Abschied nach 26 Jahren im Stadtrat

von Redaktion

Interview FDP-Urgestein Maria Knott-Klausner über ihr politisches Engagement und verpasste Chancen

Rosenheim – Nach fast drei Jahrzehnten im Stadtrat zieht sich Maria Knott-Klausner zurück. Nicht, ohne vorher auf die vergangenen 26 Jahre zu blicken. Auf welche Projekte sie besonders stolz ist und wo sie sich mehr Mut gewünscht hätte, verrät sie im OVB-Interview.

War für Sie klar, dass Sie nicht noch einmal für den Stadtrat kandidieren?

Ja, ich wollte mich ursprünglich auch nicht mehr auf die Liste setzen lassen, wurde von mehreren Seiten dann aber darum gebeten. Mir war es wichtig, die Partei auch weiterhin zu unterstützen und dafür zu sorgen, dass die FDP auch weiterhin im Stadtrat vertreten ist.

Das ist Ihnen gelungen. Mit Marcus Moga gibt es auch für die kommenden sechs Jahre einen FDP-Stadtrat.

Das stimmt, darüber bin ich sehr glücklich.

Sie saßen – mit einer kurzen Unterbrechung – 26 Jahre lang im Stadtrat. Wird Ihnen die Arbeit fehlen?

Ich glaube nicht. Es ist ein enormer Druck von mir abgefallen, den das Mandat mit sich bringt. Im Stadtrat zu sein, habe ich immer als große Verantwortung und Verpflichtung gesehen.

Sie waren immer eine Einzelkämpferin. Wären Kooperationen nicht interessant gewesen?

In meiner ersten Legislaturperiode war ich als FDP-Stadträtin in der Fraktion bei den Freien Wählern/UP. Ich hatte mehrere Ausschusssitze bekommen und war auch im Aufsichtsrat der GRWS. Das ist mir aber mit der Zeit aufgrund meines Berufs beim Kinderschutzbund zu viel geworden. In den vergangenen zwölf Jahren haben mir dann die Grünen angeboten, an jeder Fraktionssitzung teilzunehmen. Dadurch habe ich alle Informationen bekommen, konnte aber trotzdem frei entscheiden.

Haben FDP und Grüne viele Gemeinsamkeiten?

Die Umwelt liegt mir schon immer am Herzen. Ich bin auf einem Bauernhof groß geworden, bin viel mit dem Fahrrad gefahren und habe auf meine Ernährung geachtet. Die Natur ist für mich das Wichtigste überhaupt. Was meine Haltung angeht, bin ich einigen Grünen also voraus. Aber bei ein paar Punkten denke ich als Sozial- und Wirtschaftsliberale anders. Ich will, dass es vorwärtsgeht und sich die Stadt entwickelt. Vorhaben zu blockieren, ist nicht in meiner Natur.

In den kommenden sechs Jahren kooperiert die FDP mit SPD und CSU.

Marcus Moga hat schon sehr früh ein Angebot von der SPD bekommen. Ich bezweifle, dass zu diesem Zeitpunkt bereits feststand, dass auch die CSU mit im Boot ist. Ich weiß nicht, ob er die Entscheidung dann auch noch getroffen hätte. Aber: Ich kann nachvollziehen, warum er sich für diesen Schritt entschieden hat. Er sitzt jetzt beispielsweise im Verkehrsausschuss. Ein Thema, mit dem er sich schon seit vielen Jahren intensiv beschäftigt. Ich respektiere seine Entscheidung, hätte es persönlich aber nicht gemacht.

Wie bewerten Sie die Rolle der FDP in Rosenheim?

Ich bin sehr froh, dass wir wieder im Stadtrat vertreten sind. Wir bekommen immer wieder junge Mitglieder, die dann aufgrund von beruflichen Veränderungen wegziehen. Nach dem Ampel-Aus gab es bei uns einen Mitgliederschub. Menschen haben gemerkt, dass es eine FDP braucht, auch in Rosenheim. Die liberale Haltung wird nach wie vor geschätzt. Das freut mich, denn ich bin seit 50 Jahren Mitglied dieser liberalen Partei.

Mit Blick auf die vergangenen 26 Jahre: Auf welche Projekte sind Sie besonders stolz?

