entscheidung war: Wir gehen auf 0,0 Prozent“, gibt Kronast Einblicke in den Entstehungsprozess. Gesetzlich erlaubt bei einem alkoholfreien Bier ist ein Wert von unter 0,5 Prozent. „So viele 0,0-Prozent-Hellbiere gibt es noch nicht. Es ist ein aufwendiges Verfahren, Alkohol ist ja auch ein Geschmacksträger, das geht bei 0,0 Prozent nicht. Dennoch ist uns ein perfekter Geschmack gelungen.“
Durch intensive Marktforschung wurden bei den Verbrauchern Geschmacks und Designvorlieben abgefragt.
„Es wird immer weniger Bier getrunken und immer gesundheitsbewusster gelebt. Also wurde es bewusst ein 0,0-er“, erklärt Kronast. Als Dachmarke wurde das „Chiemseer“ – als junges Bier für die jüngere Zielgruppe – ausgewählt.
Es gebe unterschiedliche Möglichkeiten, alkoholfreies Bier herzustellen, erklärt der Braumeister: Die bekanntesten sind, entweder den Alkohol am Ende dem fertigen Bier zu entziehen oder aber den Gärungsprozess zu unterbrechen. „Wir haben etwas gespielt und uns an den Geschmack herangetastet“, berichtet Kronast und ergänzt: „Es ist ein aufwendiger Mix aus zwei Varianten. Aber tiefer möchte ich nicht einsteigen, das unterliegt dem Braugeheimnis.“
Eine süßliche Note im
Vergleich zum Mutterbier
Die Erstabfüllung fand Ende April statt. In der Brauerei gab es eine Verkostung unter allen Abteilungen, mit positiven Rückmeldungen. Seit 11. Mai gibt es das neue Bier für die Verbraucher zu kaufen.
Der Anspruch sei schon gewesen, eine Wiedererkennung mit dem „Chiemseer Hell“ zu bekommen, so Kronast. Aufgrund der Herstellung sei „eine leichte süßliche Note im Vergleich zum Mutterbier drin, aber ,Chiemseer‘ und ,Chiemseer 0,0‘ sind nicht nur vom Erscheinungsbild eng verzahnt.“ Auch Geschäftsführer Dirk Steinebach war entscheidend an der Umsetzung eines alkoholfreien Biers in seiner Brauerei beteiligt und trieb den Prozess stetig voran. „Alkoholfreie Biere liegen im Trend. Und wir haben die jüngsten Verwender beim ,Chiemseer‘. Es ist kein Verzicht auf den Biergenuss, sondern es rundet unser Angebot ab“, so Steinebach. Auch ihm schmecke das neue Bier „sehr gut“. „Die erste Kiste, die abgefüllt wurde, habe ich direkt mit nach Hause genommen und alles unter Freunden verteilt“, berichtet er.
Braumeister Kronast erklärt, dass seit den ersten alkoholfreien Bieren in den 70er-Jahren die Qualität enorm gestiegen sei: „Es gibt sehr, sehr gute alkoholfreie Biere. Und es entwickelt sich immer weiter. Man kann inzwischen mit speziellen Hefestämmen arbeiten, die praktisch keinen Alkohol in der Gärung produzieren.“ Die Tendenz bei alkoholfreien Bieren gehe weiter nach oben: „Als gut aufgestellte Brauerei braucht man auch ein alkoholfreies Bier, um den Wunsch der Kunden zu erfüllen.“
Rosenheimer Brauerei
breit aufgestellt
Mit „Auerbräu“ und „Chiemseer“ ist die Spezialitätenbrauerei zweigleisig aufgestellt: „Auerbräu“ für den regionalen Markt, „Chiemseer“ ist für den deutschlandweiten Vertrieb. „Der Biermarkt ist hart umkämpft. Wir sind glücklich, mit beiden Marken, breit aufgestellt zu sein. Es wird immer weniger Bier getrunken, der Kuchen wird immer kleiner.“ Das „Chiemseer“ war bisher in der Region noch nicht so verwurzelt. Durch die 0,0-Variante wird es in den Auerbräu-Gaststätten zumindest in der alkoholfreien Version sichtbarer.
In den Gasthäusern habe man schon auf ein Alkoholfreies gewartet, diese Nachfrage könne jetzt bedient werden, so Kronast. Fehlt noch ein alkoholfreies Weißbier? Kronast gibt sich hier zurückhaltend: „Wir werden nicht gleich mit was hinterherschießen, sondern Stück für Stück schauen, dass wir den Bedarf irgendwann decken.“