Wenn plötzlich die ganze Schule lesen will

von Redaktion

Aktion „Das ganze Ignaz liest!“ wird zum Gemeinschaftserlebnis weit über den Unterricht hinaus

´Rosenheim – Mit leuchtenden Augen, schnellen Schritten und ausgestreckten Händen stürmten die Schülerinnen und Schüler des Ignaz-Günther-Gymnasiums in die Bibliothek – und auf einen gewaltigen Bücherturm zu. Was sonst eher still und geordnet abläuft, entwickelte sich bei der Aktion „Das ganze Ignaz liest!“ beinahe zu einem kleinen Ausnahmezustand: Bücher wurden begeistert in Empfang genommen, erste Seiten sofort aufgeschlagen, manche Kinder begannen noch vor Ort zu lesen. „Ich lese das heute noch fertig“, sagte eine Schülerin der fünften Klasse begeistert, während sie ihren neuen Roman fest an sich drückte.

Die Aktion, die vom stellvertretenden Schulleiter Udo Segerer initiiert wurde, brachte Schülerinnen und Schüler aller Jahrgangsstufen – von der fünften Klasse bis zur Q13 – zusammen. Gemeinsam lesen sie den Roman „Beste Freundschaft“ von Autorin Sarah Welk. Möglich wurde das Projekt durch zahlreiche Spenden und die Unterstützung der Kulturstiftung der Sparkasse, durch die insgesamt rund 10.000 Euro gesammelt werden konnten. Vor Ort machte sich auch Alexa Dietz, geschäftsführendes Vorstandsmitglied der Sparkassenstiftung Kultur, persönlich ein Bild von der Bücherausgabe – und zeigte sich begeistert von der Stimmung in der Bibliothek. Es freue sie sehr zu sehen, mit welcher Begeisterung die Kinder zu den Büchern griffen und wie selbstverständlich Lesen hier zum gemeinsamen Erlebnis werde. Gerade solche Aktionen könnten das Gemeinschaftsgefühl an einer Schule weiter stärken, sagte Dietz. Besonders schön fand sie außerdem, dass sich nicht nur die Schülerinnen und Schüler, sondern auch zahlreiche Lehrkräfte ein Exemplar mitnahmen. Doch hinter der Idee steckt mehr als nur Leseförderung. Für Segerer ist das Buch gerade im digitalen und von künstlicher Intelligenz geprägten Zeitalter weiterhin von großer Bedeutung.

Lesen bedeute, zwischen den Zeilen zu verstehen, Perspektiven zu wechseln, kritisch zu hinterfragen und sich über längere Zeit auf eine Sache einzulassen – Fähigkeiten, die auch im Umgang mit digitalen Medien unverzichtbar seien. Gleichzeitig soll „Das ganze Ignaz liest!“ bewusst keine klassische Schullektüre mit Arbeitsaufträgen und Notendruck sein. Vielmehr gehe es darum, gemeinsam in eine Geschichte einzutauchen, darüber ins Gespräch zu kommen und als Schulgemeinschaft ein gemeinsames Erlebnis zu teilen. Gemeinsam mit Bibliothekarin Rada Kreiter sowie den Schülersprecherinnen und dem Schülersprecher wurde der Roman ausgewählt. Im Mai entstand schließlich der inzwischen weithin bekannte Bücherturm in der Schulbibliothek, von dem sich alle „Ignazler“ ihr persönliches Exemplar holen konnten. Dass die Idee einen Nerv getroffen hat, zeigte sich nun eindrucksvoll bei der Bücherausgabe: Jugendliche saßen sofort vertieft auf Fensterbänken, am Boden oder zwischen den Regalen und lasen los. Die Begeisterung war greifbar.

Zusätzlich startete die Schule kurzfristig noch einen Kreativ-Wettbewerb rund um das Buch. Gesucht wird die originellste Idee einer Klasse zu „Beste Freundschaft“ – ob Text, Bild, Video, Audio-Beitrag oder sogar eine eigene App. Der Kreativität sind dabei kaum Grenzen gesetzt. Die Gewinnerklasse darf sich über einen gemeinsamen Exkursionstag freuen. Ein besonderes Highlight folgt Ende Juni: Autorin Sarah Welk schaltet sich live ans Ignaz und veranstaltet eine interaktive Lesung mit der gesamten Schule.

Und eines scheint jetzt schon sicher: Eine Fortsetzung der Aktion dürfte nicht lange auf sich warten lassen. Ideen dafür gibt es am Ignaz bereits genug – von „Das ganze Ignaz singt!“ bis hin zu „Das ganze Ignaz malt!“ oder „Das ganze Ignaz rennt!“. sug

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