Die Fußgängerstraße und die Sperrung der Weinstraße für den Autoverkehr. Aber auch die Rampe im Eisstadion für die Menschen mit Behinderung. Dass es uns nicht gelungen ist, aus der Färberstraße eine Fußgängerzone zu machen, finde ich schade. Ich habe dort selbst jahrelang gearbeitet und weiß, wie unerträglich der Parksuchverkehr ist und wie häufig es dort zu gefährlichen Situationen kommt. Auch über die Situation am Happinger See bin ich entsetzt.

Inwiefern?

Es wurde alles kommerzialisiert. Eine Naherholung findet dort schon lange nicht mehr statt. Diese Entwicklung belastet mich sehr. Gleichzeitig wäre mir aber nie in den Sinn gekommen, mich der Bürgerinitiative anzuschließen oder deswegen auf eine Demo zu gehen. Ich engagiere mich für Themen, muss dafür aber nicht auf die Straße gehen.

Wo gibt es in der Stadt noch Luft nach oben?

Bei der Weiterentwicklung der Hochschule und beim Thema Verkehr. Schon seit einigen Jahren liegt ein Einbahnstraßenkonzept für die Innenstadt in einer Schublade im Rosenheimer Rathaus. Dass wir das bisher immer noch nicht umgesetzt haben, ist mehr als ärgerlich. Auch habe ich kein Verständnis dafür, dass wir die Kaiserstraße beim Ausbau nicht als Einbahnstraße mit Bäumen und Fahrradweg umgestaltet haben. Hier haben wir eine Chance verpasst.

Den Versuch, eine Straße für den Autoverkehr zu sperren, gab es in der Münchener Straße.

Das war eine gute Entscheidung. Ich fand es gut, dass wir den Mut hatten, dort eine Fußgängerzone einzurichten. Auch wenn der Busverkehr in einer Fußgängerzone nichts zu suchen hat. Trotzdem war es ärgerlich, dass wir den Versuch frühzeitig beendet haben. Solche Entscheidungen haben der Stadt geschadet.

Nach 65 Jahren stellt die SPD erstmals wieder einen Oberbürgermeister. Euphorisiert sie das?

Ich glaube schon, dass die Wahl einen Aufbruch markiert hat. Das Ergebnis war auch für mich sehr überraschend, aber Abuzar Erdogan hat einen sehr guten Wahlkampf gemacht. Er ist auf die Bürger zugegangen und hat immer klar kommuniziert. Man traut ihm zu, dass er die Interessen der Bürger sehr ernst nimmt. Zudem glaube ich, dass er die Verwaltung auch anders führen wird.

Mehrheiten zu finden, dürfte trotzdem eine Herausforderung werden.

Das glaube ich auch. Es müssen nur einige Stimmen fehlen, dann bröckelt die Mehrheit. Auch Andreas März hatte in den vergangenen Jahren viele gute Ideen, wurde aber oft ausgebremst. Hoffen wir, dass es in den kommenden sechs Jahren anders läuft. Ich werde es auf jeden Fall genau verfolgen.

Was machen Sie jetzt mit der freien Zeit?

Rosenheim kann sehr stolz auf seine TH sein, deshalb engagiere ich mich auch weiterhin für den Campus Mühldorf für die pädagogischen Studiengänge. Ich bin sehr aktiv und weiterhin als Kontaktperson zum GGSD Bildungszentrum Rosenheim tätig, der zentralen Anlaufstelle für die Pflege- und den Erzieherberuf. Außerdem liebe ich es, zu verreisen und Zeit mit meiner Familie – darunter den sieben Enkelkindern – und Freunden zu verbringen. Mein Mann ist sehr erleichtert, dass ich nicht mehr im Stadtrat sitze (lacht). Wir haben einen sehr großen Garten, um den ich mich in Zukunft noch intensiver kümmern will. Auch die Kunst- und Kulturangebote in der Stadt will ich wieder verstärkt nutzen.

Sie haben einen Wunsch frei…

Ich würde mir wünschen, dass das Silvesterfeuerwerk auf wenige offizielle Plätze der Stadt beschränkt wird. Hier braucht es einfach ein Umdenken.

Anna Heise

Artikel 2 von 9