Rosenheim – Die Suche kann frustrierend sein. Stundenlanges Durchforsten von Angeboten und Internetseiten, das Hoffen auf die eine passende Chance. Manchmal sitzt einem noch die Zeit im Nacken. Wer in Rosenheim auf Wohnungssuche ist, braucht Geduld, Glück – und immer mehr Geld. Die Mieten sind im ersten Halbjahr von 2026 wieder gestiegen. In Rosenheim teilweise so hoch wie kaum woanders in Bayern. „Zurzeit ist es dort für Wohnungssuchende nicht gerade einfach“, sagt Dr. Stephan Kippes, Immobilienexperte beim Immobilienverband Deutschland (IVD) Region Süd.
Mieten steigen in Rosen-
heim am deutlichsten an
Für eine durchschnittliche Wohnung mit „gutem Wohnwert“ – guter Zustand, ruhige Lage, mitten im Wohngebiet, kein Neubau – muss man jetzt 3,4 Prozent mehr für den Quadratmeter zahlen als noch zu Jahresbeginn. Das wollen Kippes und sein Team herausgefunden haben. In keiner anderen Stadt in Bayern, nicht mal in München, sind die Preise für diesen Wohnungstyp im vergangenen halben Jahr so gestiegen wie in Rosenheim. Mit weitem Abstand auf Platz zwei folgen Regensburg und Würzburg mit einem Anstieg um 1,6 Prozent.
Was zunächst nicht nach viel klingen mag, wird mit einem Blick auf die vergangenen zehn Jahre deutlicher. In der Zeit ist der Mietpreis in Rosenheim um ganze 56 Prozent gestiegen – für eine Drei-Zimmer-Wohnung im Bestand. Das seien die mit am häufigsten am Markt angebotenen Objekte und eigneten sich gut für einen Vergleich, erklärt Stephan Kippes. Im Durchschnitt waren es in Bayern nur 45 Prozent.
Eine Erklärung für den schnelleren Anstieg sieht der Immobilienexperte in der Lage der Stadt. Viel Natur außenrum, Freizeitangebote und eine gute Verkehrsanbindung. „Vor allem die gute Zugverbindung: Im Vergleich pendeln von Rosenheim aus mehr Menschen nach München, als es in anderen Städten der Fall ist“, sagt er. Die müssten alle irgendwo wohnen – und das meist zur Miete anstatt in einem Eigenheim. Entsprechend groß ist die Nachfrage nach familiengerechten sowie kleineren, bezahlbaren Wohnungen, sagt Kippes. Gestiegen sind in Rosenheim nicht nur die Mieten für diese Wohnungen, sondern auch für alle anderen Wohneinheiten. Für eine Altbauwohnung müssen Mieter jetzt 1,4 Prozent mehr für den Quadratmeter zahlen, für eine Neubauwohnung 1,2 Prozent. Bei den Häusern ist es noch deutlicher.
Die monatlichen Kosten für ein bestehendes Reihenmittelhaus sind um 3,4 Prozent nach oben gegangen, Neubauten um 2,7 Prozent. Für eine neu gebaute Doppelhaushälfte kostet der Quadratmeter sogar 3,8 Prozent mehr. Stephan Kippes sagt aber auch: „Häuser zur Miete sind sehr selten am Markt.“ Einerseits leben die Eigentümer meist selbst darin, andererseits seien die Mieten für Häuser sehr teuer.
So kostet eine neue Doppelhaushälfte in Rosenheim nach den Zahlen von Kippes 2.190 Euro im Monat, 80 Euro mehr als vor einem halben Jahr. Als kleiner Vergleich: In München sind es für ein ähnliches Objekt 4.120 Euro. Auf Platz zwei folgt allerdings schon Rosenheim, ansonsten wird nur noch in Erlangen die 2.000-Euro-Marke geknackt. Etwas weniger werden mit 1.990 Euro in Rosenheim für eine ältere Doppelhaushälfte fällig. Die Miete für ein älteres Reihenhaus beträgt 1.840 Euro. Auch bei den Wohnungen gibt es Preisunterschiede. Der Quadratmeter in einer Neubauwohnung liegt bei 17 Euro, in einer Altbauwohnung 14,10 Euro. Bei der „Durchschnitts“-Wohnung sind es 15,10 Euro. Auch da liegt Rosenheim bayernweit auf Platz zwei – hinter Spitzenreiter München mit 21,90 Euro und mit weitem Vorsprung auf Platz drei mit 14,40 Euro. „Das ist schon sehr beachtlich, dass Rosenheim klar vor bayerischen Großstädten liegt“, sagt Kippes.
Dass Rosenheim nicht gerade billig ist, zu dieser Erkenntnis kommt nicht nur der Immobilienexperte des IVD, sondern auch die Immobilienportale im Internet. Einige von denen werten die Zahlen der Angebote ebenfalls aus. Mehr Hoffnung für Wohnungssuchende findet man aber auch dort nicht. „Insgesamt steigen die Mietpreise in Rosenheim in diesem Jahr an“, teilt zum Beispiel „immoScout24“ mit. Der momentane durchschnittliche Quadratmeterpreis aller Wohnungen liege dem Portal zufolge bei 13,30 Euro. Anfang des Jahres waren es noch 13,14 Euro, vor einem Jahr 12,63 Euro. Allerdings seien zurzeit auch knapp 18 sowie rund 12,50 Euro möglich. Am teuersten ist die Miete direkt in der Innenstadt – 13,68 Euro kostet dort der Quadratmeter, wie das Immobilienportal errechnet hat.
Dicht gefolgt vom Rosenheimer Osten mit 13,49 Euro und dem Norden mit 13,43 Euro. Günstiger wird es im Süden der Stadt mit 13,22 Euro. Am wenigsten kostet der Quadratmeter mit 13 Euro in Pang. Wer es lieber ein bisschen größer möchte und ein Haus mieten will, muss tiefer in die Tasche greifen. Der durchschnittliche Quadratmeterpreis bei Häusern liegt in Rosenheim bei 14,23 Euro. Günstiger ist es in Pang und Westerndorf St. Peter, im Süden, Fürstätt, Happing und der Innenstadt hingegen teurer. Allerdings: Zur Miete finden sich bei „immoScout24“ derzeit gerade einmal neun Angebote (Stand 1. Juni).
Suche gestaltet
sich schwierig
Das erschwere die Suche nach einer Bleibe in Rosenheim grundsätzlich. Eigentlich gebe es inzwischen ein „ganz vernünftiges Angebot“ an Mietwohnungen und -häusern. Es sei besser geworden als noch vor einigen Jahren. „Wobei man sagen muss: In Rosenheim tut man sich da trotz des besseren Angebots schwer, da ist nicht so richtig viel am Markt.“